"Ein etwas fader Beigeschmack"

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mi, 04. Dezember 2013

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW mit Manfred Mutter, dem Sprecher der BI Zukunftsforum zu den Plänen der BASF, 40 Millionen Euro zu investieren.

GRENZACH-WYHLEN. Überraschend hat BASF am Montagnachmittag angekündigt, 40 Millionen Euro in das Werk Grenzach zu investieren, wobei es sich hauptsächlich um die Ausweitung bestehender Anlagen handeln wird. Eingestellt wird dagegen das Geschäft mit Pigmenten. Ralf H. Dorweiler fragte bei Manfred Mutter, dem Sprecher der BI Zukunftsforum an, wie er und die anderen BI-Mitglieder diese Ankündigung einschätzen.

BZ: Herr Mutter, sie ahnen, weshalb ich mit Ihnen sprechen möchte?

Mutter: Aber ja. Seit über die Zeitung die Ankündigung der BASF zu lesen war, laufen bei mir E-Mails und Anrufe von Mitstreitern ein.

BZ: Und wie wird diese Ankündigung gewertet?

Mutter: Wir begrüßen das Vorhaben der BASF sehr und sehen es als ersten Schritt in die richtige Richtung. Die zweite Reaktion ist, dass eine Standortgarantie für fünf Jahre erstmal nichts mit unserer Forderung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Totalsanierung der Kesslergrube zu tun hat. Wir hoffen aber, dass es nur der erste Schritt in Richtung des Komplettaushubs von Perimeter 2 ist.

BZ: Die Investitionsankündigung kam aber sicher auch für Sie überraschend?

Mutter: Sie kam sehr überraschend. Aus unserer Sicht war es unklug von BASF, die Ankündigung genau in der Woche zu machen, in der das Nachhaltigkeitsgutachten besprochen wird. Damit bekommt man den leichten Verdacht, dass es sich bei der Ankündigung um eine taktische Maßnahme handeln könnte, um die Totalsanierung zu umgehen, die mit 220 Millionen Euro kalkuliert wurde. Es gibt darum also doch einen etwas faden Beigeschmack.

BZ: Gerade auf Seiten der BI wurde öfter argumentiert, dass BASF sich ohnehin bald zurückziehen werde. Bei solchen Investitionen kann man doch wohl sagen, dass kein Rückzug geplant ist, oder?

Mutter: So begrüßenswert die Ankündigung auch ist, der Umfang der Investitionen an einem "global wichtigen Standort", wie Herr Heinz sagt, ist für eine Weltfirma eher bescheiden, zumal keine Perspektiven für innovative Erweiterungen und Ausbau von Arbeitsplätzen gegeben werden. Wir als BI müssen eine andere Zeitskala anwenden und nicht auf die nächsten fünf Jahre, sondern auf 50 und mehr blicken. Die Fachleute unter uns bedauern sehr, dass das wichtige Standbein der Pigmentproduktion so schnell, also schon im nächsten Frühjahr, eingestellt werden soll. Dass der Bereich Care Chemicals ein Schwerpunkt im Grenzacher Werk werden soll, begrüßen wir außerordentlich und sehen darin eine Chance, im Falle einer Totalsanierung diese Art von Projekten weiter zu fördern auf dem Areal.

BZ: Sie sagen "im Falle einer Totalsanierung". Warum sehen sie die als Grundlage für die Ansiedlung weiterer Chemieindustrie?

Mutter: Wir wollen innovative, wertschöpfende Industrie am Standort. Allerdings ist die Ansiedlung beziehungsweise der Ausbau solcher konkurrenzfähiger Projekte nur denkbar, wenn das Areal zukunftsfähig saniert ist. Solche chemischen Betriebe können eine Giftquelle in Nachbarschaft nicht dulden.

BZ: Am Donnerstag findet das Gespräch zum Nachhaltigkeitsgutachten statt, an dem Sie selbst auch teilnehmen. Dabei wird es darum gehen, eine gemeinsame Basis für den Begriff der Nachhaltigkeit und damit für das Gutachten zu finden. Wie sehen die Forderungen der BI aus?

Mutter: Wir haben uns zur Vorbereitung mit den fachlichen, gesetzlichen und juristischen Aspekten des Begriffs Nachhaltigkeit befasst. Das Landratsamt hat als Gutachter Dr. Helmut Dörr bestellt, der als ausgewiesener Experte in Sachen Nachhaltigkeit gilt. Wenn man die Sanierung unter den standort- und schadstoffspezifischen Aspekten der Kesslergrube betrachtet, müsste nach den neusten Standards der Altlastensanierung ein Totalaushub die bevorzugte Sanierungsvariante darstellen.

BZ: Wer wird bei dem Termin dabei sein?

Mutter: Zwei Vertreter des Landratsamts, von der Gemeinde Bürgermeister Lutz und Frau Neuhöfer-Avdic, Herr Dörr, der sich vor der Erstellung des Gutachtens ein Bild von der Situation machen möchte, zwei Vertreter der BASF und von der BI Peter Donath und ich. Ziel der ersten Gesprächsrunde wird sein, einen Konsens über die Wertigkeit und Gewichtung der Kriterien zur Nachhaltigkeit zu finden.

BZ: Und im Anschluss gibt es am Donnerstag noch die Mahnwache der BI.

Mutter: Wir würden gerne die Bevölkerung sensibilisieren für die Wichtigkeit unseres Anliegens und ein friedliches Zeichen setzen. Dafür sind wir von 17.30 bis 19.30 Uhr auf dem Schulhof der Bärenfelsschule, werden Kerzen anzünden und bei legerer Atmosphäre mit Glühwein und Lebkuchen Interessierte auch informieren. Jeder kann zudem einen Wunsch an den Weihnachtsbaum hängen.