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08. August 2011

Kieber: "Der Bedarf ist enorm"

In der Gemeinde Gottenheim stehen schon zwölf Kinder auf der Warteliste / Kinderbetreuung muss bis 2013 ausgebaut werden.

  1. Bürgermeister Volker Kieber und Sabine Kalmbach unterschreiben die Kooperation zwischen Tagesmütterverein und Gemeinde. Foto: Axel Dröber

GOTTENHEIM. Die Vorgaben des Gesetzgebers sind genauso deutlich wie streng: Bis Sommer 2013 hat jedes Kind in der Gemeinde einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Das bedeutet für eine Gemeinde wie Gottenheim, dass die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden muss. Schon jetzt sei absehbar, so Bürgermeister Volker Kieber, dass zur Erweiterung des Betreuungsangebots noch einige Anstrengung notwendig sei. Eine mögliche Lösung ist die Betreuung durch Tagesmütter oder -väter.

Derzeit gibt es Betreuungsplätze in der Schatzinsel und im Kindergarten. Beide werden von der Gemeinde betrieben. Eltern können ihre Kinder ab einem Jahr zwischen 8 und 14 Uhr hier in die Obhut von Erzieherinnen geben. Nach der Prognose von Volker Kieber wird dieses Angebot aber längst nicht ausreichen. "Der Bedarf ist enorm", so der Bürgermeister. Zwölf Kinder seien auf der Warteliste, erst 2013 dürfte es in den bestehenden Einrichtungen wieder freie Plätze geben. Kieber will deshalb im Gemeinderat die Einrichtung einer weiteren Betreuungsgruppe in kommunaler Trägerschaft anregen.

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Eine andere Lösung ist die Betreuung durch Tagesmütter. Gegenüber dem Angebot der Gemeinde ist diese Betreuungsform flexibler. Eltern geben ihre Kinder, die auch deutlich jünger sein können als ein Jahr, in die Obhut einer Tagesmutter, die die Kinder bei sich zu Hause betreut. Wie viele Kinder die Tagesmutter bei sich hüten darf, ist per Betreuungsschlüssel genau geregelt. Bei Säuglingen dürfen es nur zwei sein, auf die die Tagesmutter gleichzeitig aufpasst. Bei älteren Kindern können es dann bis zu fünf sein. Die Betreuung findet bei der Mutter zu Hause statt. Väter seien im Übrigen auch sehr willkommen, erklärte Sabine Kalmbach vom Tagesmütterverein aus Gundelfingen. Der Verein organisiert die Betreuung durch Tagesmütter. Am Freitag unterzeichneten Verein und Gemeinde einen Kooperationsvertrag.

In Gottenheim fehlen derweil Einwohner, die sich bereit erklären, die Betreuungsarbeit zu übernehmen. In Abstimmung mit dem Verein will die Gemeinde daher stärker Werbung dafür machen. Die Arbeit ist solide bezahlt, sechs Euro brutto pro Kind. Bei drei Kindern kommt die Tagesmutter also auf einen Satz von 18 Euro und ist außerdem sozialversichert und zahlt in die gesetzliche Rente ein. Voraussetzung ist allerdings eine Qualifikation als Tagesmutter. Dafür bietet der Gundelfinger Tagesmütterverein in Kooperation mit anderen Vereinen in der Region Kurse an. Wer 160 Stunden Ausbildung absolviert, kann hinterher in die Betreuungsarbeit einsteigen. Dies könne auch ein Weg in die Professionalisierung sein, so Kalmbach. Mögliche Kandidaten könnten alleinerziehende Mütter oder aber auch Senioren sein. Die Kosten für die Qualifizierung übernehmen die Kandidaten, bekommen sie aber nach zwei Jahren Arbeit erstattet. Angeboten werden die Fortbildungskurse jeweils im Herbst und Frühjahr. Wer sich also für diese Arbeit interessiert, kann sich bei der Gemeinde oder direkt beim Verein "Orte für Kinder" informieren.

Finanziert wird diese Betreuungsform von der Gemeinde, den Eltern und dem Jugendamt. Die Gemeinde zahlt einen Euro pro Stunde in das Gehalt der Tagesmutter ein und übernimmt 50 Prozent der Sozialversicherung sowie 100 Prozent der Arbeitslosenversicherung. Außerdem entrichtet sie pro Anwohner und Jahr 25 Cent an den Verein, mit dem dieser die Verwaltungsarbeit decken kann. Das Amt zahlt die anderen 50 Prozent der Sozialversicherung sowie 3, 90 Euro pro Stunde in das Gehalt. Schließlich entrichten die Eltern abhängig vom Einkommen einen bestimmten Satz an das Landratsamt und einen Zuschuss zur Betreuung. Der Anteil der Eltern richtet sich nach der Anzahl der Betreuungsstunden. Dieses Finanzierungsmodell ist vom Verein entwickelt worden.

Autor: Axel Dröber