Für Firmen sind Kosten maßgebend

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Fr, 28. Oktober 2011

Grenzach-Wyhlen

Im Festsaal geht es um die "Zukunft der Chemie am Hochrhein".

GRENZACH-WYHLEN. Das Thema hat gezogen: "Die Zukunft der chemischen Industrie am Hochrhein" lockte so viele Interessierte ins Haus der Begegnung, dass die Veranstalter noch weitere Stühle aufstellen mussten. Denn neben Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verbänden waren zahlreiche Arbeitnehmer von DSM und BASF mit Transparenten und Protestschildern gekommen. Gerade sie hatten sich indes mehr von der Veranstaltung erhofft.

"Es ist sehr bedauerlich, dass keine Fragen aus dem Plenum zugelassen wurden", meinte Klaus Kessner, Betriebsratsvorsitzender der Firma DSM am Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung, die die Wirtschaftsregion Südwest mit Unterstützung der Gemeinde und der Chemieverbände organisiert hatte, "deshalb sind die Kollegen ja auch gekommen". Auch Heiko Wodarkiewicz, Betriebsratsvorsitzender bei der benachbarten BASF, hätte sich gerne eine kritischere Auseinandersetzung mit der Standort- und Ansiedlungspolitik gewünscht – samt klarer Forderungen im Zusammenhang mit der von BASF beabsichtigten Ansiedlung der Entsorgungsfirma Zimmermann.

Doch der Chemiestandort Grenzach-Wyhlen war aufgrund des massiven Arbeitsplatzabbaus in den vergangenen Monaten und Jahren zwar Anlass für die Veranstaltung, aber nicht das beherrschende Thema: Denn Moderatorin Anja Obermann, Geschäftsführerin der von den Landkreisen Lörrach und Waldshut getragenen Wirtschaftsregion Südwest, wollte insbesondere ergründen, welche Einflussmöglichkeiten die Region hat.

Schon bei der ersten Fragerunde nach den Kriterien für Investitionen oder Standortentscheidungen in den Konzernen wurde indes klar: fast keine. "In unserer Branche sind die Kosten dominierend", meinte DSM-Geschäftsführer Eberhard Rank, das wesentliche Kriterium sei "die Wettbewerbsfähigkeit". Und da lassen sich die Firmen auch selbst einiges einfallen: So ist DSM "mit einem regionalen Energieunternehmen" wegen der Nutzung anfallender energiereicher Nebenprodukte bei der Fermentierung im Gespräch, im Firmenverbund bildet DSM in Grenzach auch für Schweizer DSM-Betriebe aus und mit der BASF gibt es ebenfalls einen ständigen Austausch, beide Firmen haben auch einen Energieverbund. Das Gleiche gilt für Evonik in Rheinfelden: Werkleiter Rainer Vierbaum skizzierte den Verbundstandort, in dem auch einige andere Firmen untergebracht sind (Umicore, Rheinper), was sich auf die Kostenstruktur günstig auswirkt. Die jüngsten Konzernentscheidungen für neue Produktionen in Rheinfelden seien darauf zurückzuführen, dass Nebenprodukte aus der Siliziumverarbeitung an dem Verbundstandort eingesetzt werden können.

Einen Ansatzpunkt für die Region sieht Wilfried Penshorn (IG BCE) in der Ausbildung: Er appellierte an die einzelnen Firmen, über den eigenen Bedarf für die Region auszubilden und an den Schulträger, die Chemieklassen an der Gewerbeschule Rheinfelden aufrechtzuerhalten.

Bei einem der wesentlichen Kriterien für künftige Standortentscheidungen ist aber nicht die Region, sondern mindestens das Land, wenn nicht gar der Bund gefragt. Sowohl Thomas Mayer vom Branchenverband Chemie Baden-Württemberg, Gewerkschaftsmann Penshorn und die beiden Firmenchefs waren sich einig: Die Energiepreise dürften nicht noch weiter steigen, um den Chemiestandort Deutschland nicht zu gefährden – die Personalkosten sind nämlich längst nicht mehr Kostenfaktor Nummer eins. Und selbst in der Schweiz ist Energie, namentlich Strom, günstiger als hierzulande, wie ein Mann der Wirtschaftsvertreter am Rande der Veranstaltung bemerkte.

Gegen Ende der Veranstaltung spielte die Moderatorin den Ball dem Bürgermeister in Sachen Entsorger zu: Lutz erklärte, dass es für die Gemeinde darum gehe, zu überlegen, was mit dem 40 Hektar großen Gelände passieren soll, zumal nicht klar sei, was mit BASF werde: Und er ging dann zumindest in die Richtung, die die Arbeitnehmervertreter hören wollten: "Wenn klar ist, dass BASF bleibt, dann sind wir sicher bereit, Zimmermann aufzunehmen."