Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
14. August 2009 15:57 Uhr
Achtung Kontrolle
Für freihändig Fahren einen Fünfer
Rund 30 Fahrradunfälle gab es im ersten Halbjahr in Lörrach. Die Polizei kontrolliert immer wieder die Velos auf ihre Sicherheit. Auch gegen manche Unsitte radelnder Verkehrsteilnehmer geht sie vor. Das kostet dann auch Schüler schon mal ein paar Euro.
LÖRRACH. Sechs Polizisten nehmen Aufstellung am Straßenrand in der Tumringer Straße. Was wie ein Großeinsatz anmutet ist eine frühmorgendliche Fahrradkontrolle. Die Beamten des Polizeireviers Lörrach erwarten an diesem Morgen junge Radler auf dem Weg zur Schule.
Bestimmt hat der Schüler die Polizisten schon gesehen. Trotzdem fährt er freihändig weiter. Dann muss er bremsen und scheint darüber verärgert. Grimmig blickt er drein, als die Polizistin ihn freundlich begrüßt, die Arme hält er trotzig vor der Brust verschränkt. Wut empfindet offenbar auch die Beamtin der Lörracher Polizei. Nach einem kurzen Gespräch eilt sie zum Fahrzeug auf dem Parkplatz des Möbelhauses. "Der bekommt jetzt eine Verwarnung, weil er provokant freihändig in die Kontrolle gefahren ist", sagt Simone Schuler. Fünf Euro kostet das. "Das zieht oftmals mehr, als wenn man nur etwas sagt", ist die Polizistin sicher. Sie habe schon erlebt, dass nach einer Ermahnung einfach freihändig weitergefahren wurde. Außerdem gehe es bei der Fahrradkontrolle um die Sicherheit, im Verkehr und für jeden Einzelnen.
Werbung
In der Zwischenzeit hat der Junge wohl über sein Verhalten nachgedacht, ist freundlich und zeigt sogar Reue. Sein Fahrrad ist übrigens in einem Top-Zustand und lässt in Sachen Sicherheit nichts vermissen. Speichenreflektoren, Strahler hinten und vorne, Bremsen, Fahrradschloss und Rahmennummer, es ist alles da und funktionstüchtig.
"Guten Morgen", grüßen die Polizisten stets freundlich und erhalten meist ein höfliches "Hallo" zurück. Als umsichtigen Velofahrer lernt Polizist Matthias Lohberger den 13-jährigen Fabian kennen. Er weiß über sein Velo Bescheid und zeigt sich überrascht, als Lohberger ihn auf seine abgefahrenen Reifen hinweist. Außerdem fehlt der hintere Reflektor. "Ich schaue immer auf die Verkehrstüchtigkeit meines Rades, aber er muss wohl irgendwann abgefallen sein", sagt Fabian betrübt. Die Kontrolle findet der 13-Jährige gut. "Mehr Verkehrssicherheit bedeutet auch weniger Unfälle", sagt der Schüler und nimmt den Mängelbrief mit nach Hause. Zwei Wochen später muss er das überholte Fahrrad bei der Polizei zeigen.
100 Fahrradunfälle mit Verletzten, 16 davon schwer, gab es 2008 in Lörrach, erklärt Jörg Maurer, Polizeikommissar und zusammen mit Stefan Setzer für diese Kontrolle an der Tumringer Straße verantwortlich. Die meisten davon passierten an der Ecke Bahnhof-/Baumgartnerstraße, im Bereich der Basler-, Weiler- und Hauptstraße, in der Tumringer- und Freiburger Straße und Teilen der Wallbrunnstraße. "Das sind alles Schulwege, doch auch in den Ferien reißt die Zahl der Unfälle nicht ab", schildert Maurer seine Beobachtung. In diesem Jahr habe es bis Juli bereits 29 Unfälle gegeben. Damit sei die Hochrechnung aufs Jahr zwar rückläufig, doch die unfallträchtigen Monate August bis Oktober sind noch nicht vorbei.
Mit den Fahrradkontrollen leistet die Polizei Präventionsarbeit. "Es geht uns nicht darum abzukassieren", sagt Maurer. Deshalb bekommen die Jugendlichen einen Elternbrief mit nach Hause, in dem auf die Sicherheitsmängel am Velo hingewiesen wird. Auch in Sachen Diebstahl leisteten die Beamten bei der Kontrolle Aufklärungsarbeit. Bereits 171 Mal haben Langfinger im Revierbereich Lörrach im ersten Halbjahr 2009 zugeschlagen.
Mit Unverständnis beobachtet Jörg Maurer auch die Helmmoral vieler Velofahrer, bei denen der Kopfschutz während der Fahrt am Lenker baumele. "Haben Sie schon einmal einen verletzen Radler mit Kopfverletzungen unter einem Auto vorgezogen?" Jörg Maurer hat. Die Bilder blieben ihm im Gedächtnis.
Autor: Maja Tolsdorf
