Wyhlener Zehnhaus

Kabarettist Thomas C. Breuer in Wyhl: Erfrischend anders

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 24. Januar 2017

Theater

Der Kabarettist Thomas C. Breuer macht mit "Letzter Aufruf!" im Wyhlener Zehnhaus Halt.

Im tomatenroten Anzug steht er auf der Bühne und sagt gleich, was Sache ist: "Ich bin gekommen, um zu gehen". Thomas C. Breuer ist auf Abschiedstour. Nach 40 Jahren als Handlungsreisender in Sachen Humor macht er sich in seinem neuen Programm "Letzter Aufruf!" Gedanken über das, was war und was noch kommt, über das Altern und den Lebensabend. Er würde ja gerne in Würde altern. "Aber das klingt ein bisschen so, als liege das im Sauerland".

Wer den scharfsinnigen und -züngigen Sprachartisten kennt, weiß, dass dieser Abgesang kein "bunter Abend über das Älterwerden" wird, sondern ein Feuerwerk an Pointen und Wortspielen. Jeder Satz eine Pointe, jede Pointe ein Lacher. So viel wurde selten gelacht im ausverkauften Kellertheater im Zehnthaus Wyhlen, obwohl das Thema ernster Natur ist. 64 ist das neue 44, postuliert der baumlange Dichter und Denker, der noch geistreiches, kluges, sprachlich geschliffenes Kabarett von der langsam aussterbenden Sorte macht. Erfrischende Selbstironie, ein entwaffnend trockener Humor, pointierter Wortwitz und blitzgescheite Wort-Spiele mit Doppeldeutigkeiten sind Breuers Stärken.

Er sei jetzt in dem Alter, in dem ihm die Mitgliedschaft in einem Golf-Club angetragen werde, kommentiert der 64-Jährige süffisant die "Nachrichten aus der Golf-Region". Zum Thema Senioren-WGs, Altersfreuden und Alterssex spöttelt er, dass Eros die Abkürzung von Erosion sei. Der Mann mit dem stoppelkurzen Haar und dem Hang zu knallfarbigen Anzügen geht die Alters-Frage und das Phänomen Zeit philosophisch und wortspielerisch an, zitiert gern Lebensweisheiten seines finnischen Freundes Jukka-Pekka Hektinen und der ebenfalls fiktiven chinesischen Philosophin Tai Ming.

Halb nostalgisch, halb sarkastisch winkt Breuer den guten alten Zeiten nach, als man auf Passfotos noch lächeln durfte, Chicken noch Hähnchen hieß, es noch Telefon-Wählscheiben und Eierkocher statt I-Phones gab und die Kinder mit Lebertran aufgepäppelt wurden. Heute müsse alles schnell, schnell gehen: Dusch-Frühstück mit Espresso unter der Brause, Speed-Dating, Quickies, Tempo-Taschentücher, "Apple-Pflücking" und Schlussmachen per SMS.

Auch der Job von Comedians werde in einigen Jahren von Humor-Robotern erledigt. Er habe den Verdacht, dass das bei einigen Kollegen heute schon der Fall sei, stichelt Breuer. Da ihm die Zeit davon renne, wolle er sie nicht länger mit Polit-Protagonisten wie dem "Poltergeist" Seehofer, der "mit Haarspray betankten Kampfdrohne" Ursula von der Leyen oder der "schwarzen Null" Schäuble verplempern. Aus dem kabarettistischen Wut-Bürger ist ein "Müdbürger" geworden, der sich fragt, ob seine Energien noch erneuerbar sind. Über das politische Tagesgeschäft will er sich nicht länger echauffieren, doch ein Stoßgebet hat er aus aktuellem Anlass gedichtet: "Gott schütze uns vor Schreckgestalten…", zieht er mit spitzer Zunge und Feder über die Erdogans, Orbans, Petrys, Le Pens und "tumben Trumpen" dieser Welt her.

Der gute alte Griesgram, der aus der Mode zu geraten droht: Breuer verkörpert ihn immer noch mit Lust an hintergründigen Pointen, wenn er mit Käppi und Groove einen "Umwelt-Rap" über die bedrohte Erde anstimmt, über das Artensterben und das Ableben großer Literaten sinniert und einen schicken Lebensabend-Designer konsultiert. Es ist erfrischend anders, widerborstig, geistvoll und querköpfig, wie Breuer das Thema Altern ausreizt.