Tagespflege in der Gaststube

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Mo, 19. Juni 2017

Gottenheim

Im umgebauten "Löwen" in Gottenheims Ortsmitte werden neuerdings Senioren betreut.

GOTTENHEIM. Seit gut vier Wochen gibt es die Tagespflege für Senioren als Angebot der Sozialstation 3sam im ehemaligen Gasthaus Löwen in Gottenheim. Bei einem Besuch vor Ort freuten sich 3sam-Geschäftsführerin Antje Kössl-Janssen und Bürgermeister Christian Riesterer über die gelungene Umgestaltung der historischen Gaststube und die jetzt schon große Nachfrage.

"Das ist das Schöne hier am Haus, man erkennt es trotz der neuen Nutzungen noch immer wieder", betonte Bürgermeister Riesterer. Viele Jahrzehnte war der Löwen der Mittelpunkt des Gottenheimer Dorflebens, hier fanden Familienfeiern aller Art statt, lernten sich junge Paare beim Tanz kennen und in der ganzen Region legendär waren die hiesigen Fasnachtsveranstaltungen. Heute beherbergt das imposante Gebäude Wohnungen für Studenten und Auszubildende, eine Physiotherapie-Praxis und seit Mitte Mai eine Tagespflegeeinrichtung mit zwölf Plätzen.

"Der Umbau ist trotz einiger Schwierigkeiten sehr gelungen", meinte der Bürgermeister. "Es ist gut und richtig, die Senioren in die Mitte des Dorfes zu holen." Und die neuen Gäste nutzen die zentrale Lage auch schon gut aus, sind viel im Dorf unterwegs, genießen den neuen Dorfplatz am Bach. Oder sie sitzen wie am Tag des Besuchs gemütlich im Garten. Mittlerweile werden 21 Menschen in der Tagespflege in Gottenheim betreut, darunter vier Senioren aus dem Dorf. Zwölf Plätze gibt es, täglich sind schon zehn bis elf von ihnen belegt, die Einrichtung ist von montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Wählen können die Gäste oder deren Angehörige, wie oft sie in der Wochen kommen wollen. Sollten in schwierigen Zeiten fünf Betreuungstage nicht ausreichen, könne man Gäste auch mal vorübergehend am Wochenende in einer anderen Tagespflegeeinrichtung der Sozialstation unterbringen, erläuterte Antje Kössl-Janssen.

"Wir haben zu einer Zeit mit der Tagespflege angefangen, als viele andere Anbieter ihre Einrichtungen zugemacht haben", berichtete die Geschäftsführerin der im August 1991 gegründeten gemeinnützigen Sozialstation, die von der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband getragen wird. Die erste eigene Tagespflege mit 17 Plätzen öffnete im Sommer 2010 im Freiburger Blindenheim ihre Pforten.

Viele Besucher der Freiburger Einrichtungen kamen auch aus dem Umland, daher sei man hier auf der Suche nach kurz- und langfristigen Lösungen für weitere Angebote, erläuterte die Geschäftsführerin. Dabei sei man auf den leerstehenden Gasthof in Gottenheim gestoßen.

Kostenrahmen

wurde eingehalten

Hier habe es zwar ausgesehen wie in den 1960er Jahren, erinnerte sich Kössl-Janssen schmunzelnd, doch es sei auch charmant, mal in ein altes Gebäude zu gehen, zumal eines mit einer so tollen Lage mitten im Dorf, meint die gelernte Krankenschwester, Betriebswirtin und Palliativpflegerin.

Der Umbau des teilweise schon maroden Löwen gestaltete sich schwieriger als gedacht, die altersschwache Bausubstanz und die Auflagen der Behörden führten zu aufwenigen Planungen. Eigentlich sollte schon zum Jahresbeginn geöffnet werden, sagte Kössl-Janssen, die der Gemeindeverwaltung für ihre Unterstützung dankbar ist. Die Umbauphase dauerte fünf Monate, die Kosten seien im Rahmen geblieben, zwar wurde etwas mehr fürs Bauen ausgegeben, doch mit Einsparungen bei der Einrichtung habe der Kostenrahmen von rund 180 000 Euro eingehalten werden können.

Für die neuen Mitarbeiter habe die spätere Öffnung auch Vorteile gebracht, meinte die Geschäftsführerin, so konnten sie in anderen Einrichtungen gut eingearbeitet werden, zudem hätten sie beim Einrichten der neuen Räume mitgeholfen. Von einem gelungenen Teambuilding spricht Marco Dossmann, Abteilungsleiter für die Tagespflege der 3sam, der auch den typischen Tagesablauf erläuterte. So würden die Bewohner morgens zu Hause abgeholt. Immer in Absprache mit den Angehörigen und dem ambulanten Pflegedienst. In Gottenheim angekommen, gibt es ein gemeinsames Frühstück, danach wird Zeitung gelesen und besprochen, was man am Tag machen möchte. Oft gibt es aber schon reichlich Gesprächsstoff durch das Tagesgeschehen. Ob Spazierengehen, Gymnastik, Spiele, Lesen, Singen, Gedächtnistraining oder einfach nur in Ruhe miteinander plauschen, vieles sei möglich, sagt Dossmann. Jeder Tag sei anders, und durch die vier bis fünf Mitarbeiter, die ständig vor Ort seien, und die variable Möblierung der zwei großen Räume könnten auch Gruppen gebildet und auf individuelle Wünsche eingegangen werden. Auch ein Schnuppertag für neue Gäste sei möglich.

Für viele Angehörige sei die Tagespflege eine sehr große Entlastung, ist sich Antje Kössl-Janssen sicher. Ob Frühstück, Mittagessen oder Kaffee und Kuchen – über die Verpflegung, die aus der Küche des Blindenheims stammt, bräuchten sich die Angehörigen keine Gedanken machen. Zudem seien die Gäste den ganzen Tag beschäftigt und könnten miteinander kommunizieren, so dass sie abends erschöpft und zufrieden heimkehren könnten. Einen Fernseher gibt es dabei im Löwen bisher nicht und er werde auch nicht vermisst, sind sich Betreuer und Gäste einig.

Kontakt und Infos: 3sam Gemeinnützige GmbH, Zähringer Straße 46, 79108 Freiburg, Tel. 0761/38 76, E-Mail: info@3sam.de