"Wir wollen lange hier bleiben"

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Sa, 11. April 2015

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW mit George Basrawi, dem Standortleiter von BASF, über die Veränderungssperre und die Zukunft in Grenzach.

GRENZACH-WYHLEN. Die von der Gemeinde ausgesprochene Veränderungssperre über dem BASF-Areal ist für ein drittes Jahr verlängert worden. Der Normenkontrollantrag des Unternehmens, das dies verhindern wollte, war erfolglos. BZ-Redakteur Peter Gerigk sprach mit Standortleiter George Basrawi darüber, was das für BASF bedeutet.

BZ: Herr Basrawi, überraschte Sie, dass die Veränderungssperre verlängert werden durfte?
Basrawi: Dass sie verlängert wurde, damit konnte man zu diesem Zeitpunkt durchaus rechnen, das war keine so große Überraschung für uns. Nach Auffassung der BASF stellt die Veränderungssperre einen massiven Eingriff in ihre Eigentumsrechte dar. Insbesondere beeinträchtigt die Sperre die Absichten der BASF, den Standort Grenzach industriell zu nutzen und weiter zu entwickeln.

BZ: Gibt es – über den Chemierecycler Zimmermann hinaus – konkrete Interessenten für eine Ansiedlung?
Basrawi: Die Veränderungssperre stellt für uns doch einen gravierenden Nachteil dar, denn ein Interessent braucht Planungssicherheit. Für einen potenziellen Interessenten ist die Veränderungssperre abschreckend, denn er muss für die Planung viel Geld investieren. Solche Maßnahmen haben eine Signalwirkung.
BZ: Was plant BASF mit den vielen freien Flächen des Geländes, die es auch schon vor der Veränderungssperre gab?
Basrawi: Wir sind seit über hundert Jahren ein Industriestandort und haben hier im Grunde alles, was ein Industrieunternehmen braucht und eine Industriefläche wertvoll macht. Wir sehen großes Potenzial darin, das Gelände industriell zu nutzen. Das macht seinen Wert aus. Unsere Intention ist es, das Potenzial des Geländes möglichst voll auszuschöpfen und den Standort gezielt für Partner aus der Industrie zu öffnen. Gewerbliche Nutzungen kommen allenfalls in den Randbereichen des BASF-Areals in Frage.
BZ: Was produziert BASF in Grenzach?

Basrawi: Wir produzieren mittlerweile ausschließlich für den Unternehmensbereich Care Chemicals, auf den wir uns mit der Neuausrichtung fokussiert haben. Dazu gehören Wirkstoffe mit antiseptischer Wirkung in Handwaschlotionen, Zahnpasta und ähnlichem; und zum anderen UV-Absorber für Anwendungen im Sonnenschutz, beispielsweise Cremes. Beide Produktlinien sind innovativ, sie werden nach hohen internationalen Standards produziert, und wir haben sie hier auch selbst entwickelt. Für diese Produkte haben wir sehr stabile, langfristige Nachfragen unserer Kunden. Daher ist das ein sehr attraktives Produktportfolio mit hohem Potenzial für die Zukunft. Unser technologischer Vorsprung macht es Wettbewerbern schwer, da einzusteigen.

BZ: Wie lange bleibt BASF in Grenzach?

Basrawi: Wir planen hier absolut ohne Zeitbegrenzung. Wir investieren mit mehr als 40 Millionen Euro bis 2018 erheblich in die Modernisierung der Produktion, vor allem erneuern wir die ganze Prozessleittechnik. Das sind die größten Investitionen seit Jahren. Wir investierten auch schon mehr als 10 Millionen Euro in die Modernisierung der Infrastruktur. Wir wollen lange hier bleiben. Die Aussichten sehen momentan durchweg positiv aus.

George Basrawi (47) ist seit 1. Januar Standortleiter bei BASF in Grenzach.