Gemeinsame Bitten für Verantwortung und Toleranz

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 11. September 2018

Friesenheim

Run 50 Menschen haben am interreligiösen Friedensgebet in der katholischen Kirche Friesenheim teilgenommen.

FRIESENHEIM (ej). Etwa fünfzig Menschen sind am Sonntagabend in die katholische Kirche St. Laurentius in Friesenheim zu einem interreligiösen Friedensgebet gekommen. Evangelische und katholische Christen beteten gemeinsam mit Muslimen unter anderem für Zivilisten im syrischen Idlib und für die Opfer von Krieg, Flucht und Gewalt – überall auf der Welt.

Keineswegs wolle man "darüber hinwegtäuschen, dass es eben doch verschiedene Religionen gibt und man nicht einfach zum selben Gott betet", betonte die Organisatorin des Friedensgebets, Martina Hamm. Die stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der katholischen Gesamtkirchengemeinde Friesenheim wollte aber "angesichts der Ereignisse und der politischen Entwicklung in der ganzen Welt und aufgrund der erschreckenden Vorkommnisse in Chemnitz" ein Zeichen setzen für "Toleranz, Respekt, Vielfalt und Menschenwürde". Dass der Einladung dann vor allem Menschen gefolgt waren, die sich ohnehin schon – wie sie selbst – in den Kirchengemeinden und im Netzwerk Solidarität engagieren, hat Hamm weder überrascht noch enttäuscht. Schließlich gehe es auch darum, "sich gegenseitig zu stärken und zu zeigen, dass andere sich für die gleichen Ziele einsetzen". Zu überhören war der Beginn des multireligiösen Friedensgebets nicht, läuteten doch die Glocken der katholischen und der nahegelegenen evangelischen Kirche zusammen das Gebet ein. Im Liedblatt wurde Albert Schweitzer zitiert: "Gebete ändern die Welt nicht. Aber Gebete ändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt." In diesem Sinne wurden nicht nur zwei Friedensgebete aus christlicher und muslimischer Tradition gelesen, sondern die Besucher hatten auch die Gelegenheit, vorbereitete oder eigene Fürbitten vorzutragen, in denen auch selbstkritische Töne anklangen, wie in einer Bitte um Toleranz: "Gott, wir bitten dich für alle, die anders sind", "Gott, wir bitten dich für uns, weil wir immer noch zwischen ihnen und uns unterscheiden."

Mehrere Fürbitten thematisierten die Verantwortung der Menschen in Führungspositionen. Auch persönliche Bitten wurden vorgetragen, wie die Bitte um "Mut für uns selber, den Kindern ein Vorbild zu sein, damit sie eine Welt haben, in der sie gut leben können". Die halbe Stunde mit Liedern und Gebeten klang aus mit der gemeinsamen Segensbitte "nach Wegen des Friedens".