Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Oktober 2010

Auf Fachkräfte kommt es an

Wirtschaftsminister Pfister besuchte Firma Sensopart in Gottenheim / Lücken in Infrastruktur.

  1. Neueste Sensortechnik ließ sich Wirtschaftsminister Ernst Pfister (Mitte links) bei seinem Besuch der Gottenheimer Firma Sensopart vorführen; rechts neben ihm Firmenchef Theodor Wanner. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. "Wie ich sehe, ist die Firma Sensopart ein Stück des Erfolgsmodells Baden-Württemberg", lobte Wirtschaftsminister Ernst Pfister den Sensorenhersteller bei einem Besuch im Gottenheimer Gewerbegebiet. Bei einem Rundgang konnte sich Pfister von den Innovationen der Firma überzeugen. Bei der anschließenden Diskussion stellten die Unternehmer aber auch Forderungen an die Politik.

"Schon seit November vergangenen Jahres gibt es bei uns keine Kurzarbeit mehr, wir denken, schon bald das Niveau von 2008 erreicht zu haben", erklärte Sensopart- Chef Theodor Wanner. In diesem Jahr habe es für die Firma zudem kein sonst übliches Sommerloch gegeben. Die Krisenzeit habe man auch genutzt für Innovationen und Umstrukturierungen. Unter anderem wurde das Unternehmen in die Sparten Sensorik und Vision aufgeteilt. Bei letzteren funktionieren die Sensoren mit Hilfe von elektronischen Augen ähnlich einer Digitalkamera. Sie können so auch Schriften und Codes lesen.

1984 sei in Wieden eine kleine Sensorenfabrik gegründet worden, die zehn Jahre später in Konkurs ging, berichtete Theodor Wanner von den Anfängen von Sensopart. Da er sich damals selbstständig machen wollte habe er die Firma 1994 gekauft. Schon im ersten Jahr habe man eine schwarze Null schreiben können, musste aber auch Kurzarbeit anmelden, erinnert sich der Firmengründer. Daher wurde sofort in neue Produkte investiert. So wuchs die Firma, was aber das nächste Problem nach sich zog: Gute Fachkräfte wollten nicht ins entlegene Wieden im Hochschwarzwald ziehen. Daher eröffnete die Firma 2001 in Gottenheim einen zweiten Standort. Hier stimmen nun Infrastruktur und Arbeitskräfteangebot.

Werbung


Anbindung an Verkehr, Datennetze und Schulen sind entscheidend

Besonders viele Frauen finden nun in der Produktion einen Job, oft in Teilzeit, erklärte Wanner. Außerdem eröffnete Sensopart Niederlassungen in den USA, England und Frankreich. Hauptkunden seien Automobilzulieferer, Maschinen- und Anlagenbauer sowie die Verpackungsindustrie. Ziel seiner Firma sei es, so Wanner, High-End-Technik mit Mehrwert und Zuverlässigkeit zu verbinden. "Wir wollen nicht die billigsten, wohl aber die besten Sensoren anbieten". Dem Minister wurden bei dem Rundgang auch zwei neue Produktreihen von Entwicklungschef Werner Schweizer vorgeführt.

Ernst Pfister lobte den Mittelstand als den Motor der Wirtschaft in Baden-Württemberg. In einem "wirtschaftspolitischen Dreisprung" sollen von der Landespolitik Investitionen gefördert, die Innovationskraft erhalten und die Qualifikation von Mitarbeitern vorangetrieben werden. Hier bereite der demografische Wandel aber Sorgen, sagte Pfister. Es gelte, Strategien zu entwickeln, um der drohenden Facharbeiterlücke vorzubeugen. Dazu gehörten seiner Meinung nach längere Arbeitszeiten, die Qualifizierung auch ungelernter Kräfte und die Vereinbarung von Familie und Beruf, damit auch Mütter der Wirtschaft erhalten bleiben könnten.

Eine bessere Infrastruktur, gerade für den ländlichen Raum forderte in der Diskussion Berthold Klingele, Bürgermeister von Wieden. Insbesondere beim öffentlichen Personennahverkehr und der Anbindung an die Datennetze sehe er Probleme. Wieden sei hier noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, hier sollten innovative Funklösungen gefördert werden.

Wirtschaftsminister Pfister erklärte, er sehe diese Probleme auch und verwies auf bestehende Förderprogramme. Sensopart-Chef Wanner meinte, die Politik denke hier oft zu kurzfristig, dabei seien es gerade die kleinen Firmen in der Fläche, die für Innovationen sorgten. Dafür brauche es aber Verkehrs- und Telekommunikationsanbindungen sowie Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort. Am Standort Wieden könne seine Firma in vielen Bereichen keine Facharbeiter ausbilden, weil es keine geeignete Berufsschule in erreichbarer Nähe gebe. Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber forderte zudem, Fördermittel für die Entwicklung des ländlichen Raums beizubehalten.

Autor: Mario Schöneberg