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21. Dezember 2011
Das Traubengeld muss für die Winzer stimmen
Die Gottenheimer Winzergenossenschaft hofft auf eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung bei den Erlösen / Stolz auf errungene Auszeichnungen.
GOTTENHEIM. Mit dem Kauf der früheren Tankstelle und ihrem Umbau zu einer verpachteten Weinverkaufsstelle hat die Winzergenossenschaft Gottenheim im vergangenen Geschäftsjahr 2010/2011 wichtige Weichenstellungen vorgenommen. Auch wirtschaftlich soll es jetzt wieder aufwärts gehen, diese Erwartung prägte die Hauptversammlung im Saal des "Adlers".
Die Zuversicht gründet sich vor allem auf den sehr gut verlaufenen Herbst dieses Jahres, aber auch auf die Anstrengungen des Badischen Winzerkellers (BWK), in der Weinvermarktung höhere Erlöse zu erzielen. Der BWK in Breisach verarbeitet die Trauben der Gottenheimer Genossenschaft und vermarktet zum größten Teil den Wein. Michael Schmidle, der Vorsitzender und zugleich Geschäftsführer der 186 Mitglieder zählenden Genossenschaft, machte klar, was das Hauptziel ausmache: "Das Traubengeld muss stimmen". Denn nur so lasse sich die verhängnisvolle Kettenreaktion aus der Aufgabe von Flächen und nicht getätigten Investitionen stoppen, die aufträten, wenn es für Winzer unwirtschaftlich werde, weiter Zeit und Geld für ihre Arbeit in den Reben aufzubringen. Es gebe natürlich viele Winzer, die den Weinbau auch als Hobby betrieben und für die der Ertrag zweitrangig sei, sagte Schmidle. Aber man habe auch Mitglieder, gerade solche mit größeren Flächen, die vom Ertrag ihrer Arbeit leben müssten. Schmidle ließ keinen Zweifel daran, dass die durchschnittlichen Traubengelder von zuletzt 7500 Euro je Hektar Rebfläche für 2009 und 2010 zu wenig seien, ebenso die für den aktuellen Herbst angepeilten 8000 Euro. Auch die mittelfristige Planung des BWK, bis 2015 einen Durchschnittslerlös von 9000 Euro zu erreichen, könne er nur als Mindestziel ansehen, das möglichst übertroffen werden sollte, sagte Schmidle.Werbung
Wie Schmidle ging auch BWK-Vorstandsmitglied Wilfried Dörr darauf ein, dass der derzeitige Weg, die Auszahlungspreise an die Winzer durch Erlöse aus dem Verkauf von BWK-Vermögen sowie durch die Zurückstellung von Investitionen zu erhöhen, nur ein Weg des Übergangs sein dürfe. Auf Dauer müsse man höhere Traubengelder durch den Weinverkauf erwirtschaften können.
Schmidle stellte den Bericht zum Geschäftsjahr vor. Im Herbst 2010 hatten die Gottenheimer Winzer in fünfeinhalb Wochen auf 69,9 Hektar bewirtschafteter Rebfläche nur 686,5 Tonnen Trauben geerntet, rund 18 Prozent weniger wie im Herbst 2009. Je Ar waren dies nur 98 Kilo Lesegut. Auch wenn der Durchschnittserlös mit 75 Cent je Kilogramm höher lag als im Vorjahr und im Durchschnitt aller Sorten 87 Grad Oechsle Mostgewicht erzielt wurde, musste die geringe Erntemenge die Hoffnungen auf gute Hektarerlöse enttäuschen. Besonders stark war der Mengenrückgang beim Müller Thurgau mit 36 Prozent und beim Ruländer/Grauburgunder mit 22 Prozent.
Für den aktuellen Herbst 2011 konnte Schmidle mit rund 900 000 Kilogramm Lesegut einen endlich mengenmäßig guten Herbst vermelden. "Er war in Menge und Qualität Klasse" resümierte auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Max Dersch. Auch er betonte, dass ein verbesserter Auszahlungspreis für die betriebswirtschaftliche Perspektive der Winzer und damit für die Zukunft der Genossenschaft von elementarer Bedeutung sei.
Die Auszahlungspreise sind dabei je nach Sorten, aber auch nach der Qualität des Leseguts sehr verschieden. So lagen, bezogen auf den Herbst 2010 rund 58 Prozent der Winzer bei Erlösen zwischen 6000 und 9000 Euro je Hektar. Immerhin 17 Prozent konnten die künftige Zielmarke von 9000 Euro übertreffen, aber andererseits musste sich jeder vierte Gottenheimer WG-Winzer mit weniger als 6000 Euro je Hektar zufrieden geben.
Max Dersch sprach auch die Sortenstruktur der Gottenheimer Genossenschaft an, die vom hohen Anteil des Spätburgunders von 60 Prozent dominiert werde. Man müsse, wenn es um Neupflanzungen gehe den weißen Sorten mehr Priorität einräumen, sagte Dersch. Hier hat auch die Nachfrage zugenommen wie, Wilfried Dörr vom BWK bestätigte. In der Aussprache mit den Winzern machte Dörr auch klar, dass man sich an die Mengengrenze von 120 Kilogramm Lesegut je Ar (was etwa 90 Liter Traubensaft entspricht) orientieren müsse. Was mehr geliefert werde, gehe in das Depot und könne zum Ausgleich von ernteschwachen Jahren verwendet werden, aber mit entsprechenden Abschlägen in der Auszahlung.
Große Hoffnungen setzen die Gottenheimer Winzer auf ihre neue Weinverkaufsstelle in der früheren Tankstelle an der Hauptstraße. Das verpachtete Geschäft unter dem Namen "ZehnGrad" sei eine tolle Visitenkarte, befanden Schmidle und Dersch. Sie riefen die Winzer dazu auf, selbst aktiv dafür zu werben, da so die Eigenvermarktung zum Wohl der ganzen Genossenschaft gestützt werde. Außerdem soll in dem Gebäude das Büro der Genossenschaft eingerichtet werden.
Max Dersch teilte mit, dass bei der Landesweinprämierung vier Gold- und drei Silbermedaillen für in Breisach ausgebaute Gottenheimer Weine erzielt wurden. Besonders stolz sie man auf je eine Silbermedaille bei der Bundesweinprämierung und beim Mundus-Vini-Wettbewerb.
Autor: Manfred Frietsch
