Panne

Gleise der Rheintalbahn senkten sich bereits vor der Tunnel-Havarie bei Rastatt

Stefan Jehle

Von Stefan Jehle

Mo, 22. Januar 2018 um 11:15 Uhr

Südwest

Bei Tunnelarbeiten dringen Erde und Wasser ein, die Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden ist wochenlang gesperrt. Jetzt räumt die Bahn ein: Die Gleise hatten sich schon zuvor gesenkt.

Im Zusammenhang mit der Havarie auf der Bahnstrecke bei Rastatt im August vorigen Jahres hat die Bahn erstmals eingeräumt, dass es bereits kurz vor dem Absacken der Gleise Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Deshalb sei das Gleisbett mit zusätzlichem Schotter aufgefüllt worden. Den Einbruch am 12. August hat das nicht verhindern können.

Bereits unmittelbar nach dem Unglück hatten Anwohner von Unregelmäßigkeiten in den Wochen zuvor berichtet. Demnach hätten sich die Gleise just an der späteren Unfallstelle leicht gesenkt, während Lokomotiven und Waggons die Stelle passierten. Unter den Gleisen bohrte sich eine Vortriebsmaschine ihren Weg durch den vereisten Untergrund. Zur Sicherheit war ein "Gleis-Monitoring-System" eingerichteten, eine Lichtschranke, die Veränderungen registriert. Das System habe "Veränderungen im Millimeterbereich registriert", erklärte nun der Sprecher des Neubauprojektes Karlsruhe-Basel.

Keine Angaben zur Ursache

Nach einer Prüfung seien "auf Basis der Messergebnisse temporäre Nachbesserungen im Schotterbereich" vorgenommen worden, sagte Bahnsprecher Michael Breßmer. Das heißt: Das Schotterbett ist kurz vor dem Unfall mit zusätzlichem Schotter neue eingeebnet worden. In der Vergangenheit hatten Bahnexperten dies anhand von Fotos bereits nachzuweisen versucht. Weiterhin macht die Bahn keine Angaben zu der Ursache des Unglücks, in dessen Folge die Rheintalstrecke zwischen Baden-Baden und Rastatt über sieben Wochen nicht befahrbar war.

Seit dem 7. Dezember wird in der zweiten Tunnelröhre nicht mehr gearbeitet. Sie wurde mit drei Monaten Abstand gebohrt, die zweite Tunnelbohrmaschine hat allerdings nun jene Stelle erreicht, an der auch sie die Gleise unterqueren sollte. Die Maschine wird in der Röhre geparkt, bis über den Fortgang der Arbeiten entschieden ist. Die erste Röhre ist mit Beton zugeschüttet worden – samt der darin stehenden Bohrmaschine.

Offen ist, wer die Kosten des Unfallgeschehens trägt. Die Bahn will verweist auf das im September angelaufene Schiedsverfahren. Peter Westenberger, der Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), schätzt die bei Gütertransporteuren durch den siebenwöchigen Ausfall der Nord-Süd-Verbindung auf der Rheintalbahn entstandenen Schäden auf rund 100 Millionen Euro.