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12. März 2010
Schulfrei wegen Kälte – so was gab es!
Wie war das denn früher in der Schule? Alte Gottenheimer erzählen in der heutigen Grundschule aus ihrer eigenen Schulzeit.
GOTTENHEIM. Wie war das eigentlich, früher in die Schule zu gehen? Mussten die Schüler damals auch so viele Hausaufgaben machen? Und war viel zu wenig Zeit zum Spielen da? Alle Grundschüler, die diese Fragen bewegen, bekamen am Dienstag endlich eine Antwort. Zwei Ehemalige der Gottenheimer Schule erzählten zum hundertjährigen Jubiläum des Schulhauses aus der Zeit, als sie die Schulbank drückten.
"Lernen mussten wir viel", erinnert sich Martha Schmidle. "Da riefen uns oft die Eltern vom Spielen nach Hause, damit wir den Katechismus oder die Bibel lernten." Die 1925 geborene Gottenheimerin erzählt von ihrer Schulzeit zwischen 1931 und 1939. Bescheiden sei das Leben damals gewesen, es gab ja noch keinen Fernseher, und Taschengeld bekamen die Kinder nur ganz wenig.Die Schüler von heute haben sich in der Sporthalle der Grundschule versammelt. Gespannt lauschen die Kinder den ehemaligen Schülern, die ihnen die Welt von damals näher bringen und ihnen erklären, was es eigentlich hieß, damals zur Schule zu gehen. Unfug wurde vom Lehrer nicht selten mit dem Rohrstock bestraft, was die jungen ABC-Schützen aber nicht davon abhielt, erst recht gehörig Schabernack zu treiben. Da wurden schon mal die Fensterläden von benachbarten Häusern ausgehängt und auf der nahen Wiese versteckt. Dass die Welt der Kinder damals aus solchen Streichen bestand, können sich die heutigen Mädchen und Jungen kaum vorstellen. Und schließlich mussten die Kinder früher nicht selten neben der Schule noch im Haushalt oder auf dem Feld mitarbeiten.
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Mit vielen, auch schönen Erinnerungen verbindet Willi Schätzle seine Schulzeit. Bis zu zwei Klassen seien in einem Raum untergebracht gewesen, erzählt der heute 80-Jährige. Im Winter war es manchmal so kalt, dass der Lehrer seine Schützlinge wieder nach Hause schickte. Im Sommer aber hatten er und seine Kameraden ihren Spaß an den Spielen in der großen Pause. Nach dem Krieg blieb die Schule während geraumer Zeit geschlossen, erzählt Hedwig Lotze. Die ehemalige Lehrerin der Grundschule, die 40 Jahre in Gottenheim unterrichtet hat, erzählt, wie die Schule sich seither entwickelte und das wurde, was sie heute ist. Staunend lauschen die Kinder, wie während der Besatzungszeit, als französische Soldaten im Schulgebäude einquartiert waren, der Unterricht über dem Schankraum im Gasthaus "Krone" gehalten wurde. Da musste ein großer Raum für alle Klassen genügen. Seither habe sich vieles verändert, meint Lotze und erzählt von dem Um- und Ausbau des Schulgebäudes.
Auch hundert Jahre nach Neugründung der Schule, die früher in einem Gebäude in der Nähe der Kirche untergebracht war, gibt es große Veränderungen. Beim Eintritt in ein neues Jahrhundert soll das aktuelle Konzept der Grundschule überdacht und verbessert werden. Mit der Einrichtung eines sogenannten Bildungshauses soll die Schule nach dem Willen der Gemeinde zu einem Generationenhaus werden. "Das ist eine pädagogische Herausforderung", meint Judith Rempe. Die Rektorin der Schule verweist auf die schon erfolgte Eingliederung der Kleinkindbetreuung "Schatzinsel" und auf die Anstrengungen, die noch gemacht werden müssen, damit auch der Kindergarten räumlich in die Schule integriert werden könne. Muss die Kommune die Kosten für die räumliche Unterbringung der jungen Besucher tragen, kommen vom Land die Mittel für das Personal.
Seit 2007 wird das Konzept in Baden-Württemberg erprobt. 2013 soll es auch in Gottenheim realisiert werden. "Unser Interesse an dem Generationenhaus ist sehr groß", meint Rempe. Durch eine enge Kooperation zwischen Krippe, Kindergarten und Grundschule würden fließende Übergänge ermöglicht. Die Schüler könnten besser hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen betreut werden. Oberste Priorität hat für die Rektorin eine sinnvolle Umsetzung des Konzepts. "Das Stichwort ist Qualität."
Autor: Axel Dröber
