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02. August 2011

Bauen, bis der Papst kommt

Am Bahnhof Gottenheim wird der Mittelbahnsteig verlängert / Zum Papstbesuch sollen lange Züge auch an Bahnsteig 2 halten.

  1. Begonnen haben die Arbeiten für die Verlegung der Fahrradstellplätze (vorne links) am Gottenheimer Bahnhof. An ihren jetzigen Standort soll dann der Übergang zu den Bahnsteigen 2 und 3 versetzt werden. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. Selbst für die Gemeinde überraschend begannen vergangene Woche Bauarbeiten am Gottenheimer Bahnhof. Bis Mitte September soll hier der mittlere Bahnsteig 2 nach Westen hin verlängert werden. Zum Papstbesuch in Freiburg sollen dann erstmals mehrere Züge mit fünf Wagen eingesetzt werden.

"Sehr kurzfristig ergab sich die Gelegenheit, die frei gewordenen Kapazitäten einer Baufirma zu nutzen, um die seit längerem in der Abstimmung befindliche provisorische Bahnsteigverlängerung Gottenheim umzusetzen", zitiert Bürgermeister Volker Kieber aus einer E-Mail des Zweckverbandes Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF), die kurz vor Beginn der Arbeiten erreicht hatte. Das Gemeindeoberhaupt freut sich darüber, dass sich nun endlich etwas beim Bahnhofsausbau tut – auch wenn es nur ein Provisorium ist. Denn im Ausbaukonzept für die S-Bahn, das auch eine Elektrifizierung vorsieht, soll etwa in Höhe der jetzigen Parkplätze östlich das Bahnhofsgebäudes eine Unterführung angelegt werden, mit Aufzügen für einen behindertengerechten Zugang. Nach den Wünschen der Gemeinde soll sie auch das dritte Gleis, das der Kaiserstuhlbahn von und nach Endingen, unterqueren und eine Verbindung zum Hinterfalterweg herstellen. Dann könnten Bahnreisende und Passanten vom Ortskern direkt das Gewerbegebiet mit seinen Arbeitsplätzen erreichen.

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Zur jetzt anstehenden Verlegung des Überwegs über die Gleise nach Westen ist zunächst der Fahrradständer begonnen worden, erläutert Uwe Schade, Geschäftsführer der Regio-Verbund Gesellschaft (RVG), die im Auftrag des ZRF die Arbeiten plant, während Tochterunternehmen der Bahn die eigentlichen Bauherren sind. Wegen der Bauferien ruhen Arbeiten aber schon wieder bis 15. August, dann wird der Fahrradständer umgesetzt und auf der Höhe seines bisherigen Standorts der neue Überweg samt Schranke zum Bahnsteig 2 und 3 angelegt.Ziel sei es, die Arbeiten Mitte September abzuschließen, so Schade. Voraussichtlich zum Papstbesuch am letzten Septemberwochenende soll der provisorisch ausgebaute Bahnsteig dann seinen ersten Praxistest bestehen. Denn nur durch die Verlängerung seien S-Bahn-Züge mit dann fünf statt bisher vier Wagen möglich.

Beim Papstbesuch sei geplant, Gottesdienstbesucher mit den verlängerten S-Bahnen nach Freiburg zu bringen. Ob diese neue Möglichkeit danach auch den Pendlern, die sich derzeit besonders in den Morgenstunden in den überfüllten Wägen drängen, zugute kommen wird, kann Schade noch nicht sagen. "Der fünfte Wagen im Linienverkehr ist noch nicht in trockenen Tüchern", erläutert der RVG-Geschäftsführer. "Ich hoffe, dass es klappt, das Land muss aber den zusätzlichen Wagen zuerst offiziell beim Nahverkehrsanbieter, also der Breisgau-S-Bahn, bestellen". Technisch sei man dann aber nach dem Ausbau des Gottenheimer Bahnhofes dafür gerüstet, alle anderen Haltepunkte von Breisach bis Freiburg seien schon jetzt lang genug.

Zugausfälle oder Verspätungen werde es während der Bauarbeiten nicht geben, ist sich der Geschäftsführer sicher. Die Arbeiten könnten gut neben dem laufenden S-Bahn-Betrieb erfolgen, allenfalls kleinere Behinderungen durch längere Laufwege seien möglich. Die genauen Kosten für das Vorhaben konnte Uwe Schade noch nicht nennen, hier fehlten noch konkrete Zahlen von der Bahn. Letztlich trage aber das Land den Löwenanteil der Baukosten, auch der ZRF als Projektträger sei bei der Finanzierung mit im Boot.

Neue Fahrradabstellplätze sollen im Zuge des jetzigen Bahnhofsumbaus jedoch keine entstehen, erläutert der RVG- Geschäftsführer auf Nachfrage. Solche Anlagen seien so genannte flankierende Maßnahmen und dafür seien die Gemeinden sowohl in der Finanzierung als auch in der Umsetzung verantwortlich. Bürgermeister Volker Kieber erklärte dazu, dass man im Zusammenhang mit der Planung der Bahnhofachse auch prüfen müsse, ob Bedarf für weitere Fahrradabstellplätze bestehe. Man würde dann auch versuchen, Zuschussgelder dafür zu bekommen. Im Herbst soll die Zukunft der Bahnhofsachse in einem Prozess der Bürgerbeteiligung angegangen werden.

Auch das Problem des fehlenden Ticketautomaten, um in Gottenheim für Fahrten mit der SWEG-Kaiserstuhlbahn in Richtung Endingen Fahrkarten lösen zu können, wird wohl trotz Umbau weiter bestehen bleiben. "Das Problem, dass die Breisgau- S- Bahn mit ihren Fahrkartenautomaten im Zug und die SWEG mit Automaten an den Bahnhöfen auf unterschiedliche Strategien setzen, ist bekannt", erklärt Schade. Man habe aber derzeit keine Lösung für den Bahnhof Gottenheim.

Am Ziel, in Spitzenzeiten einen 15 Minuten-Takt auf der Strecke Freiburg- Breisach bis 2018 einzuführen, wolle man sicher festhalten, betont der RVG-Geschäftsführer. Die Planungen für den Ausbau seien im Gange, bis Sommer kommenden Jahres rechnet Schade mit konkreten Ergebnissen.

Autor: Mario Schöneberg