Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. März 2016 00:00 Uhr

Aktien

Die Dividende ist der neue Zins

In Zeiten superniedriger Sparzinsen können Aktien eine Alternative sein – und dies nicht unbedingt wegen Kursgewinnen. Die Dividendenrendite liegt im Schnitt bei mehr als drei Prozent.

  1. Beim Blick auf die Börse sollten Anleger nicht immer nur die Kurse der Aktien im Blick haben, sondern auch auf die Dividenden achten. Foto: dpa

Tagesgeld, Festgeld und zahlreiche Staatsanleihen werfen kaum noch Ertrag ab. Dividendenstarke Aktien können eine Alternative sein. Deutsche Unternehmen schütten für 2015 mehr als 38 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Dividendenrendite liegt im Schnitt bei mehr als drei Prozent, zum Teil gar bei acht Prozent.

Mit der faktischen Abschaffung des Zinses stürzen die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Mario Draghi Sparer, Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und Privatanleger in noch größere Nöte. Mit Sparanlagen und den Anleihen von als solide geltenden Staaten können sie kein Geld mehr verdienen – und dies vermutlich für etliche Jahre. Eine Wende in der Zinspolitik ist, dies hat Draghi jüngst durchblicken lassen, für die nächsten Jahre nicht zu erwarten. Damit richtet sich der Blick zahlreicher Anleger verstärkt auf Aktien. Gefragt sind vor allem die Anteilsscheine jener Unternehmen, die regelmäßig ihre Aktionäre am Gewinn beteiligen und eine Dividende ausschütten. Damit erzielen sie bezogen auf den jeweiligen Aktienkurs eine in etlichen Fällen ansehnliche Rendite von oft mehr als drei, in der Spitze sogar von mehr als sechs Prozent. Die Dividende wird so zum neuen Zins.

Werbung


Selten zuvor sei die Differenz der Dividendenrendite zu den Renditen europäischer Staats- und Unternehmensanleihen so groß gewesen, heißt es in einer Studie "Dividenden statt Niedrigzinsen" der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI). Zehnjährige Bundesanleihen bringen nur rund 0,3 Prozent, kürzere Laufzeiten werfen nichts mehr ab oder gar eine negative Rendite. Um noch positive Renditen zu erhalten, so eine Studie der DZ-Bank, einem Dachinstitut der Volksbanken, blieben nur noch Bonds mit geringerer Bonität, längeren Laufzeiten oder in Fremdwährung. "In allen Fällen muss der Investor dadurch deutlich höhere Risiken eingehen", so die Experten. Schmerzhaft bekommen dies Anleger zu spüren, die auf Hochzinsanleihen aus dem Energiesektor setzten. Die Kurse gehen in den Keller, möglicherweise fallen die Anleihen aus und das Geld ist weg.

"Während vor allem langlaufende Staatsanleihen europäischer Länder im besten Fall bei etwas über null rentieren, beläuft sich die durchschnittliche Dividendenrendite deutscher Aktien aktuell auf drei Prozent", sagt Hans-Jörg Naumer von AGI. Er erwartet, dass die wichtigsten europäischen Unternehmen für das Jahr 2015 den Rekordbetrag von 315 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – elf Milliarden mehr als für 2014.

Mit Rekorden auch in Deutschland rechnet auch die DZ-Bank: "Mit über 38 Milliarden Euro und drei Prozent mehr als im Vorjahr werden die deutschen Unternehmen so viel Dividende ausschütten wie nie zuvor." Damit verteilen die Firmen fast 40 Prozent ihres Gewinns an ihre Aktionäre. Allein auf die 30 größten im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne entfallen 29,5 Milliarden Euro – fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Münchener Rück zahlt 8,25 Euro, was einer Rendite von 4,56 Prozent entspricht. Bei der Allianz liegt die Rendite bei einer Dividende von 7,30 Euro bei 5,35 Prozent. Die Ausschüttungen seien in der Regel solide und durch die Gewinnentwicklung der Unternehmen gestützt, so die DZ-Bank. Den Unternehmen gehe es gut, betont AGI-Fondsmanager Jörg de Vries-Hippen. Solide Bilanzen seien wichtig. "Mindestens genauso ausschlaggebend ist für uns die Dividenden-Historie." Eine hohe Ausschüttung in nur einem Jahr zählt für ihn nicht, Kontinuität ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Aktien.

Die DZ-Bank hat "Dividenden-Aristokraten" identifiziert. Das sind Unternehmen, die in den vergangenen zehn Jahren immer eine Dividende gezahlt, die Ausschüttungen in mindestens sieben der zehn Jahre erhöht haben, eine Dividendenrendite von mindestens drei Prozent erzielen und eine stabile Bilanz vorweisen. All das seien Indizien für ein erfolgreiches und etabliertes Geschäftsmodell. In Deutschland zählen für die DZ-Bank 30 Papiere dazu wie Munich Re, Siemens, Axel Springer, Deutsche Euroshop. In Europa unter anderem ABB, British American Tobacco, Hennes & Mauritz, Roche und Nestlé und in den USA AT &T, Verizon, Procter & Gamble, Coca-Cola und Johnson & Johnson.

Sparer, die sich mit Blick auf die Dividenden für Aktien entscheiden, müssen aber hohe Schwankungen der Kurse und deutlich sinkende Notierungen, wie zuletzt im Januar und Februar aushalten können. Aus einem Kurs von 100 können zwischenzeitlich 50 werden. Sie sollten Experten zufolge ihr Geld für mindestens fünf Jahre anlegen. Eine schöne Dividendenrendite nutze wenig, wenn man die Papiere kurzfristig bei einem möglicherweise stark gefallenen Kurs verkaufen müsse, weil man das Geld brauche. Anleger sollten sich auch genau anschauen, welchen Geschäften die Unternehmen nachgehen und dies auch verstehen. Zudem gelten die üblichen Regeln der Geldanlage wie: Risiken streuen!

Eine Alternative sind Fonds, die gezielt auf dividendenstarke Aktien setzen. Preiswerter sind ETFs, börsengehandelte Indexfonds, die Indizes nachbilden, die Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zusammenfassen. Etwa auf den DivDax, der die 15 dividendenstärksten Firmen aus dem Dax zusammenfasst.

Beim Deutschen Aktieninstitut (DAI), das im Namen von Aktiengesellschaften, Banken und Börsen für Aktien trommelt, sieht man angesichts der Niedrigzinsen neue Chancen für die Aktien, nicht nur wegen der Dividende. Wer etwa am Ende seiner Berufstätigkeit zehn Jahre lang eine monatliche Zusatzrente von etwa 1000 Euro beziehen wolle, müsse dafür etwa 26 Jahre lang 100 Euro monatlich in Aktien investieren. Vier Jahre länger dauere es dagegen, wenn er auf Anleihen mit einer Verzinsung zwischen 0,5 und 1,0 Prozent setzte. Steigen die Dividenden weiter, sieht es für das Aktiensparen noch günstiger aus. Die DZ-Banker jedenfalls bleiben optimistisch. Für 2017 rechnen sie allein für die 30 Dax-Firmen mit einer Dividendensumme von 31,7 Milliarden Euro und für 2018 sogar mit 35,3 Milliarden Euro.

Autor: rolf