"Zimmermann würde eine Totalsanierung verhindern"

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 15. August 2013

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW mit Manfred Mutter über aktuelle Entwicklungen zum Thema Zimmermann-Klage und Sanierung der Kesslergrube.

GRENZACH-WYHLEN. Zuerst kümmerte sich das Bürgerforum um die Verhinderung der Ansiedlung des Chemierecyclers Zimmermann, mittlerweile hat man sich nach dem Erfolg auf die Sanierung der Kesslergrube verlegt und verlangt von der BASF den Totalaushub. Eine wichtige Person beim Bürgerforum ist der Chemieprofessor Manfred Mutter. Ralf H. Dorweiler sprach mit ihm über anstehende Aufgaben.

BZ: Die Entscheidung, einen Bebauungsplan über das BASF-Areal zu legen und sich damit gegen die Firma Zimmermann zu stellen, hat der Gemeinderat nach langen Diskussionen im März getroffen. Haben Sie damit gerechnet, dass jetzt noch eine Klage dagegen eingehen würde?

Mutter: Ich muss sagen, dass ich ursprünglich sicher war, dass die Firma Zimmermann versuchen würde, juristisch gegen die Entscheidung vorzugehen. Das entspricht ihrem Geschäftsmodell, so wie ich das Unternehmen kennengelernt habe. In der Zwischenzeit allerdings überrascht es mich doch sehr, weil immerhin einiges in der Gemeinde passiert ist: Man kann in der Bevölkerung, im Gemeinderat und in der Verwaltung eine richtiggehende Aufbruchsstimmung empfinden wegen der Sanierung der Kesslergrube. Und alles, was im Moment an Zukunftsideen für die Gestaltung des Gesamtareals diskutiert wird, steht konträr zu einer Ansiedlung eines Sondermüllentsorgers.

BZ: Können Sie das etwas genauer erklären?

Mutter: Ein großes Problem war ja die Kläranlage. Jetzt gibt es die Bereitschaft von Seiten der Gemeinde, das Problem anzugehen, wie man ohne diese Kläranlage auskommen könnte. Wenn Zimmermann doch kommen würde, dann müsste man die Kläranlage stehen lassen. Gleichzeitig würde das bedeuten, dass ein Totalaushub des BASF-Bereiches der Kesslergrube nicht möglich wäre. Zimmermann würde also eine Totalsanierung verhindern. Allerdings geben alle in Grenzach-Wyhlen beteiligten Parteien positive Signale, dass man das gesamte Gelände nun eher auf-, statt abwerten möchte. Mich wundert es, dass sie diese Stimmung nicht mitbekommen haben und nun versuchen, die Ansiedlung gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung juristisch durchzuboxen.

BZ: Denken Sie, dass die BASF auch den juristischen Weg einschlagen wird?

Mutter: Bei einer gemeinsamen, erfolgreichen Klage mit Zimmermann würde ja die Recyclinganlage kommen, die Kläranlage bleiben und eine Einkapselung des Areals gemäß dem jetzigen Plan der BASF wahrscheinlich. Bei einem solchen Szenario wäre undenkbar – und gegenüber der Arbeitnehmerschaft unverantwortlich – dass die BASF sich vom Standort zurückzieht, der Gemeinde sozusagen als Abschiedsgeschenk einen Sondermüllentsorger hinterlässt. Niemand hätte etwas gegen eine Einkapselung, wenn die BASF das im Vergleich zur Totalsanierung eingesparte Geld am Standort investieren und damit Arbeitsplätze schaffen würde. Die Bürgerinitiative hat immer betont, dass wertschöpfende Industrie mit Zukunftspotenzial am Standort willkommen ist.

BZ: Was stellen Sie sich vor im Fall, dass Zimmermann prozessiert und verliert?

Mutter: Das Potenzial von Grenzach-Wyhlen ist sehr groß. Durch die räumliche Lage gibt es viele Möglichkeiten einer strukturgerechten Zukunftsgestaltung. Es wäre etwa vorstellbar, dass Grenzach-Wyhlen zu einem Teil des Life-Science-Clusters der Region werden könnte. Eine so hochwertige Einrichtung wie ein Innovationspark wäre langfristig durchaus denkbar. Die Ansiedlung eines Sondermüllentsorgers würde all diese innovativen Projekte verhindern. Deshalb darf Zimmermann nicht kommen.

BZ: Eine Totalsanierung würde laut BASF bis zu zehn Jahre dauern und grob überschlagen Material für 20 000 Lkw-Fahrten bedeuten. Wie sehen Sie das?

Mutter: Wenn man den Zahlen Glauben schenkt, ginge es um 400 000 Tonnen Aushubmaterial. Zimmermann hätte maximal 120 000 Tonnen im Jahr an Sonderabfällen in die Anlage bringen können. Die Verkehrsbelastung durch die Totalsanierung, wenn denn überhaupt alles über die Straße transportiert würde, wäre also die gleiche, die wir mit Zimmermann in nur vier Jahren gehabt hätten. Dieser Aspekt ist in Bezug auf die Ökobilanz der beiden Varianten entscheidend.

BZ: Wie geht es für die Bürgerinitiative, das Bürgerforum, denn weiter?

Mutter: Wir bleiben am Ball. Eine zukunftsoffene Gestaltung unserer Region ist weiterhin unser zentrales Anliegen.