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17. Juli 2009 20:25 Uhr
Eine Partydroge mit üblen Folgen
GHB wird immer mehr zur Vergewaltigungsdroge
Die Partydroge GHB wird immer häufiger für sexuelle Übergriffe missbraucht, denn die Tropfen können willenlos und bewegungsunfähig machen. Jetzt steuert in Freiburg eine Aufklärungsaktion dagegen.
Wer regelmäßig in einen Club oder eine Disko geht, kennt es mit hoher Wahrscheinlichkeit: Gamma-Hydroxy-Buttersäure oder kurz GHB – eine Partydroge, die vor allem bei jungen Leute beliebt ist. Seit einiger Zeit macht sie in Freiburg noch anders und reichlich bizarr Karriere – als Vergewaltigungsdroge. Die Polizei und die Beratungsstelle Frauenhorizonte haben nun eine Aufklärungsaktion gestartet.
Als erste bemerkten es die Mitarbeiterinnen von Frauenhorizonte, der Beratungsstelle für vergewaltigte Frauen: Einige ihrer Klientinnen erzählten, sie seien während eines unerklärlichen Blackouts vergewaltigt worden. Es lief immer ähnlich ab: Party oder Diskobesuch, ein Drink von der Bar, plötzlich wird den Frauen schlecht, Blackout – und dann finden sie sich irgendwo wieder, vergewaltigt, misshandelt oder in obszönen Stellungen fotografiert, die Fotos ins Internet gestellt.
HOHE DUNKELZIFFER
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"Normal" bei Szenegängern ist eine Einzeldosis GHB für zwei, drei Euro, die entspannt oder euphorisiert: "Das törnt gut, hält Stunden an, ist billiger als Bier und leicht zu kriegen" sagt Simone Thomas von Frauenhorizonte – und deshalb ist es als Partydroge auch so beliebt. Etwa 50 Fälle von GHB-Konsum oder Konsums der Vorgängersubstanz GBL bearbeitet die Polizei pro Jahr in Freiburg wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz – die Entwicklung von GHB zur "Date-Rape-Drug", wie die Substanz in den USA genannt wird, sieht sie mit Sorge. Denn mehr als 2,5 Gramm solcher "K.o.-Tropfen" machen benommen, hilf- und willenlos. Auch in anderen Städten hat der Bundesverband Frauenberatungsstellen steigende Fallzahlen registriert.
AUFKLÄRUNG MIT INFOTEAMS
Deshalb sind auch an diesem Wochenende und noch einige Male bis Ende des Jahres Frauenhorizonte-Mitarbeiterinnen in Freiburger Bars, Clubs und auf Festen wie der Downtown-Streetparty unterwegs. Parallel dazu laufen Infoveranstaltungen in der ganzen Stadt. Nachtschicht, Parabel, Karma, Drifters, Schneerot, KGB, Rengtengteng – Simone Thomas kennt die Partyszene inzwischen ganz gut: "Die Gastronomen sind sehr hilfreich und unterstützen unsere Aktion." Ab 23 Uhr verteilt das Infoteam Flyer und redet mit den Gästen über GHB und "Date-Rape-Drugs". Von denen fragt übrigens kaum jemand: GHB, was ist denn das? Die meisten, sagt Thomas, wissen, dass es die Partydroge gibt. Und nicht wenige sagen: Hab’ ich schon gehört, oder: Meiner Freundin ist genau das passiert.
NARRENSICHERER SCHUTZ?
"Wir möchten vor allem die jungen Frauen ermutigen, sich umeinander zu kümmern", sagt Meinrad Drumm. Das heißt: Das Glas nicht unbeaufsichtigt stehen lassen, die Freundin selbst nach Hause bringen, wenn ihr schlecht wird. Und Hilfe holen, wenn doch etwas passiert sein sollte. "Praktischer Tipp: In einen Becher pinkeln und einfrieren", sagt Thomas. Denn GHB baut sich ohne Einfrieren nach zwölf Stunden ab und ist dann nicht mehr nachzuweisen – und der, der es ins Glas getan hat, auf der sicheren Seite. Als das Infoteam diese Woche unterwegs war, traf es übrigens auf eine Fünfergruppe junger Frauen, die bereits informiert war. Die Freundinnen hatten sich einen narrensicheren Schutz ausgedacht: Sie bestellten jeweils immer nur einen Cocktail – mit fünf Strohhalmen.
Schnelle Hilfe: entweder über den Polizeinotruf 110 oder bei Frauenhorizonte 0761/2858585 (Tag und Nacht).
Überblick: Designerdrogen – wie gefährlich sind sie?
Autor: Simone Lutz
