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26. Juni 2015 19:01 Uhr

Flugplatz Eschbach

Restaurant Fliegerhorst öffnet – mit Horst Lichter als Paten

Über kaum ein anderes Gastro-Projekt im Markgräflerland ist so viel geredet und spekuliert worden wie über das Restaurant Fliegerhorst in Eschbach. Nun öffnet es. Doch was hat Horst Lichter damit zu tun?

  1. Stephanie Schuler, Hervé Grosjean und Horst Lichter sind bereit, mit dem neuen Restaurant abzuheben. Foto: Martin Pfefferle

  2. Ideen- und Geldgeber: Paula und Maxi Gainza Foto: Martin Pfefferle

  3. Der große Smoker steht bereit vor dem „Fliegerhorst“. Foto: Martin Pfefferle

Auch wenn es der Name und das bärtige Logo vermuten lassen: Es ist nicht Horst Lichters Restaurant. Er sei Pate, sagt er, und will gemeinsam mit Inhabern und Geschäftsführern seine Vorstellung von einem echten Gasthaus umsetzen.

TRÄUMCHEN

"Ist das ne süße Runde", begrüßt Horst Lichter in seinem rheinischen Tonfall die zu Dreivierteln weibliche Journalistenrunde. "Ein Träumchen", schiebt er hinterher und legt er los. Dass dieser Mann 20 Jahre hinter dem Kohleherd gestanden hat und Abend für Abend 70 hinterher glückliche und satte Gäste bekocht hat – man würde es nicht glauben. Er redet von sich, von seiner Idee von gutem, genussvollen Essen und von den "vielen lieben Menschen", die das alles nun in seinem Sinne – aber in eigener Regie – umsetzen. Verantwortlich für die Küche ist Hervé Grosjean, ein Charme versprühender Franzose, der 15 Jahre Gäste bei Events der Freiburger Messe kulinarisch verwöhnt hat. Grosjean und Lichter ticken gleich, wenn es darum geht, was wichtig ist für gute Küche. Ehrliche Küche, ehrliche Produkte. Den Job bekommen hat Grosjean aber, weil die Frau des argentinischen Besitzers Maxi Gainza sein Lächeln so toll fand, als er in eine Besprechung platzte. "If you can cook as good as you smile, you are hired", sagte Paula Gainza. Grosjean kochte gut genug und bekam den Job. Die Anekdote erzählt einiges über das familiäre und freundschaftliche Träumchen, das hier im Gewerbepark direkt an der Start- und Landebahn verwirklicht worden ist.

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GELD IST KEIN THEMA

Ganz am Rande fällt auf Nachfrage dann doch noch eine Zahl: Drei Millionen Euro habe die Realisierung des Restaurants gekostet. Als Fernsehkoch und plaudernder Mitspieler von Johann Lafer ist der in ausgesprochen einfachen Verhältnissen aufgewachsene Horst Lichter viel herumgekommen. Aber auch für ihn ist es bemerkenswert, dass der Inhaber eines geplanten Restaurants keine Obergrenze vorgibt, sondern sagt: Es kann kosten, was es kosten muss. Die Küche ist vom Feinsten, sagt Fachmann Lichter und hat als atmosphärischen Kontrast eben jenen Kohleherd danebenstellen lassen, auf dem er einst brutzelte und schmurgelte. Die Lüftungstechnik sei nicht ganz einfach gewesen, erklärt im Vorbeigehen Maxi Gainza, jetzt sei’s gelöst. Drei Jahre hat es gedauert bis aus der ehemalige Gaststätte Eule – benannt nach der dort stationierten Fliegerstaffel – der "Fliegerhorst" wurde. Der Name bietet vielfältige Assoziationen mit dem Projekt. Als Synonym für einen militärischen Flugplatz passt es so gut wie als ein Rückzugsort mit guter Aussicht. Die wurde vom Bauherr Maxi Gainza bewusst einbezogen. Und schließlich erinnern auch die Art déco-Elemente an der Fassade und als Stilmittel im Inneren an stilisierte Adlerschwingen. Paula und Maxi Gainza hatten die Idee zu dem Projekt. Auch Horst Lichter lernte per Zufall die in der Schweiz lebende Jetset-Familie kennen. "Es ist eine Seelenverwandtschaft", begründet Lichter, warum die Freundschaft so gut harmoniert. Obwohl "er so gut deutsch spricht, wie ich englisch".

