Von Königskerzen und flüssigem Gold

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Di, 03. März 2009

Friesenheim

BZ-INTERVIEW mit Rudi Beiser aus Schuttern, der Kräuter genau kennt und weiß, zum welchem Zeitpunkt sie man am besten erntet .

FRIESENHEIM-SCHUTTERN. Mit Kräutern beschäftigt er sich seit mehr als 30 Jahren, seit 16 Jahren betreibt Rudi Beiser (49) in Schuttern die "Kräutermanufaktur La Luna". Im Gespräch mit BZ-Mitarbeiter Hagen Späth spricht er über seine Faszination für Heilkräuter, seine besondere Art der Ernte und, dass es für jedes Kraut den richtigen Erntezeitpunkt gibt. 

BZ: Erkältungen und Rotznasen waren auch in diesem Winter an der Tagesordnung. Gibt es ein Kraut, das dagegen gewachsen ist?

Beiser: Kräuter helfen am besten vorbeugend. Hinterher helfen Kräuter eher mildernd. Je nach Symptom können sie große Erleichterung bringen. Bei einem Husten, der sich schwer löst, zum Beispiel die Königskerze oder auch  Thymian. Wer spürt, dass eine Erkältung im Anzug ist, kann mit Sonnenhut die Abwehrkräfte stärken.

BZ: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass man Kamillenblüten am besten mittags erntet. Warum?

Bader: Wie wir Menschen, so haben auch Pflanzen zu bestimmten Zeiten einen Leistungshöhepunkt. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt hat die Pflanze, in diesem Fall die Kamillenblüte, mittags die höchste Konzentration an ätherischen Ölen in der Blüte. Aber Vorsicht, die Sonne sollte auch nicht zu stark scheinen, sonst verdunsten die ätherischen Öle schneller.

BZ: Was ist ein Kraut? Was ein Gewürz?

Beiser: Kraut ist der Überbegriff. Gewürze sind Kräuter, die für die Essenszubereitung genutzt werden. Wobei klassische Küchengewürze wie Thymian oder Oregano auch in der Heilkunde eine Rolle spielen. Der Begriff Gewürz kommt von Wurzel. Das verweist darauf, dass man früher viel häufiger die Wurzeln der Kräuter verwendet hat. Da steckt der Glaube dahinter, dass die Kraft der Pflanze vor allem in der Wurzel steckt.

BZ: Ihr Betrieb ist nach dem Mond benannt: "La Luna".

Beiser: Ich säe zwar nach dem Mondrhythmus, aber die Hauptrolle spielt eigentlich die Sonne. Manche Pflanzen werden morgens geerntet, manche mittags und manche nachmittags. Für den Tages-, aber auch den Jahresrhythmus ist die Sonne verantwortlich. Pfefferminze zum Beispiel schmeckt im Frühjahr, wenn sie aus der Erde treibt, unangenehm. Erst wenn im Sommer die ersten Blüten da sind, entfaltet sie ihr optimales Aroma.

BZ: Und die Manufaktur deutet auf Handarbeit hin?

Beiser: Manufaktur heißt, dass ich ausschließlich mit der Hand arbeite und ohne Maschinen. Die Kräuter werden von Hand geerntet, verlesen, getrocknet und verpackt. Das ist notwendig für meine besondere Art, die Blätter und Blüten vom Stiel zu bringen und schonend zu trocknen. Nur wenn die Blüten und Blätter als Ganzes geerntet werden, bleiben die Ölzellen unberührt und die ätherischen Öle weitgehend erhalten. Bei der letzten Untersuchung hatte zum Beispiel meine Melisse den fünffachen Wert an ätherischem Öl gegenüber dem im deutschen Arzneibuch geforderten Wert. Melisse enthält ganz wenig ätherisches Öl, man sagt auch flüssiges Gold dazu.

BZ: Gibt es in den Pflanzen noch andere Stoffe, die genutzt werden können?

Beiser: Es gibt Gerb- oder Bitterstoffe. Die sind zu bestimmten Zeiten besonders stark angereichert. Das heißt, ich kann, indem ich zu unterschiedlichen Zeiten ernte, unterschiedliche Qualitäten gewinnen, die für verschiedene Zwecke eingesetzt werden können. Wer Himbeer- oder Brombeerblätter für einen Tee gewinnen will, sollte junge Triebe im Frühjahr ernten und nicht alte im Sommer, weil dann die Gerbstoffe stärker vertreten sind. Wer dagegen die Brombeerblätter gegen Fußpilz in einem Fußbad einsetzen will, braucht viele Gerbstoffe.

Vortrag: "Wissenswertes über Heilkräuter" ist Thema des Vortragsabends des Bildungswerks Schuttern am Montag, 9. März, 20 Uhr, im Pfarrheim Schuttern. Dabei werden diverse Heilkräuter mit deren Bedeutung in Brauchtum und Geschichte vorgestellt.