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08. August 2009

Burgundersorten folgen dem Elbling

In zwei Wochen wollen die Gottenheimer Winzer den 50. Geburtstag der eigenen WG feiern.

GOTTENHEIM (schö). Seit tausenden von Jahren wird in der Region Wein angebaut, so auch am Tuniberg und dabei vermutlich auch auf Gottenheimer Gemarkung. Doch erst seit 50 Jahren gibt es in dem beschaulichen Dorf eine Winzergenossenschaft. Deren Mitglieder wollen nun diesen runden Geburtstag mit einem historischen Festumzug am 23. August feiern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es viele Menschen in Gottenheim, die im Nebenerwerb ein paar Ar Reben bewirtschafteten, erzählt Werner Baldinger, Vorsitzender der Gottenheimer Winzergenossenschaft (WG). Doch ihre Trauben gaben sie an freie Aufkäufer, besonders in Jahren mit guter Ernte oder schwierigen Qualitäten gab es damals wenig Geld für die Weinbauern. Das sorgte für Unzufriedenheit. Außerdem hatten viele nur sehr kleine Parzellen, die außerdem schwierig zu bewirtschaften waren. Für 1950 sind, laut der zum Jubiläum erschienenen Festschrift, auf Gottenheimer Gemarkung nur 29 Hektar Rebfläche aktenkundig, 80 Prozent der Fläche entfielen auf den Elbling, 10 Prozent waren Burgundersorten, und zwei Prozent Müller- Thurgau.

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Heute gibt es in Gottenheim rund 120 Hektar Rebflächen, wovon die 186 Mitglieder der WG etwa 73 Hektar bewirtschaften. 60 Prozent entfallen auf den Blauen Spätburgunder, 24 Prozent sind Müller- Thurgau, 7,5 Prozent Ruländer, fünf Prozent Weißburgunder sowie 3,5 Prozent Nebensorten.

Zuerst wollten sich in den 50er Jahren einige Gottenheimer der benachbarten Bötzinger WG anschließen, doch in Bötzingen winkte man ab. Dies habe die Satzung der WG Bötzingen verboten, so Baldinger, weil sich ihr Wirkungsbereich auf die eigene Gemarkung beschränken sollte. So kam bald die Idee auf, auch in Gottenheim eine Winzergenossenschaft zu gründen. Der damalige Bürgermeister Max Grafmüller ergriff 1958 die Initiative und verfasste im Juli einen Aufruf an die Winzer. Zehn Weinbauern gründeten darauf hin am 14. August 1958 in einem Nebenraum des Rathauses die WG.

Gründungsvorsitzender wurde Max Grafmüller, Adalbert Schmidle sein Stellvertreter. Den ersten Aufsichtsrat bildeten Richard Hunn (Vorsitzender), Franz Schmidle und Paul Schwenninger. Im September 1958 wurde die WG in das Breisacher Genossenschaftsregister eingetragen. Einig waren sich die Gründer zudem, dass man sich der seit 1952 in Breisach bestehenden Zentralkellerei der Badischen Winzergenossenschaften (ZBW) anschließen wolle und auf eigene Kelter- und Kellereianlagen verzichtet.

Schon 1959 wurde für Gottenheim ein Rebenaufbauplan ausgewiesen, 49 Hektar sollten neu angepflanzt werden. Außerdem stellten Experten vom Regierungspräsidium fest, dass der Rebberg durch ungenügende Wegerschließung, fehlende Wasserführung und zu kleine Parzellen den Anforderungen einer modernen Landwirtschaft nicht mehr gerecht werde. Dies mündete später in der großen Flurneuordnung von 1965 bis 1973.

Ebenfalls im Jahre 1959 richteten die Gottenheimer Winzer ihre erste Wiege- und Verladestation ein. Hierzu wurde der alte leerstehende Dreschschopf des Dorfes angemietet. In den Folgejahren kamen stetig neue Mitglieder hinzu, auch die Gottenheimer Rebfläche wuchs – nicht zuletzt durch die Flurbereinigung – stetig. Dies führte dazu, dass die WG den Bau einer eigenen Annahmestation in Angriff nahm. Gerne wollte man hierfür das Gelände um den alten Dreschschopf kaufen. Nach, laut Festschrift, zähen Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde konnte 1970 mit den Planungen begonnen werden, schon ein Jahr später fand im Herbst die erste Traubenannahme in der noch nicht ganz fertigen Halle statt.

Mitten im Herbst 1971 starb WG-Gründer Max Grafmüller, die Geschäftsführung ging danach komplett auf den späteren Bürgermeister Alfred Schwenninger über, der als Mitarbeiter der Raiffeisenbank schon zwei Jahre zuvor Rechner der WG wurde. Neuer Vorsitzender wurde Hermann Bilger, auf den Richard Hunn (1974 bis 1992), Edwin Schill (bis 2001) und Werner Baldinger folgten. Die 1970er Jahre waren gute Jahre für die Gottenheimer Winzer, ist der Festschrift zu entnehmen. Doch ab 1983 fielen die Erlöse deutlich. Aufwärts ging es dann wieder ab 1990. Nicht zuletzt auch durch die Selbstverpflichtung zum umweltschonenden Weinbau und die vermehrte Aufmerksamkeit auf den ertragsreduzierten Anbau und höhere Qualitäten. Ein Highlight im Jahreskalender ist zudem die seit 2004 am Vatertag stattfindende Rebhisli- Tour durch den Weinberg. Besonders stolz sind die Gottenheimer auf ihre erste Weinhoheit, Michaela Baldinger wurde in diesem Jahr sogar badische Weinprinzessin.

Autor: schö