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29. April 2011
Ein Baustein zur Kinderbetreuung
Tageseltern könnten die Betreuung für unter Dreijährige in Gottenheim übernehmen / Gundelfinger Verein hilft mit.
GOTTENHEIM. Intensiv diskutiert und dann doch bei einer Gegenstimme verabschiedet wurde in der jüngsten Sitzung des Gottenheimer Gemeinderates die von der Verwaltung vorgeschlagene Kooperation der Gemeinde mit dem Tageselternverein Gundelfingen zur Schaffung und Förderung von Betreuungsangeboten für Kinder durch Tagespflegepersonen.
Bis 2013 müssten alle Kommunen bedarfsgerechte Angebote für eine Kleinkindbetreuung schaffen, erläuterte Bürgermeister Volker Kieber den Hintergrund. Derzeit reiche das Gottenheimer Angebot mit der "Schatzinsel" aber nicht aus. Daher schlage die Verwaltung vor, auch hier das Angebot durch Tageseltern zu ergänzen und diese durch die Kooperation mit dem Tageselternverein Gundelfingen und Freiburger Umland zu fördern. Die meisten anderen Gemeinden im Bürgermeistersprengel hätten schon einen Kooperationsvertrag mit dem Verein und seien sehr zufrieden.Auch der Landkreis fördere das Projekt und daher sei es gut und wichtig, jetzt die Weichen zu stellen, um rechtzeitig interessierte Tageseltern finden und ausbilden zu können. Der nächste Qualifizierungskurs beginne im Herbst. Letztlich, so Kieber, strebten auch die kommunalen Spitzenverbände langfristig eine Quote von 20 Prozent bei der Betreuung durch Tageselternvereine an.
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Das Angebot des Tageselternvereins "Orte für Kinder" aus Gundelfingen stellte dessen Geschäftsführerin Sabine Kalmbach vor. Der Verein, der 15 Orte rund um Freiburg betreue, organisiere, unterstütze und fördere das Angebot von Tagesmüttern und -vätern. Hierzu zählten das Finden, Ausbilden und Kontrollieren von geeigneten Tageseltern. Außerdem kümmere sich der Verein um die Beratung von betreuungssuchenden Eltern, helfe beim Beantragen von Fördermitteln und sorge bei Ausfall für Vertretungseltern.
Es gebe zwei verschiedene Arten von Tageseltern, erläuterte die Diplompädagogin. Selbständige oder bei Familien zumeist im Rahmen eines Minijobs angestellte Tagespflegepersonen. Im Rahmen des so genannten Gundelfinger Models, das mit dem Landkreis vereinbart ist, fördert das Amt die Tagesbetreuung eines Kindes mit 3,90 pro Stunde zuzüglich der hälftigen Übernahme der Sozialversicherung.
Die Eltern wiederum müssen je nach Einkommen einen Kostenbeitrag an das Landratsamt zahlen und auch für die Tagespflege einen Zuschuss leisten. Wenn sich die Gemeinde an dem Model beteilige, übernehme sie Teile des Zuschusses an die Tageseltern, den hälftigen Anteil an der Sozialversicherung und die Qualifizierung der Betreuungspersonen. Hinzu kämen noch 25 Cent je Einwohner für die Arbeit des Tageselternvereins.
Im Gemeinderat war es dann hauptsächlich Miriam Engelhardt (Frauenliste) , die Bedenken äußerte. Die Kosten für die Gemeinde seien zwar attraktiv, doch sie habe Zweifel an der Qualität der Betreuung. Eine Kontrolle einmal im Jahr sei zu weinig, ebenso 160 Ausbildungsstunden, während eine Erzieherinnenausbildung drei Jahre dauere. Außerdem sei es ihr für die Eltern zu teuer, immerhin müssten sie bei einer vergleichbaren Betreuung wie in der "Schatzinsel" rund 150 Euro mehr bezahlen. Und Engelhard bemängelte, dass mit dem Model Niedriglohnjobs geschaffen würden.
Kurt Hartenbach (FWG) zeigte sich verwundert ob dieser Kritik. Er lobte die Flexibilität des Projektes für alle Beteiligten. Außerdem hätten nun die Mütter, die so eine Kinderbetreuung anböten, wenigstens die Chance auf Qualifizierung und Sozialversicherung. Und letztlich hätten die Eltern ja die Wahl.
Ähnlich sah dies auch Alfons Hertweck (CDU), der daran erinnerte, dass die Schatzinsel derzeit nur einen Teil des Bedarfes abdecke. Viele Eltern brächten ihre Kinder schon heute in Betreuungseinrichtungen außerhalb. Der Gemeinderat würde den Eltern einen Bärendienst erweisen, wenn er das Model ablehne.
Bürgermeister Kieber betonte, bei dem Angebot handle es sich nur um einen weiteren Baustein auf dem Weg zum Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Zudem sah er darin die Chance für Mütter, überhaupt einen sozial-versicherten Nebenjob zu finden. Außerdem schließe die Kooperation mit dem Tageselternverein ja die Gründung einer weiteren Gruppe in der Schatzinsel nicht aus.
Eine zeitintensive Ausbildung könne Qualität schaffen, müsse es aber nicht, betonte auch Sabine Kalmbach. Ihr Verein in Gundelfingen stehe während der Ausbildung und auch danach in intensiven Austausch mit den betreffenden Tageseltern, außerdem verwies sie darauf, dass die Eltern bei der Auswahl einer Tagesmutter besonders kritisch seien. Und bei einem empfohlenen Stundensatz von sechs Euro je Kind bei zwei bis zu maximal fünf betreuten Kindern fühlten sich die Tagesmütter heute nicht mehr unterbezahlt.
Autor: Mario Schöneberg
