Lörrach

Führung zum Dialekt im Dreiländermuseum – Vom Zungenschlag im Dreiland

Daniela Gschweng

Von Daniela Gschweng

Mo, 11. Februar 2019 um 08:00 Uhr

Lörrach

Alemannisch erkennt man an nur drei Wörtern. Im Dreiländermuseum gab es dazu eine Führung.

Im Dreiland spricht man zumindest zwei Sprachen und drei verschiedene Dialekte. Und trotzdem: Egal wer mit wem spricht in der Region, ob Elsässisch oder Baseldeutsch, der Zungenschlag ist immer der gleiche. "Alles alemannische Dialekte", erklärte Sprachwissenschaftlerin Susanne Raible im Dreiländermuseum. Diese allerdings können sich im Detail sehr unterscheiden.

Für die Dreiländerausstellung und die Führung "Sprache und Dialekt" hat die Sprachwissenschaftlerin verschiedene Sprachproben aus der Region gesammelt. Unter anderem bat sie verschiedene Personen, mit geschlossenen Augen einen Gegenstand zu beschreiben.

Wer von den Führungsteilnehmern aus der Gegend stammt oder schon länger dort wohnt, meistert den Hörtest ohne Probleme. Zunächst beschreibt eine Sprecherin einen Plüschvögel. Dieser, stellt sie fest, habe Arme, Beine und Finger, sei aber kein "Käsperli". Damit verrät sie sich: Baseldeutsch, stellen die sämtlich deutschen Zuhörer fest. Oder genauer: besseres Baseldeutsch. "Ebbis" sagt die Sprecherin für "etwas". Im allgemeinen Baseldeutschen sagt man sonst "öbbis". Vielleicht handelt es sich um eine Sprecherin aus dem "Daig", der alteingesessenen, wohlhabenden Basler Gesellschaft.



Der zweite beschriebene Gegenstand, eine Heuraufe für Kaninchen, war schwerer zu beschreiben – absichtlich, die Probanden sollten beim Rätseln möglichst viel sprechen. Es fällt das Wort "Kingela", Kaninchen. Ganz klar, die Sprecherin stammt aus dem südlichen Elsass. Verorten lässt sich ein Dialekt manchmal bis auf den Ort genau, dazu muss man kein Sprachwissenschaftler sein.

Und so mancher führt gleichsam seinen ganzen Lebenslauf im Mund. Noch schwerer hatte es ein Mann mit einem Ding, das eine "Siite" aus "Plaschdig" hat. Da sind sich auch die Zuhörer uneins. Stammt er aus "Lüürach-City" oder aus dem Wiesental? So ganz, findet eine dritte Gruppe, passt beides nicht. Richtig, der Sprecher ist in der Region mehrmals umgezogen. "Dialekt färbt immer ab", erklärt Raible. Das sei ein Grund, aus dem in der Region ein einheitlicher Sprachraum entstand. "Der Rhein, bevor er begradigt wurde, war sehr leicht zu überwinden, die Fischer sprachen die ganze Zeit miteinander", gibt Raible einen kurzen Einblick in die Sprachgeschichte der Region. Ob Elsässisch, Baseldeutsch oder die Sprache der Lörracher Region – alles Varianten des Alemannischen.

Echtes Alemannisch erkenne man, so die Expertin, ganz schnell an den lang gezogenen Vokalen U, I und Ü. Für einen Schnelltest reichen drei Worte aus. "Lassen Sie einen Unbekannten einfach Feuer, Weib und Zeit sagen, dann wissen Sie Bescheid", fasst Raible zusammen. "Füür", "Wiib" und "Ziit" gebe es sonst nur noch im Plattdeutschen. Da heiße Zeit "Tied" – auch mit langem I.

Und da wären dann noch die anderen Buchstaben. Das in der Deutschschweiz verbreitete rollende R rolle in Basel quasi gar nicht, so Raible. Und das harte K in Basel – Relikt einer Zeit, in der viele Deutsche in Basel wohnten – sei einzigartig in der Region. Der politische Graben zwischen den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land sei so hörbar. Und in den Schweizer Nachrichten könnten Hörer schon am Dialekt erkennen, welche Regionen am meisten Einfluss auf das gesellschaftliche Geschehen hätten.

Andersherum gehe es aber auch. Johann Peter Hebel, bekannter Dichter der Region, pflegte in seinen Gedichten eine Mischung aus dem Basler und dem Wiesentaler Dialekt. Mit Erfolg: Sowohl Hausen im Wiesental als auch Basel reklamieren den Mundartpoeten für sich.