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23. Januar 2017

Neue Chance bei Lebertumoren

BZ-INTERVIEW mit dem Viszeralchirurgen Stefan Fichtner-Feigl über das Leber-in-situ-Splitting.

  1. Fichtner-Feigl Foto: Schneider

Eine neue Operationsmethode bei Lebertumoren ist zum ersten Mal in Südbaden angewandt worden. Der Viszeralchirurg Stefan Fichtner-Feigl hat die Patientin operiert. Claudia Füßler hat mit ihm gesprochen.

BZ: Herr Fichtner-Feigl, wie genau funktioniert die neue Operationsmethode?
Fichtner-Feigl: Es handelt sich um zwei getrennte Operationen. Zunächst trennen wir das gesunde Lebergewebe von dem befallenen. Die Blutversorgung des kranken Teils wird teilweise unterbrochen, er bleibt aber noch im Körper und kann so zu einem gewissen Grad noch die Funktionen der Leber erfüllen. In den nächsten sieben bis zehn Tagen wächst der gesunde, aber eigentlich zu kleine Teil der Leber fast auf das Doppelte an. Würden wir den kranken Teil gleich entfernen, würde der gesunde Teil die Arbeit nicht schaffen, der Patient würde sterben. Erst wenn der gesunde Teil wieder groß genug ist, um alleine sämtliche Funktionen übernehmen zu können, entfernen wir den kranken Teil komplett.
BZ: Für welche Patienten eignet sich diese Methode?

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Fichtner-Feigl: Die Technik wenden wir an, wenn zu viel Lebergewebe weggenommen werden muss. Es ist wichtig, dass mindestens 20 Prozent gesunde Leber im Körper bleiben. Läge der Anteil drunter, könnte sich die Leber nicht mehr regenerieren. Wir können jetzt also Menschen operieren, bei denen das vorher nicht mehr möglich war.
BZ: So wie die Patientin, bei der Sie die Methode angewandt haben?
Fichtner-Feigl: Genau. Bei der 44-jährigen Frau haben bereits mehrere Chirurgen die Operation abgelehnt. Bei ihr waren die Tumore so verteilt und groß, dass nur 18,5 Prozent der Leber übrig geblieben wären, hätten wir die Tumore mit der herkömmlichen Methode entfernt. Stattdessen haben wir den kranken und gesunden Teil getrennt und eine gute Woche gewartet. Der gesunde Teil ist gewachsen und machte dann 33 Prozent der Gesamtleber aus – das genügt, um wieder ganz gesund zu werden. Wir haben die Tumore entfernt und der Frau geht es heute sehr gut, sie ist geheilt.
BZ: Wird die Methode sich etablieren?
Fichtner-Feigl: Bei uns am Uniklinikum auf jeden Fall. Ich habe die Technik in meiner Zeit an der Chirurgie der Uni Regensburg mitentwickelt und nach Freiburg gebracht. Deutschlandweit gibt es allerdings nur wenige Zentren, die sich damit auskennen. Das Splitting ist technisch höchst kompliziert, man muss auf Gallenwege und Blutgefäße achten. Hier helfen uns zwei neue Geräte. Zum einen können wir vor und während der Operation eine dreidimensionale Bildgebung nutzen, die eine deutlich präzisere Operationsplanung und -durchführung ermöglicht. Zum anderen haben wir jetzt ein Leberfunktionsmessgerät, das die Arbeit der Leber unmittelbar messen und auswerten kann. Das alles sind wichtige Schritte, um die Leberchirurgie besser und sicherer zu machen.

Stefan Fichtner-Feigl, 44, ist seit Oktober Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Uniklinik Freiburg. Er war zwölf Jahre an der Klinik und Poliklinik für Chirurgie der Uni Regensburg, davon drei als stellvertretender Direktor.

Autor: cfr