Mehr Konzentration auf die Stärken der Schüler

Elena Bischoff

Von Elena Bischoff

Mi, 25. Oktober 2017

Grenzach-Wyhlen

Neues Oberstufenkonzept der Landesregierung überzeugt LMG-Direktor Schührer / Unverständnis, dass Präsentationsprüfung entfällt.

GRENZACH-WYHLEN. Mit der neuen Oberstufe hat die Landesregierung kürzlich einem Konzept des Kultusministeriums zugestimmt, das die gymnasiale Oberstufe und die Abiturprüfungen weiterentwickelt. Vorteile sollen vor allem flexiblere Möglichkeiten bei der Kurs- und Prüfungswahl, mehr Unterrichtszeit in den Leistungsfächern und eine Stärkung der Naturwissenschaften sein. Frank Schührer, Leiter des Lise-Meitner-Gymnasiums, bewertet die Pläne überwiegend positiv.

"Der Weg ist grundsätzlich gut, man muss das Ganze aber differenziert betrachten", sagt Schührer auf Nachfrage der BZ. Generell sei es an der Zeit gewesen, das Abitur in Baden-Württemberg anzugleichen und es so mit anderen vergleichbar zu machen. In vielen Bundesländern sei das bereits geschehen, so der Schulleiter. "Generell ändert sich mit der Neuen Oberstufe nicht so viel, Mathe und Deutsch sind nach wie vor Pflicht, auch in den Prüfungen." Statt bisher fünf Leistungsfächer (mit je vier Wochenstunden) gibt es in der Oberstufe künftig drei Leistungsfächer, die fünfstündig unterrichtet werden. Das erste und zweite Leistungsfach wählen die Schüler aus Deutsch, Mathe, Fremdsprache und Naturwissenschaft, das Dritte ist frei wählbar. Die restlichen Fächer sind Basisfächer (Deutsch, Mathe, Fremdsprachen und Naturwissenschaften dreistündig, Rest zweistündig). Diese Pläne sollen erstmals für den Abiturjahrgang 2021 gelten.

"Damit ist die Wahlmöglichkeit natürlich nicht mehr so groß, etwa, was Musik und Kunst angeht", sagt Schührer. Das wäre ein Punkt, den viele kritisierten. Gut an der neuen Aufteilung der Stunden findet er, dass die Schüler ihre Stärken vertieft einbringen könnten. Gerade im europäischen Vergleich sei das wichtig. Zudem könne das neue System eine Chance sein, die Hürde beim Übergang von der Schule zur Hochschule zu verkleinern.

"Was mich als Lehrer allerdings verwundert, ist, dass die Präsentationsprüfung wegfällt", nennt Schührer einen der Punkte, die ihn an den Plänen der Landesregierung irritieren. Bisher besteht das Abitur aus vier schriftlichen und einer mündlichen Prüfung. Letztere ist eine sogenannte Präsentationsprüfung, bei der die Schüler vorher zu Hause zu einem bestimmten Thema einen Vortrag mit Bildern, Plakaten oder einer Präsentation am PC vorbereiten, diesen am Tag der Prüfung halten und Fragen dazu beantworten.

Künftig soll es nur noch drei schriftliche und dafür zwei mündliche Prüfungen geben. Diese sollen einer klassischen mündlichen Prüfung entsprechen, bei der die Schüler 20 Minuten Vorbereitungs- und ebenso viel Prüfungszeit haben. "Im Studium und im Beruf wird man immer wieder mit Präsentationen konfrontiert", sagt Schührer. "Ich verstehe daher nicht, warum man die Präsentationsprüfung ganz abschafft." Es gäbe wohl die Auffassung, dass die Eigenleistung wegen einer wachsenden Internetnutzung schwerer zu bewerten sei.

Bei den Schülern sei das Thema, so erlebt es zumindest Schührer, noch nicht wirklich angekommen. Da müsse man warten, bis die Pläne tatsächlich in gedruckter Form vorliegen.