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16. Februar 2013

Rolf Disch plant eigenes Stromnetz

Die Baugebiete Hornacker und Neufeld-Süd könnten zu Selbstversorgern werden / Reaktion auf Strompreisbremse.

  1. Entlang der Neufeldstraße lagert Holz, künftig sollen nach Dischs Plänen hier Autos parken und auf der anderen Straßenseite eine Solarsiedlung Strom erzeugen. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  2. Rolf Disch Foto: Dorweiler

GRENZACH-WYHLEN. Zwei Baugebiete hat der Freiburger Solararchitekt Rolf Disch zur Zeit in Grenzach-Wyhlen am Start: Das Gebiet Hornacker, nördlich der Bahnlinie am Hörnle und das Gebiet Neufeld Süd, südlich des Allmendwegs. Beide Baugebiete befinden sich derzeit in der Feinplanung, wobei neue politische Diskussionen auch zu neuen Ideen beim Solarvisionär Disch geführt haben. Insbesondere im Gebiet Hornacker könnte es, wenn es nach dem Planer geht, ein sogenanntes Arealnetz geben, ein eigenes Stromnetz.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) möchte eine Strompreisbremse installieren, um Verbraucher zu entlasten. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist zunächst eingeschritten. Gemeinsam haben sie konzipiert, dass die Ökostrom-Umlage bis 2014 eingefroren werden soll. Diese war zuletzt 2012 um 1,8 Cent auf 5,3 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Anschließend soll sie um maximal 2,5 Prozent steigen. Förderungen für Solar- und Windkraftanlagen werden gekürzt, Ausnahmen in der Zahlungspflicht der Ökostrom-Umlage sollen neu bewertet werden. Solar-Großanlagenbetreiber sollen bei nach August 2013 gestarteten Anlagen keine Einspeisevergütung mehr garantiert bekommen.

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Disch sieht Pläne skeptisch
Er habe Vertrauen in die Länder, so Disch, dass diese keinen "Unsinn durchgehen lassen". Die Opposition stand den Regierungsplänen zunächst skeptisch gegenüber. Dischs Meinung nach sei die große Verunsicherung beabsichtigt, die momentan herrsche. Man wisse derzeit nicht, wie es wirtschaftlich weitergehe und sehe, dass die Energiewende, zu der sich eigentlich alle Parteien öffentlich bekannt haben, längst noch nicht durch sei.

Momentan habe die Diskussion keine direkten Auswirkungen auf die beiden Grenzacher Baugebiete für Solarsiedlungen. Allerdings plane sein Unternehmen derzeit die Energiekonzeption, insbesondere über das Baugebiet Hornacker, das bereits über einen gültigen Bebauungsplan verfügt. "Weil man nicht absehen kann, wie es politisch weitergeht, wird die Energiekonzeption etwas schwierig", hat Disch festgestellt. Allerdings ist ihm bereits eine Idee gekommen.

Arealnetze
Bislang wird der von Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern produzierte Strom ins Stromnetz eingespeist und vom Energieversorger vergütet. Die Produzenten, also die Besitzer der Anlagen, bekommen dafür einen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz gesetzlich garantierten Betrag. Disch möchte nun mehr Eigenversorgung im Gebiet Hornacker installieren. Der erzeugte Strom könne über ein sogenanntes Arealnetz, ein eigenes Stromnetz nur für den Hornacker, selbst benutzt oder an die Nachbarn verkauft werden. "Da der Strom 25 bis 27 Cent kostet, man ihn aber für 15 bis 20 Cent produzieren kann, ist da noch Luft drin." Der Produzent könnte etwas verdienen und der Käufer sparen. Überschussstrom würde weiterhin an den Energieversorger abgetreten, ebenso wie ein Mehrbedarf bei der Stromfirma eingekauft werden könnte. Erste Gespräche in diese Richtung hat Disch bereits mit dem Fraunhofer-Institut, der Firma Energiedienst und anderen Energieversorgern am Laufen. Die Energieversorger, so Disch, könnten in diesem absoluten Pilotmodell auch ein Geschäftsmodell für die Zukunft ausmachen: Es braucht nämlich einen Dienstleister, der das Arealnetz betreibt und wartet.

Baustart noch in diesem Jahr
Diese Konzepte werden zur Zeit in Dischs Architekturbüro in Freiburg verfeinert. Klar ist aber, dass die Erschließungsarbeiten in den beiden Baugebieten noch in diesem Jahr starten sollen. Man befinde sich derzeit mit der Gemeinde in den Vorarbeiten. Er rechnet damit, dass die Erschließung auf dem Hornacker spätestens im Herbst dieses Jahres beendet sein wird. Einen Einzug in ein Haus im Jahr 2013 sieht er nicht, 2014 sollten aber die ersten Bezüge möglich sein, schätzt er.

Für das Neufeld sieht die Situation noch etwas anders aus. Dort ist die Änderung des Bebauungsplans noch nicht beschlossen. Derzeit befindet dieser sich in Offenlage, wie Hermann Räpple vom Bauamt bestätigt. Bis Montagabend können Einwendungen und Anregungen eingegeben werden. Bislang gebe es nur recht wenig Resonanz auf die Offenlage. Sollte es dann keine Probleme geben, muss der Gemeinderat den Bebauungsplan noch offiziell beschließen. Disch möchte auch im Neufeld Süd noch in diesem Jahr mit den Erschließungsarbeiten fertig werden. Erste Neubewohner sieht er ebenfalls im Jahr 2014 einziehen.

Autor: Ralf H. Dorweiler