Leserbriefe

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Markus John & Grenzach-Wyhlen

Mi, 24. September 2014

Grenzach-Wyhlen

SANIERUNG DER KESSLERGRUBE
Vorsorglich richtig sanieren
Uns erreichte ein Leserbrief, der auch die Sanierung der Hirschackergrube ins Gedächtnis ruft:
Bald steht die Entscheidung des Landratsamtes (LRA) an, ob die Firma BASF aufgrund ihrer Antragsunterlagen auf ihrem Teil der gleichsam vergifteten Kesslergrube eine nicht-nachhaltige, 10 000-jährige Billigsicherung durchführen darf. Was haben wir von der Verwaltungs-Behörde im Umgang mit den eingereichten Fakten eventuell zu erwarten?

Interessanten Ein- und Ausblick gibt hier vielleicht ein merkwürdiges Verhalten aus der jüngeren Vergangenheit, bei der das LRA und die Altlastenbewertungskommission die Wirksamkeit der Aktivkohlefiltration, die das Grundwasser aus dem Bereich der Hirschackergrube in Grenzach-Wyhlener Trinkwasser umwandeln soll, bewertet hat. Dabei hatten sich laut Gutachten zwei Proben im Zulauf dieser Anlage gelb verfärbt. Diese wurden aber seltsamerweise nicht analysiert. Sind das nicht eigentlich sehr interessante Proben? Warum wurde hier weggeschaut?

Weiterhin konzentriert sich die Kommission bei ihrer Interpretation über die Wirksamkeit der Trinkwasserreinigung einzig auf die Reduktion der bekannten Gefahr-Stoffe in der Hirschackergrube. Im Zulauf der Anlage wurden jedoch auch 2492 unbekannte Substanzen nachgewiesen. Von denen wurden aber nur 75 Prozent durch den Filter gänzlich eliminiert. Die restlichen unbekannten Stoffe wurden reduziert, manche von ihnen jedoch nur in einen Konzentrationsbereich, bei dem man das Hormonsystem störende Wirkungen leider nicht ausschließen kann. Bekannte Beispiele für solche Stoffe sind z.B. Bisphenol A in Kunststoffflaschen oder das von der BASF hergestellte Triclosan.

Um Gefahren für den Menschen durch solche Stoffe zu minimieren, hat die WHO 2012 die Anwendung des Vorsorgeprinzips empfohlen. Das Vorsorgeprinzip zielt darauf ab, trotz fehlender Gewissheit bezüglich Art, Ausmaß oder Eintrittswahrscheinlichkeit von möglichen Schadensfällen vorbeugend zu handeln, um diese Schäden von vornherein zu vermeiden. Das klingt sehr sinnvoll. Man müsste also folglich noch ausschließen, dass die unbekannten Stoffe, die durch den Filter rutschen, tatsächlich keine schädlichen Auswirkungen haben, oder andernfalls notgedrungen Anpassungen an der Reinigungsanlage vornehmen. Bislang ist der Beweis der Unbedenklichkeit durch das LRA aber nicht erfolgt.

Und deshalb entsteht leider auch der Eindruck, dass die Behörde das Vorsorgeprinzip beim Entscheid über die einzig richtige Sanierungsmethode im Fall der Kesslergrube ebenfalls nicht anwenden wird. Weder die BASF, noch das Landratsamt als Genehmigungsbehörde, haben aber ein Recht darauf, nachkommende Generationen nachhaltig zu vergiften, falls die sich dereinst den höchst aufwendigen Sicherungsbetrieb nicht mehr leisten können. Deshalb muss hier, wie in den beschriebenen anderen Bereichen, vorsorglich gehandelt werden.

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Das Spiel mit der Hoffnung
Noch ein Leserbrief zum gleichen Thema:
Sitzt die BASF auf gepackten Koffern? Am Samstag konnte ich es fast kaum glauben. Nur vier Besucher wurden vom Standortleiter und dem Sanierungsprojektleiter tatsächlich persönlich betreut und informiert. Hat die BASF am Standort kein qualifiziertes Personal mehr, dass der regionale Standortleiter und der Projektleider am Samstagmorgen dazu verpflichtet werden? Wer auch einmal wie ich eine Standortsschließung mitgemacht hat, weiß, was ich meine. Beruhigung und das Spiel mit der Hoffnung stehen an oberster Stelle, wenn eine Schließung kurz bevor steht und die Zeichen auf einem Werksareal davon sprechen. Es gibt nur noch zirka fünf Prozent Verwaltung vor Ort. Der Hauptanteil kommt aus anderen Standorten. Das sieht nicht wie ein eigenständiges und strategisch wichtiges Werk, sondern eher wie eine Produktionsanlage in der Pampa aus, die nur noch dorthin verladen werden muss, wo ihr zukünftiger Bestimmungsort sein soll. Die der BASF wichtige Kundennähe überzeugte mich auch nicht, auch wenn Roche hier in der Gegend beliefert werde. Auf meine Nachfrage, welche Produkte des Werks in Grenzach-Wyhlen denn hier in der Gegend an Roche geliefert werden, war die Antwort: Keine. Die Betonung, es handle sich um besondere kosmetische Produkte, die an weltweit verteilte Kunden geliefert werden und speziellen Kühlketten unterliegen, ergibt betriebswirtschaftlich keinen Sinn. Eine Firma, die an einem Standort bleiben will, investiert keine 40 Millionen in neue Technologien, die jederzeit kurzfristig abgebaut werden können, sondern in die Infrastruktur des Areals sowie neue Produkte, die Arbeitsplätze schaffen. Am Ende wurde mir noch bestätigt, dass der Standort natürlich firmenintern im Wettbewerb steht, was nur heißen kann: Wenn größere Instandhaltungen oder die von der Bevölkerung geforderte nachhaltige Sanierung anstehen, macht sich die BASF aus dem Staub. Petra Bräuer, Grenzach-Wyhlen