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01. Juli 2011

Kinder sind mit Begeisterung dabei

Gottenheim gehört zum Modellprojekt "Bildungshaus", in dem Kindergartenkinder und Erstklässler gemeinsam lernen.

  1. Volle Konzentration: Die Kinder der Seepferdchengruppe beim Malen. Foto: Axel Dröber

GOTTENHEIM. Immer wieder dienstags gibt es an der Gottenheimer Grundschule einen besonderen Unterricht: In der sogenannten Dienstagsschule lernen Kinder des Kindergartens St. Elisabeth gemeinsam mit den Erstklässlern. Das jahrgangsübergreifende Lernen gehört zum Modellprojekts "Bildungshaus" des Landes Baden-Württemberg. Aktuell läuft diese besondere Unterrichtsform in Gottenheim während zwei Schulstunden parallel zum normalen Unterricht.

Seit Februar ist die Schule in diesem Modellprojekt. Die Pädagogen um Rektorin Judith Rempe haben ein besonderes Unterrichtsprogramm erarbeitet, das "Kinder im Bildungszentrum" (KiBiZ) heißt und an dem rund 50 Regenbogenkinder und Erstklässler teilnehmen. Sie verteilen sich in vier Gruppen, von denen jede den Namen eines Meerestieres trägt. Die Kinder bekommen einmal im Monat ein Thema, zu dem sie sowohl kognitive als auch praktisch-musische Aufgaben unter Anleitung einer Erzieherin oder einer Lehrerin lösen. Meist arbeiten sie dazu in kleinen Gruppen zusammen, ältere Kinder mit jüngeren.

So sitzt die Erstklässlerin Mia gemeinsam mit dem Regenbogenkind Nico an einem Tisch und malt ein Bild. Das aktuelle Thema sind Farben. Mia und Nico haben sich für Blau entschieden, gemeinsam mit anderen Kindern der Schildkrötengruppe bringen sie Delphine, Wale und – typisch Tuniberg – auch Weinreben zu Papier. Die Seesternegruppe setzt sich im Geometrieunterricht ebenfalls mit dem Thema Farben auseinander. Der sechsjährige Felix, der im letzten Kindergartenjahr ist, bastelt an einer langen Schlange, die er so zusammensetzt, dass sich die Farben der einzelnen Glieder regelmäßig abwechseln. Einen Raum weiter sitzen die Kinder der Seepferdchengruppe vor Aquarellfarben und malen ein Bild nach einer Geschichte, die ihnen Erzieherin Rita Armbruster zuvor vorgelesen hat. Sie sollen dabei Motive aus der Geschichte aufnehmen. Derweil beschäftigen sich die Delphin-Kinder im Kindergarten mit den vielen Formen, die sie mit verschiedenfarbigen Hölzern legen können.

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Der alten Landesregierung ging es mit dem Modellprojekt darum, einen Anstoß zu geben zu alternativen Unterrichtsformen, die dem individuellen Lernfortschritt der Kinder besser gerecht werden. Bei vielen Pädagogen und Bildungsexperten findet die Idee im Prinzip großen Anklang. "Das Lernniveau ist nicht bei jedem Kind gleich", meint auch Schulrat Raphael Rauscher, der gemeinsam mit Bürgermeister Volker Kieber und den Elternbeiratsvorsitzenden von Kindergarten und Schule der Einladung von Rektorin Rempe zur Besichtigung der Dienstagsschule gefolgt ist. So gebe es etwa im Lesestandard manchmal große Unterschiede, die sich über mehrere Altersstufen hinweg erstrecken. "Das jahrgangsgebundene Lernen ist einfach nicht mehr zeitgemäß", so Rausch. Und auch nach Meinung von Rektorin Rempe entspricht das jahrgangsübergreifende Lernen viel mehr dem natürlichen Lernfortschritt der Kinder. Diese würden von dieser Unterrichtsform sehr profitieren.

Dabei ist der Fortbestand der Bildungshäuser eher ungewiss. Schon die alte Landesregierung wollte das Projekt nicht mehr fortführen. Im Koalitionsvertrag der neuen grün-roten Regierung tauchen die Bildungshäuser ebenfalls nicht mehr auf. Schulrat Rauscher zeigte sich in einem an die Begehung anschließenden Gespräch mit den Erziehern und Lehrern aber zuversichtlich, dass das Bildungshaus weitergehen wird. Bürgermeister Kieber empfahl der Schulleitung, einen Plan für eine bessere Ausstattung der KiBiZ zu erarbeiten. Dieser werde als Grundlage für die kommenden Haushaltsplanungen dienen, meinte Kieber.

Die Lehrer wünschen sich mehr Zeit

Damit würde es für das Projekt eine bessere Planungssicherheit geben, was den beteiligten Pädagogen besonders wichtig ist. Für Gisela Mahlau hat das Projekt noch zu wenig Verbindlichkeit. "Es ist nicht wie Schule, die Stunden finden noch zu sehr parallel zum normalen Unterricht statt." Die Lehrerin empfiehlt auch, mehr Zeit für das jahrgangsübergreifende Lernen aufzuwenden und die Gruppen nicht nur durch eine, sondern zwei Pädagogen zu betreuen. Auch für Kollegin Stephanie Vogel hat das Projekt noch zu wenig Nachhaltigkeit. Die Kinder würden am Ende der Stunde oft gerne noch länger weitermachen, müssten dann aber abbrechen. "Dadurch werden sie immer wieder aus ihrer Arbeit herausgerissen", so Vogel.

Bei den Kindern kommt der Unterricht tatsächlich sehr gut an. "Da ist eine sehr große Begeisterung da", so Vogel – selbst wenn nicht jedem Kind jedes Thema liege. Derweil seien die Kinder, die eingeschult werden, besser auf den Start in die Schule vorbereitet, so Etelka Scheuble. "Sie finden sich schnell in den Räumlichkeiten der Schule zurecht und kennen schon viele der Lehrer", meint die Leiterin des Kindergartens. Das gebe ihnen zu Schulbeginn eine größere Sicherheit.

Autor: Axel Dröber