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09. Juni 2011
Ein Bauwerk als Herzenssache
Neue Kleider für ein Aschenputtel: Die ganze Gemeinde freut sich über das erneuerte katholische Gemeindehaus in Gottenheim.
GOTTENHEIM. Mit der feierlichen Einsegnung und einem Gemeindefest wurde das Gemeindehaus Sankt Stephan am Sonntag offiziell seiner Bestimmung übergeben. Nach vier Jahren Diskussion, Planung, zigtausenden Euro Spenden und mit vielen fleißigen Helfern ist hier nun ein moderner Versammlungsraum für bis zu 120 Gäste entstanden.
In zartem Blau steht es da, noch nicht ganz fertig aber doch schon bereit, die ersten Besucher zu empfangen. 1929 wurde das Gemeindehaus als Kindergarten samt Schwesternwohnungen eingeweiht, Ende der 1950er Jahre erweitert und nach dem Neubau des Kindergartens ab 1978 als Versammlungsstätte und Treffpunkt der Kirchengemeinde genutzt, unter anderem von der katholischen Frauengruppe, dem Kirchenchor, der auch zur Einweihung sang, oder der Krabbelgruppe. Für die Nutzer, die nun ihr Gemeindehaus wieder in Besitz nehmen können, eröffnet sich nach dem Eintritt durch den Windfang mit Empore an der Stelle des ehemaligen Schwesternhauses ein heller und freundlicher Saal. In zartem Gelb gehalten steigt der Raum bis zum Dach an. Im hinteren Teil gibt es einen abtrennbaren Nebenraum, daneben Küche und Toiletten, darüber im Dachgeschoss ist noch ein weiterer Raum, der später ausgebaut und dann als Lager und für Gruppenräume genutzt werden soll.Werbung
Das Gebäude sei sehr gut wärmegedämmt, an die Hackschnitzelheizung eines benachbarten Weingutes angeschlossen und barrierefrei erreichbar, erläuterte Architekt Uwe Ristau in seinen Ausführungen. Er blickte dabei auch auf die Anfänge der Sanierung zurück, als 2007 die Überlegung anstand, das Haus zu verkaufen oder zu sanieren. Mehrere Varianten seien seinerzeit untersucht worden, so Ristau, die verwirklichte sei trotz des hohen Kostenaufwands sehr gelungen.
An einer Fotowand im Windfang fand sich neben Bildern von früher und der Umbauphase auch eine Kostenaufstellung. Rund 364 000 Euro hat demnach die Sanierung gekostet, darin enthalten sind 106 000 Euro von der politischen Gemeinde, zum Teil als Zuschuss, zum Teil von ihr vermittelt, wie Pfarrer Markus Ramminger erläuterte. 95 000 Euro sind ein Kredit des Katholischen Darlehensfonds, 70 000 Euro kommen aus dem kommunalen Ausgleichsstock und gut 32 000 Euro sind Rücklagen der Pfarrgemeinde sowie Zinserträge. Dazu kamen Spenden von mehr als 60 000 Euro. Hinzu kamen laut Architekt Ristau noch unzählige Stunden Eigenleistung der insgesamt rund 1400 Gemeindemitglieder sowie Sachspenden der am Bau beteiligten Firmen.
Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber gratulierte der Pfarrgemeinde zu ihrem neuen Gemeindehaus. Es sei ein gelungenes Bauwerk mitten im Dorf, ein Ort, wo sich künftig jung und alt treffen könnten. Auch die Gemeinde werde es künftig nutzen, unter anderem für Gemeinderatssitzungen, die dann erstmals barrierefrei erreichbar seien. Die Gottenheimer, so ist sich Kieber sicher, hätten mit dem Herzen abgestimmt, um ihren ehemaligen Kindergarten zu erhalten. Von diesem Widerstand gegen den ursprünglich geplanten Verkauf und Abriss berichtete auch Franziska Knapp, die im Namen des Gemeindeteams allen Helfern dankte. Sie warb auch für den Beitritt zum neu gegründeten Freundeskreis für das Gemeindehaus, der zukünftig den Unterhalt unterstützen soll. Die feierliche Einsegnung nahmen Pfarrer Ramminger und sein Vorgänger Arthur Wagner vor.
Autor: Mario Schöneberg