ZUM GUCKEN

Zusammen mit Grosjean ist Stephanie Schuler Geschäftsführerin. Sie ist für den Service zuständig. Eine eigenes Haus leitete die Eventmanagerin bisher nicht. Familie Gainza ficht das nicht an. "Die sind zu nett für Gastronomie", fürchtete zwischenzeitlich Horst Lichters Frau Nada Sosinska, wie dieser schmunzelnd erzählt. Von Stephanie Schulers Organisationsgeschick war Maxi Gainza vom Fleck weg begeistert. Und weil das "Fliegerhorst" kein gewöhnliches Restaurant ist, wird ihr Geschick als Event-Organisatorin vonnöten sein. Viel lässt sich Horst Lichter nicht entlocken, aber wenn das neue Restaurant sich im Team eingespielt hat, soll es auch eine große Eröffnung geben und dann soll auch der eine oder andere Prominente vorbeischauen. Ob auf einer kleinen Bühne oder als Gast – jedenfalls soll "es etwas zum Gucken geben", verspricht Lichter.

SCHÄTZE

Zum Gucken gibt es in dem zweigeschossigen Lokal auch jetzt schon Einiges. Vom Restaurant aus haben Gäste mit speziellem Fensterplatz freien Blick auf die fliegerischen Oldtimerschätze. Maxi Gainza führt durch die Sammlung und das Leuchten in seinen Augen verrät, wie viel Vergnügen es ihm macht, mit einer Spitfire oder einer B51 abzuheben und auch Kunststücke in der Luft zu machen. Sein Sohn Marcos ist Ingenieur, hat diese Passion geerbt und kann jedes Detail erklären. Im Eingangsbereich steht derzeit ein mächtiges Trumm von Automobil, mit dem Horst Lichter auch mal in der Werderstraße in Müllheim gesehen wird, wenn er auf dem Weg heim nach Badenweiler ist. Es wird kein Museum für Lichters zahlreiche Oldtimer, aber es werden immer wieder welche dort zu sehen sein. Und nebenan ist die Bar, die mit neuer, aber historisch wirkender Backsteinwand, dunklem Holz, enormer Destillenauswahl und schon jetzt dem speziellen Geruch einer Raucher-Bar aufwartet. Zigarren liegen bereit. Es kann losgehen.

PREISE FÜR ALLE

Während der Außenbereich gerade noch geebnet und aufgehübscht wird, laufen auch in der Küche die Vorbereitungen auf den Eröffnungstag. Lichter schwärmt von der Tomatensuppe mit dem besonderen Kniff: "lecker". Weil dieses Gütesiegel abgegriffen ist, hat Paula Gainza das neue Credo ausgegeben: "Yummi". Die beiden jüngsten Gainza-Kinder dürfen auch kosten von den Köstlichkeiten mit Butter, Sahne und was sonst noch so dazugehört. Ihr Urteil nimmt Lichter ernst: "Kinder sind ehrlich." So wie die Küche, die ohne Zusatzstoffe auskommen soll, wo immer das möglich ist. Fleisch kommt von der Metzgerei Kaltenbach in Schallstadt, Schinken von Dirr aus Endingen. Den Fisch holt Grosjean bei der Metro in Frankreich, die Kartoffeln bei Klein in Heitersheim, um ein paar Beispiele zu nennen. Regional, von bester Qualität – und die Gerichte zu einem Preis, den auch Bauarbeiter zahlen können. Diese Botschaft ist Horst Lichter besonders wichtig: Alles sollen kommen und es sich leisten können, im "Fliegerhorst" zu essen. Ein Gourmettempel soll es nicht werden. Aber ein schöner Ort für Genießer könnte es wohl werden. Heute gibt’s von 12 Uhr eine kleine Karte. Und bei den Gästen sicherlich große Augen.
Info

Restaurant und Bar Fliegerhorst, Freiburger Straße 19, Eschbach. Geöffnet Donnerstag bis Montag, 12 bis 22 Uhr.Tel. 07634/789510, http://www.restaurant-fliegerhorst.de

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Autor: Martin Pfefferle