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03. März 2010

Ukrainer hoffen auf Austausch mit Europa

Zwei Bürgermeister als Gäste der Merkle-Stiftung in Gottenheim.

  1. Schwingt Volker Kieber (links) bald die Keule? Ihor Tschudijowytsch, Oberbürgermeister von Tschervonohrad, übergab Gottenheims Bürgermeister dieses kosakische Machtsymbol als Gastgeschenk. Foto: barbara schmidt

  2. Iryna Chartschuk, berichtete auch schon am Vorabend beim Fest der Firma Merkle über die Lage in Sosnivka. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. Besuch von Amtskollegen aus der Ukraine bekam Bürgermeister Volker Kieber: Ihor Tschudijowytsch, Oberbürgermeister der 80 000-Einwoh- ner-Stadt Tschervonohrad, und Iryna Chartschuk aus dem benachbarten Sosnivka trugen sich in Gottenheims Goldenes Buch ein.

Die Ukrainer waren auf Einladung von Renate Merkle in der Tuniberggemeinde. Die Seniorchefin des seit Januar von March nach Gottenheim umgezogenen Unternehmens engagiert sich seit Jahren mit einer eigenen Stiftung in der westukrainischen Bergbauregion um Sosnivka und Tschervonohrad, wo auch andere, beispielsweise das Marcher DRK, Hilfe leisten. Die Probleme dort "können wir uns gar nicht vorstellen", sagte Merkle bei dem Treffen im Rathaus, an dem auch Gemeinderäte teilnahmen.

Kieber stellte Tschudijowytsch und Chartschuk die Winzergemeinde vor. "Sie leben davon, was auf der Erde wächst. Wir leben von dem unter der Erde", begann Tschudijowytsch seinen Vortrag. Halina Tomkiv, Mitarbeiterin der Renate-Merkle-Stiftung, übersetzte. Tschervonohrad liegt 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt und bildet mit Sosnivka und einer dritten Stadt eine Verwaltungseinheit. Bis 1991 habe sich die Stadt intensiv entwickelt, so Tschudijowytsch. Es war der Höhepunkt der Kohleproduktion. Heute arbeiten rund 40 Prozent der Einwohner im Bergbau. Obwohl der Staat wolle, dass sich der Bergbau weiter entwickelt, solle die Stadt die Probleme, die damit einhergehen, alleine lösen, bemängelte Tschudijowytsch.

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Nach dem Zerfall der Sowjetunion seien viele Firmen untergegangen, so dass es heute viele Brachflächen gebe. Die wirtschaftliche Entwicklung fange bei Null an, ohne ausländische Investitionen könnten sie das nicht schaffen, saget der OB. Seit 2006 hätten die deutsche Raiffeisenbank, aber auch andere ausländische Banken, viel investiert. Doch dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise, und "jetzt investieren sie fast nichts mehr".

Sosnivka wurde 1957 als Wohnsiedlung für die Bergwerksarbeiter gegründet. Heute zählt die Stadt 14 000 Einwohner. Fast die gesamte Infrastruktur befinde sich aber in Tschervonohrad, sagte Bürgermeisterin Chartschuk. Sosnivkas Jahresetat betrage nur zwei Millionen Hrywnja (etwa 190 000 Euro). Zum Vergleich: Gottenheims Haushalt für dieses Jahr umfasst mehr als neun Millionen Euro. Das Jahresbudget von Tschervonohrad, liegt bei 15 Millionen Euro.

Die Gemeinderäte fragten auch nach der politischen Lage nach der Präsidentenwahl. Tschudijowytsch betonte, dass eine Hinwendung zur EU der einzig richtige Weg für sein Land sei. Zum Schluss wurden Geschenke ausgetauscht. Kieber überreichte Wein vom politischen Weinberg und ein Buch über Gottenheim. Die Gäste hatten ihre Stadtwappen und Schnaps mitgebracht. Tschudijowytsch schenkte Kieber auch eine Keule mit Dornen, was für Heiterkeit sorgte. Die Keule sei bei den Kosaken ein Symbol der Macht, erläuterte Tschudijowytsch. Chartschuk sprach eine Gegeneinladung aus. Sie wollten den Kontakt über die Stiftung fortsetzen, sagte Kieber.

Der Gemeinderat spendete 400 Euro an die Renate-Merkle-Stiftung. "Damit die Hilfe dort ankommt, wo sie nötig ist", sagte der Kurt Hartenbach. Die Gemeinde hatte schon am Vortag 500 Euro gespendet. Kieber stellte zudem eine Aktion der Vereine und der Bürger zu Gunsten der Stiftung in Aussicht.

Autor: Barbara Schmidt