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15. November 2017

Kinderkrippen auf dem Prüfstand

In zehn Gruppen wird in Friesenheim die U-3-Betreuung angeboten / Was noch reicht, könnte in kommenden Jahren eng werden.

FRIESENHEIM. In diesem Jahr feierte die Krippengruppe des evangelischen Kindergartens ein rundes Jubiläum: zehn Jahre. Es war die erste Gruppe in Friesenheim. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie viele Plätze gibt es? Wo gibt es sie? Und reichen die Plätze für die Betreuung der Ein- bis Dreijährigen aus?

Es war Martha Fritz, die im September 2007 die Handwerker angerufen hatte. Sie sollten einige Sachen verändern am evangelischen Kindergarten auf der Sonnhalde in Friesenheim. Den Fußboden. Die Elektrik. Zu dem Zeitpunkt war klar: Es wird eine neue Gruppe geben. Für Kinder zwischen zwei und drei Jahren. Sie erzählt davon zehn Jahre später vor den Gästen der Jubiläumsfeier Mitte Oktober. In den Räumen der Kinderkrippe spiegelt sich mittlerweile die Erfahrung von zehn Jahren wider. "Die Kinder zeigten uns damals, was sie brauchten", sagt Fritz. Welche Spielsachen, welche Ausstattung. Es war Neuland, das der evangelische Kindergarten in Friesenheim betreten hat.

Insgesamt einhundert Plätze verteilen sich auf Friesenheim

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Was mit sechs Kindern und in einer Gruppe begann, wurde in den vergangenen zehn Jahren stark ausgebaut. Zehn Krippengruppen verteilen sich heute auf sechs Kindergärten. Einer evangelisch, fünf werden von der katholischen Kirchengemeinde betrieben. So ergeben sich für alle Ortsteile insgesamt einhundert Krippenplätze. Außer dem Kindergarten St. Katharina in Heiligenzell bieten alle Kindergärten eigene Gruppen für Kinder zwischen ein- und drei Jahren an. In Heiligenzell gibt es eine altersgemischte Gruppe in der auch Kinder unter drei Jahren aufgenommen werden.

Aber auch die Nachfrage ist gestiegen. "Wir haben so viele Anfragen, wir könnten problemlos eine zweite Gruppe aufmachen", sagt Martha Fritz. 357 Kinder unter drei Jahren verzeichnete das Statistische Landesamt im Jahr 2015 in der Großgemeinde. 2011 waren es noch 315. Zwar liegen die Zahlen noch nicht im Bereich über 400 Kinder, wie noch in den 90er-Jahren, aber der Abwärtstrend seit 2000 wurde erstmals unterbrochen.

Doch reichen diese einhundert Plätze? Seit dem 1. August 2013 besteht ein Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. "Die Kinderkrippen sind im aktuellen Kindergartenjahr 2017/18 ausgehend von den derzeitigen Anmeldezahlen gut bis sehr gut ausgelastet", heißt es von der Gemeinde. "Bis zum Ende des Kindergartenjahres sind die meisten Plätze belegt." Plätze gebe es noch in den Kindergärten in Schuttern und Oberschopfheim.

Viola Trademann leitet den Kindergarten St. Marien in Schuttern. Einer der Kindergärten, die noch freie Plätze haben. Es gibt eine Gruppe mit einer sechsstündigen Betreuung und eine Gruppe mit 4,5 Stunden. Aktuell gebe es noch zwei Plätze in der 4,5-Stunden-Gruppe. Die andere Gruppe ist voll. Trademann befürchtet, dass sie im kommenden Jahr niemanden aufnehmen könne. Der Großteil der Kinder in der Sechs-Stunden-Gruppe sei zwei Jahre da.

Kerstin Schaub leitet den Kindergarten St. Franziskus in Oberschopfheim. "Die Nachfrage wird mehr", sagt sie. Bisher bietet der Kindergarten zehn Plätze für die U-3-Betreuung an, ab Januar werden zwei Plätze mehr geschaffen. "Momentan reichen die Plätze bei uns", erklärt Schaub. Ab Juni 2018 habe sich schon ein neues Kind angemeldet. Von den zwei neuen Plätzen bleibt einer übrig.

Im Frühjahr eines jeden Jahres setzen sich Träger, Kindergartenleitung und die Gemeindeverwaltung zusammen, um nach der sogenannten Anmeldewoche Ende Januar den Bedarf für das kommende Kindergartenjahr zu planen. Die Gemeinde befinde sich im stetigen Austausch über die Belegung mit den Kindertagespflegeeinrichtungen, erklärt die Gemeinde.

Vielfältige Gründe für Wartelisten

Doch die Anmeldewoche scheint nicht mehr als ein Richtwert zu sein. An- und Abmeldungen finden über das ganze Jahr verteilt statt. "Krippenkinder werden angemeldet, wenn die Eltern wissen, wann sie wieder arbeiten gehen", erklärt Trademan. Schaub bestätigt: "Es ist ein Kommen und Gehen."

Verena Fuchs von der Verrechnungsstelle für die katholischen Kirchengemeinden Lahr ist Geschäftsführerin der Kindertageseinrichtungen. Sie hat den Überblick nicht nur über die Großgemeinde Friesenheim. "Für alle Kitas (evangelisch und katholisch) stehen in diesem Kindergartenjahr noch sechs U-3-Plätze zur Verfügung", sagt Fuchs. Trotzdem kann es in einigen Gruppen und Ortsteilen zu Wartelisten kommen. Die aber noch nicht lang seien, versichert Fuchs.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Insbesondere die Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten seien stark nachgefragt, erklärt Fuchs. Eltern, die ihre Kinder nicht in Nachbargemeinden bringen können oder möchten, obwohl dort vielleicht noch Plätze frei seien. Oder, wenn Eltern ihre Kinder in kürzeren Gruppen anmelden, aber auf einen Platz in der Sechs-Stunden-Betreuung warten. "Die Wartelisten sind nicht lang und auch nur in vereinzelten Kitas vorhanden", sagt Fuchs.

Trotzdem, Martha Fritz ist zufrieden über die Koordination mit der Gemeinde. "Bis jetzt haben wir es immer hinbekommen, dass jeder einen Platz bekommt", sagt sie, "wenn es vielleicht auch nicht immer der Wunschplatz war." Aber auch sie redet von einer steigenden Tendenz.

Autor: Felix Lieschke