Mietshäusersyndikat

Geschichte wird gemacht

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 23. März 2013

Freiburg

Von Freiburg aus hat sich die Idee des Mietshäusersyndikats über die ganze Republik verbreitet.

Die Geschichte des Mietshäusersyndikats ist eine echte Erfolgsgeschichte, die in Freiburg begann. Erstaunlich ist das schon: Wie konnte es glücken, inzwischen 70 Häuser in der ganzen Bundesrepublik mit insgesamt 1500 Bewohnern so zu organisieren, dass die Mieter günstig, sicher und selbstorganisiert leben? Dass 23 w
eitere Initiativen nur darauf warten, Mitglied in diesem solidarischen Verbund von Hausprojekten zu werden? Dass 50 Millionen Euro an Krediten, davon 21 Millionen Euro Direktkredite, für eine Idee eingesammelt wurden, die Mietwohnungen den üblichen Marktbedingungen entzieht?

Es begann Anfang der 80er Jahre auf dem Grethergelände, als sich ein Handwerkerkollektiv gegen die Kündigung wehrte und das Gelände schließlich mit Direktkrediten kaufte. Daraus entwickelte sich die Idee: weitere selbstorganisierten Hausprojekte so miteinander zu koppeln, dass sie sich gegenseitig helfen und gleichzeitig günstige Mieten und sichere Mietverträge garantieren. Inzwischen hat sich daraus ein fester Verbund an Häusern in ganz Deutschland entwickelt, der durch das Mietshäusersyndikat zusammengehalten wird. Das ist eine GmbH, die quasi als Kontrollorganisation Gesellschafter in jedem einzelnen Hausprojekte ist und so Hausverkäufe effektiv verhindert.

Es sind sehr verschiedene Häuser, die da verbunden sind. Da gibt es etwa die "Höhe 3" in Freiburg-Zähringen, wo in einer Villa sechs Erwachsene und zwei Kinder zusammenleben. Am anderen Ende der Republik bietet das "Projekthaus Potsdam Babelsberg" ein soziales Zentrum sowie ein Wohnprojekt für bis zu 25 Menschen. Oder das Wohnprojekt "Fritze" in Frankfurt-Bockenheim beherbergt in einem ehemaligen besetzten Haus 15 Erwachsene und sechs Kinder.

Ihnen allen gemeinsam ist, dass die Hausgemeinschaften in den einzelnen Häusern sich darauf verlassen können, dass die Miete, die sie zahlen, weit unter dem marktüblichen Preis liegt – und dass niemals privatisiert werden wird. In Freiburg liegen die Mieten der Syndikatshäuser auf dem Grethergelände bei 5,70 Euro pro Quadratmeter netto kalt, in den übrigen Freiburger Syndikatshäusern zwischen 5 und 10 Euro pro Quadratmeter, je nach Ausbaustandard der Häuser. Und im Osten der Republik, wo die Mieten generell günstiger sind, liegen die Quadratmeterpreise des Syndikats bei rund 3 Euro.

Ironie der Geschichte: In Freiburg, der Keimzelle des Syndikats, entstehen keine neuen Syndikatshäuser mehr, weil der Immobilienmarkt zu teuer geworden ist und das Mietshäusersyndikat die Unterstützung der Stadtverwaltung vermisst. Der Schwerpunkt verlagert sich nach Leipzig, Dresden und Berlin. Und auch in anderen Ländern ist die Syndikatsidee attraktiv: Inzwischen kommen Anfragen aus Österreich, Spanien und Portugal.