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05. September 2015 00:02 Uhr

Demeter-Betrieb

Weinbau im Einklang mit den Planeten: Vorgrimmler in Munzingen

Das Weingut Vorgrimmler in Munzingen setzt konsequent auf die Aussaatregeln von Maria Thun und baut kräftige, sehr fein strukturierte Burgunder nach Demeter-Richtlinien aus.

  1. Herrliche klassische Burgunderaromen mit würzigem Kick – Spätburgunder Rotwein 2011 nach Demeter-Richtlinien, ausgebaut von Klaus Vorgrimmler Foto: Michael Wissing

  2. Besitzt fast magische Überzeugungskräfte: Klaus Vorgrimmler Foto: Wissing 

Der herrliche Garten hinter dem Betriebshof des Weinguts von Klaus Vorgrimmler in Freiburg-Munzingen ist eine radikal entschleunigte Oase der Natur, die eine fast magische Atmosphäre ausstrahlt. Im wunderbar angelegten Kräuter- und Heilpflanzengarten werkeln befreundete Ehepaare mit tiefenentspannten Gesichtszügen. Klaus Vorgrimmler hat durchaus Ähnlichkeit mit einem Magier, wenn er den Zuhörer bei seinen begeisternden und ansteckenden Vorträgen in die Geheimnisse der Planetenkonstellationen, eines lebendigen Mikroklimas am Boden oder des Mond- und Aussaatkalenders der Maria Thun einweiht.

Schon Vorgrimmlers Vater, einer der Mitbegründer des Badischen Winzerkellers, hatte in den frühen 80er-Jahren großes Unbehagen und wollte mit der vielen Chemie im Weinberg aufhören. Er begann seine Rebhänge zu begrünen. Winzermeister Klaus Vorgrimmler übernahm 1985 das seit Generationen im Familienbesitz befindliche Weingut, war Mitbegründer des Ecovin-Verbandes und zog sich langsam aus der Genossenschaft zurück, bis er 1997 ganz auf eigenen Beinen stand. Seit 2007 ist er ein zertifizierter Demeter-Betrieb und arbeitet konsequent nach den Aussaatregeln der "Pionierin des Pflanzenbaus im Einklang mit kosmischen Kräften" Maria Thun, deren Nähe zu Rudolf Steiners anthroposophischen Weinbauregeln bekannt ist.

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"Ich wollte einfach etwas ganz anderes machen, wollte unabhängig werden von den immer brutaler werdenden Insektiziden und chemischen Düngemitteln. Und ich wollte die Böden wieder in eine Balance bringen", erklärt der passionierte Winzer. "Ich bin doch ein Lebensmittelerzeuger und ein guter Bauer. Ich weiß, was ich wann und wo einsäen muss, wie ich zu einem gesunden, stabilen und lebendigen Boden komme und wie ich die Reben zu beschneiden habe, um einen reduzierten, aber guten Ertrag zu bekommen." Vorgrimmler behandelt alle Rebstöcke und jede Rebsorte individuell. "Die Reben müssen schon ein bisschen leiden, wenn der Wein gut werden soll. Vor allem müssen sie tiefe Wurzeln austreiben. Seit 20 Jahren sähe ich Leguminosen und bodenaufbauende Pflanzen aus, darunter sind Wiesensalbei, Vogelmiere, Milchsterne, Traubenhyazinthe, Weinbergslauch, Luzerne, Buchweizen und diverse Kleearten."

IN DEN REBEN

Der Boden ist für Vorgrimmler die Grundlage alles Schaffens, der Wein wird im Weinberg gemacht. Deshalb ist ganzjährige Pflege von Hand so wichtig. Die Laubarbeit optimiert das Mikroklima im Rebstock und gibt den Reben einerseits die Möglichkeit, Symbiosen einzugehen, die ihnen gezielt Nährstoffe zuführen. Andererseits verschafft ein lebendiger Boden vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Vorgrimmlers Lagen sind der Munzinger Kapellenberg und der Lindenberg. Er ist begeistert vom Lössboden an der Südspitze des Tunibergs. Dort stehen seine Burgunderreben, der Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay und seine pilzwiderstandsfähige Sorte Cabernet Blanc, eine Neuzüchtung aus Cabernet Sauvignon und Resistenzpartnern, die im Geschmack an Sauvignon Blanc erinnert. Die heimliche Liebe des Chefs ist aber sein Spätburgunder. Vorgrimmler setzt auch auf die Anwendung verschiedener Tees zu verschiedenen Jahreszeiten im Weinberg. Um die volle Wirkung zu erzielen, verspritzt er seine Tees an bestimmten Tagen – Wurzel, Blatt, Blüte und Frucht, die sich wiederum aus bestimmten Planetenkonstellationen nach Maria Thun errechnen lassen. Der Brennnesseltee vitalisiert die Eisen- und Manganbildung. Die Schafgarbe trägt zum Ausgleich der Nährstoffhaushalte von Kali, Magnesium und Phosphat bei. Die Löwenzahnblüten stabilisieren die Blattzellwände, die Eichenrinde schützt vor Pilzen, die Kamille regt den Kalziumprozess an.

WEINSORTIMENT

Vorgrimmler erntet zwischen 30 und 40 Liter pro Ar, setzt natürlich auf Handlese und händische Aussortierung und verarbeitet seine Trauben sehr schonend ohne großen technischen Aufwand. Alle seine Weine sind spontanvergoren, die Rotweine werden durch offene Maischegärung vinifiziert. Danach lagern sie bis zur nächsten Ernte auf der Feinhefe im Holzfass. Eignet sich ein Jahrgang besonders, können sie auch bis zu 20 Monaten im Barrique lagern. Alle Weine werden natürlich trocken ausgebaut, die Weißweine im Stahlfass. Für Vorgrimmler sollte Weißwein keinen Barriquegeschmack haben, dennoch möchte auch er anfangen, sie zum Teil im großen Holzfass auszubauen. "Ich mag den romanischen Stil, es muss eine klare, fruchtig-kräftige, aber auch subtile Stilistik haben, damit mir ein Wein gefällt. So wie mein 2009 Spätburgunder Rotwein, SR, mit seiner vollmundigen Nase, seinen mineralischen Kirsch- und dunklen Fruchtaromen und herrlicher Säure." Auch der 2011 Spätburgunder Rotwein besticht durch Kraft und Eleganz mit einem würzigen Kick. Die 2013 und 2014 Spätburgunder Saignée Rosé sind herrliche Sommer- und Terrassenweine mit vollen Fruchtaromen und schöner, kühlender Säure. Der 2014 Weißburgunder ist ein großartiger Vertreter seiner Art, der 2014 Grauburgunder ist noch etwas würziger und gehaltvoller. Auch der 2014 Cabernet Blanc erfreut mit fruchtigen Aromen und einem langen Abgang immer mehr Liebhaber. Zum Wohl!


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Weingut Klaus Vorgrimmler,
St. Erentrudisstraße 63,
79112 Freiburg-Munzingen,
Tel. 07664/2489, http://www.vorgrimmler.de



Autor: Christian Hodeige