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16. Oktober 2009 19:09 Uhr

Elektrosmog

Geschützte Funklöcher wird es nicht geben

Weil er einen Mobilfunkmasten unbrauchbar gemacht hat, stand der strahlenempfindliche Ulrich Weiner kürzlich in Freiburg vor Gericht. Jetzt hat Gesundheitsministerin Monika Stolz erklärt, Zonen zum Schutz vor Handy strahlen würden nicht geschaffen.

  1. Keine Arbeitsplatz für Elektrosensible Foto: Jens Wolf

Nahezu jeder Quadratmeter im Land ist für Mobiltelefone erschlossen. Die Netzabdeckung liegt bei 100 Prozent, wenige Funklöcher im Schwarzwald ausgeschlossen.

Für Menschen wie Weiner ist das schlecht: Der Mann gibt an, unter der Strahlung von Funkmasten zu leiden und zieht im abgeschirmten Wohnwagen durch Südbaden, sucht Stellen, in die kein Mobilfunkstrahl fällt. Schon das ist meist illegal, weil solche Plätze für Dauercamper verboten sind.

Gänzlich verboten ist, was Weiner zu Jahresbeginn getan hatte: Er schirmte eine Handyantenne mit Folie ab und legte den Sender für Stunden lahm. Gisela Splett, aus Freiburg stammende Landtagsabgeordnete der Grünen, hat den Fall zum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage gemacht.

Für derart sensible Menschen hält das Land keinerlei Konzepte bereit, antwortete Stolz (CDU), selbst Ärztin. Denn einen Zusammenhang zwischen Beschwerden und Handystrahlung schließe das Bundesamt für Strahlenschutz ebenso aus wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz. "Die Frage nach der Einrichtung von Schutzzonen erübrigt sich daher." Laut Ministerium kam die Weltgesundheitsorganisation vor vier Jahren zum Schluss, Elektrosensibilität sei kein Krankheitsbild und kein eigenständiges medizinisches Problem. Stolz’ Fazit: Das Phänomen, unter dem Menschen wie Weiner leiden, verweise auf psychische Grundbedingungen. Gutachter bescheinigten Weiner indes, nicht psychisch gestört zu sein.

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Konkrete Zahlen, wie viele Menschen an Elektrosensibilität leiden, gibt es nicht. Allerdings bezeichnen sich 1,5 Prozent der Deutschen laut Ministerium selbst als entsprechend anfällig. Das wären 1,2 Millionen Menschen, von denen sich aber die wenigsten in den Wald flüchten. Schweden erkennt laut Splett Elek-trosensible als behindert an, um ihnen Chancengleichheit zu bieten. Im Land dagegen gibt es keine derartigen Vorhaben.

Autor: Andreas Böhme