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08. Oktober 2009 11:01 Uhr

Schüler suchen nach den Spuren der jüdischen Geschichte in Friesenheim

Die Erforschung der jüdischen Geschichte der Gemeinde Friesenheim ist seit einigen Monaten eine freiwillige Projektaufgabe von sieben Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 der Realschule Friesenheim. Wo haben die jüdischen Familien gewohnt und gearbeitet, wie haben sie gelebt und welches Schicksal mussten sie während des Dritten Reiches erleiden? Diesen Fragen möchten die Jugendlichen auf den Grund gehen.

  1. Die Friesenheimer auf dem Jüdischen Friedhof in Kippenheim Foto: Privat

  2. Foto: Privat

FRIESENHEIM(BZ). Das Schulprojekt, das sich mit der jüdischen Geschichte der Region auseinander setzt, ist auch ein Anliegen des Historischen Vereins für Mittelbaden. Der Verein unterstützt daher die Jugendlichen bei der Recherche nach den Spuren und Zeugnissen der jüdischen Gemeinde Friesenheim. Das Ergebnis der Schülerarbeiten soll in einer kleinen Broschüre veröffentlicht werden. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich bereits darauf, als Geschichtsautoren in die Öffentlichkeit zu treten. Die Publikation soll noch dieses Jahr erscheinen. Im Rahmen der im Unterricht angebotenen Projektwoche soll das Ergebnis der Geschichtswerkstatt in einer Ausstellung im örtlichen Heimatmuseum in Oberweier oder im Bildungszentrum der Gemeine Friesenheim präsentiert werden.

Das Schicksal der jüdischen Gemeinde Friesenheim ist durch Jürgen Stude niedergeschrieben worden. 50 Jahre nach Kriegsende wurde durch die politische Gemeinde Friesenheim am 8. Mai 1995 in der Synagogengasse eine Gedenktafel als Mahnung gegen Rassismus und Gewalt enthüllt. Durch ein ökumenisches Jugendprojekt der katholischen und evangelischen Pfarreien, das auch von der politischen Gemeinde Friesenheim und dem Historischen Verein Mittelbaden e.V. gefördert wurde, konnte im Jahr 2006 ein Erinnerungsstein an die Deportation der Friesenheimer Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940 errichtet werden. Der Erinnerungsstein wurde im Oktober 2007 mit einer Namenstafel der deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger durch den Historischen Verein Mittelbaden ergänzt. Insgesamt 5617 Kinder, Frauen und Männer wurden an diesem Tage nach Gurs in Südfrankreich deportiert und kamen bis auf wenige später im Vernichtungslager in Auschwitz ums Leben. Aus Friesenheim wurden insgesamt neun Personen deportiert. Die Schicksale dieser Opfer werden momentan durch die Schülerinnen und Schülern der Realschule ermittelt.

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Mit beschrifteten Messingschildern auf Betonwürfeln, sogenannte Stolpersteine, möchte der deutsche Künstler Günter Demnig im gesamten Deutschland auf die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus hinweisen. Die Stolpersteine sollen in den Gehwegen vor den Häusern, in denen die Opfer wohnten, einbetoniert werden. Die Projektgruppe der Schülerinnen und Schüler erarbeitet die Grundlagen für das Stolpersteinprojekt und sind zur Zeit dabei, die Texte und Standorte für die Steine festzulegen. Der Gemeinderat Friesenheim hat bereits in seiner Sitzung vom 2. Juni 2008 einem Antrag der GLU-Fraktion zugestimmt und grünes Licht für das Stolpersteinprojekt gegeben. Voraussetzung zur Realisierung ist jedoch die Zustimmung der Hauseigentümer vor deren Gebäuden die Stolpersteine einbetoniert werden sollen. Nach Abschluss des Schülerprojektes kann der Gemeindeverwaltung ein Vorschlag zur Realisierung des Stolpersteinprojektes unterbreitet werden. In Friesenheim könnten insgesamt zehn Stolpersteine in Gehwege eingebaut werden.

Das Schulprojekt begann mit der Suche nach Geschichtsquellen. Eine wichtige Grundlage war ein Ortsplan der Gemeinde, der im Jahre 1890 bei der Verlegung der Wasserleitung erstellt wurde. Nachdem die Hausbesitzer damals für den Wasseranschluss zur Kasse gebeten wurden, gibt es ein wunderbares Einwohnerverzeichnis aus dieser Zeit. Jürgen Studes Buch "Die jüdische Gemeinde Friesenheim", Adressbücher, Archivunterlagen und Fachliteratur ergänzen das Wissen der Projektgruppe.

Ein Besuch auf dem jüdischen Verbandsfriedhof, auf dem die Friesenheimer Juden bestattet sind, erbrachte weitere Erkenntnisse. Anlässlich der Exkursion, die von Renate Kreplin fachkundig geführt wurde, erfuhren die Jugendlichen vieles über die jüdische Kultur und die Gebräuche. Hilfreich für die jungen Geschichtsforscher war auch das Memorbuch über den Schmieheimer Friedhof von Naftali Bar-Giora Bamberger.

Über die großen Ferien waren die Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe damit beschäftigt, ihr erforschtes Wissen zu Papier zu bringen. Die Entwürfe der Arbeiten wurden am 6. Oktober 2009 in einem Zeitzeugengespräch diskutiert. Ältere Friesenheimer konnten den Jugendlichen viel von früher erzählen und Auskunft darüber geben, wie Juden und Christen bis zum Beginn des Dritten Reiches problemlos miteinander eine Dorfgemeinschaft bildeten. Die Spurensuche der Realschüler soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der Autor: Ekkehard Klem ist Mitglied der Gruppe Lahr-Friesenheim des Historischen Vereins für Mittelbaden. Weitere Informationen über den Verein gibt es im Internet.

Autor: bz