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02. März 2010

Gelassenheit und Perfektion beim musikalischen Flug zum Mond

Die 6. Bigband-Night des Goethe-Gymnasiums bewies einmal mehr, dass die gute Basisarbeit an der Schule reiche Früchte trägt / Feilen am Ambiente.

  1. Ingo Hipp (Saxophon) studiert heute Jazz. Jetzt kam er mit seinem Quartett zurück nach Emmendingen. Foto: Frank Bernot Timm

EMMENDINGEN. Welche Musik hören junge Leute? Heavy Metal, Popmusik mit Soul-, manchmal Singersongwriter-Anteilen – das sind Klänge, die aus Computern und Playern, selten auch noch anständigen Boxen der Teenies kommen. Jazz scheint eher selten die gewünschte Musik zu sein – wie schön, dass es am Emmendinger Goethe-Gymnasium einen nun schon seit Jahren funktionierenden Gegenentwurf gibt: Die sechste Bigband-Night am Sonntag in der Aula des Goethe-Gymnasiums legte davon ein ziemlich lebendiges; anfänglich auch gut besuchtes Zeugnis ab.

Es beginnt mit Basisarbeit. In den Bläserklassen des Hauses lernt jeder Schüler ein Instrument neu – heraus kommt ein gut besetztes Orchester aus Sechstklässlern, das schon ganz achtbar, wenn auch noch ein wenig steif, Musik machte. Von Jazz war noch nicht sehr viel zu spüren, es ging aber schon um Rhythmussicherheit, Zusammenspiel und das Sammeln von Bühnenerfahrung (alle Ensembles des Abends moderierten selbst). Die Nächstälteren ließen es schon mehr swingen ("Tequila") .

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"Goethes Groove Connection” ist gewiss Bandleader Joachim Müllers Spitzenorchester. Die jungen Leute haben verstanden, wie Bigband-Jazz geht, sie kosteten den satten, hin und wieder fast schmerzhaften Klang ihrer üppigen Besetzung aus. Zusammenspiel, Aufmerksamkeit für den Dirigenten – nahezu alles bei dieser Truppe war perfekt. Vielleicht hätte man sich bei Gitarre und Bass für eine Besetzung entscheiden können? Dort wechselten sich Musiker ab (und die Unbeschäftigten wirkten unterfordert). Erstaunlich die Gelassenheit und Perfektion des jungen Schlagzeugers Jonas Esser – ein Achtklässler legte mehr oder weniger allein für ein Riesenorchester die rhythmischen Grundlagen. Duke Ellington ("Satin Doll") wurde kräftig reanimiert, Nora Jones mit "Don’t know why" gecovert, auch das alte "Fly me to the moon" fehlte nicht – Sängerin Julia Heß hatte mit den beiden Titeln zu wenig Zeit, sich wirklich frei zu singen. Die "Connection” machte ziemlich lebendige, knackige Musik mit gut geschriebenen Arrangements. Offenkundig wird gründlich probiert. Und es gibt Spaß an der Improvisation (Posaunist Rudolf Huber lieferte ein außergewöhnliches Solo ab). Chapeau!

Saxophonist Ingo Hipp hat 2006 am GoetheDie Abitur gemacht. Inzwischen studiert er in Luzern Jazz. Hipp komplettierte mit seinem jungen Quartett am Sonntag das Programm – vor sich leider lichtenden Reihen. Eliyah Reichen (Rhodes), Frederik Heisler (Schlagzeug) und Emanuel Teschke (Bass) spielten mit Hipp eigene Kompositionen: deutlich virtuoser als die Schüler, hin und wieder mit hörbarer Lust an sich ineinander schiebenden, unterschiedlichen Rhythmen; mit einem gehörigen Schuss Wehmut: Entspanntes, fröhliches Aufspielen schien eher selten zu sein. Und dennoch - der Sound des Hipp-Quartetts aus Saxophon, dem selten zu hörenden Rhodes, intelligentem Bass und ausgezeichnetem Schlagzeug blieb im Ohr, auch als das Konzert längst vorbei war. Jubel, am Ende eine Zugabe.

Natürlich ist ein Quartett in der Goethe-Aula im Vergleich zu einer Bigband im Nachteil. Der Raum hatte nichts von Jazz-Club, war zu wenig intim für diese Musik. Joachim Müller kündigte für die nächste Bigbandnight neue Ideen (Tische, Möglichkeit zu tanzen) an.

Autor: Frank Berno Timm