Gemeinschaftsschule erwartet Wandel

David Rutschmann

Von David Rutschmann

Mi, 12. September 2018

Wehr

Schulleiterstelle soll in diesem Herbst ausgeschrieben werden / 36 Lehrer decken Pflichtunterricht in Wehr ab.

WEHR. Die neu eingeschulten Fünftklässler könnten die letzten sein, die unter dem Etikett "Gemeinschaftsschule" ihren Abschluss machen werden. Denn sollte das Kultusministerium dem Antrag der Stadt Wehr zustimmen, wird die Gemeinschaftsschule ab dem Schuljahr 2019/20 wieder als Realschule laufen – eine "Realschule neuen Typs", wie die gängige Eigenbezeichnung lautet. Die Anmeldezahlen zum neuen Schuljahr sind gesunken.

Im vergangenen Schuljahr noch lies die Gemeinschaftsschule verlauten, sie befinde sich auf einem "guten Weg" – mit 56 Anmeldungen für die fünfte Klasse scheiterte man knapp an der Dreizügigkeit. Für die fünfte Klasse wurden im neuen Schuljahr hingegen 42 Schüler angemeldet, wie Hans-Joachim Friedemann, Leiter des staatlichen Schulamts in Lörrach, auf Anfrage mitteilt. "Das sind weniger Anmeldezahlen, als wir gedacht haben. Da aber der Wechsel zur Realschule anstehen könnte, ist es positiv zu werten, dass da ein bisschen Luft zum Arbeiten ist", erklärt der Schulamtsleiter. Er weist zudem darauf hin, dass es weiterhin täglich neue Anmeldungen gebe.

Die Gemeinschaftsschule selbst gibt zu Fragen über Schülerzahlen und Lehrerversorgung keine Auskunft – begründet wurde dies damit, dass die Schulleiterstelle in diesem Schuljahr nicht offiziell besetzt ist. Mit dem Abgang von Alexander Bosch zum Ende des Schuljahres 2016/17 übernahm der ehemalige Konrektor Nikolas Knust die Stelle kommissarisch bis zu seinem Ausfall aus gesundheitlichen Gründen. Seit April hat die Realschullehrerin Petra Thiesen die Schulleitung inne. Unterstützt wird sie von einem "Schulleitungsteam" bestehend aus Annette Frey (Grund- und Werkrealschule), Monika Kotterer (Grundschule), Sabine Mairhöfer (Grundschule), Benjamin Schiele (Realschule) und Regine Aisenbrey (Realschule).

Das Schulleitungsteam mache seine Aufgabe gut, befindet Hans-Joachim Friedemann, das habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt. "Sie stehen mit großer Überzeugung hinter dem personalisierten Lernen", sagt der Schulamtsleiter auch im Hinblick auf den möglichen Wechsel zur Realschule neuen Typs. Dies bedeutet, dass die Schüler ab Klassenstufe sieben, anstatt wie bisher ab der neunten Klasse, leistungsdifferenziert unterrichtet werden und an den Hauptschul- oder Realschulabschluss herangeführt werden.

"Die Konzeptbildung zur Gemeinschaftsschule hat aufgrund der speziellen Situation vor Ort nicht so gut geklappt", erklärt Friedemann und verweist darauf, dass die Realschule zuvor große Unterstützung in der Bevölkerung genoss. In Anbetracht der Schulleiterwechsel und des -ausfalls sei es für das Lehrerkollegium zudem schwierig gewesen, die Vorgaben einer Gemeinschaftsschule auf die ehemalige Realschule und die Werkrealschule auf der Zelg umzusetzen.

Friedemann schätzt, dass die Entscheidung des Kultusministeriums, ob man dem Antrag der Stadt Wehr folgt, noch in diesem Jahr getroffen wird. "Letztlich geht es nicht darum, welches die bessere Schulart ist, sondern um fachlich starken Unterricht." In dieser Hinsicht sei man bei der Pressekonferenz und den Infoabenden mit Workshops für die Eltern gut vorgegangen, findet Friedemann. Ungeachtet der Entscheidung soll im Herbst die Schulleiterstelle ausgeschrieben werden – dass der Bewerber Realschulrektor-Qualifikationen haben muss, erwähnt Friedemann explizit. Das aktuelle Schulleitungsteam könnte dem künftigen Rektor eine gute Unterstützung sein und über die kommissarische Tätigkeit hinaus zum Einsatz kommen. Friedemann: "Im Team leitet es sich immer besser als alleine."

In Sachen Lehrerversorgung ist es laut dem Schulamtsleiter bei Gemeinschaftsschulen immer "am schwierigsten, aber es gab schwerere Fälle als Wehr". Zwar sei man mit der Versorgung dort nicht zu 100 Prozent zufrieden, "aber zufriedener als angenommen". Mit 36 Lehrkräften ist der Pflichtunterricht abgedeckt.

Zur Gemeinschaftsschule gehören auch die Zelgschule und ihre Außenstelle in Öflingen. Die Grundschulen konnten zum Schulstart 38 (Zelgschule) beziehungsweise 34 (Außenstelle Öflingen) Erstklässler begrüßen.