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29. November 2008

Roger Ehret über bekannte und weniger bekannte Verstorbene

Basel lässt die Toten tanzen

  1. Basler Totentanz, Wandgemälde an der Predigerkirche Foto: AKG

Auf dem Marktplatz prangt ein großer Weihnachtsbaum, von den Pausenhöfen ist fröhliches Kindergeschrei zu hören und wenn sich abends die Bürohäuser leeren, werden erst die Bars voll, dann die Gäste. Basel ist eben eine höchst lebendige Stadt. Einerseits.

Aber auch eine einzige Nekropole. Unter der Innenstadt liegen nämlich mehr als 30 Gräberfelder, Kirchhöfe und "Gottesäcker". Darüber gab es den "Totentanz zu Basel" nicht nur auf den berühmten Wandbildern bei der Predigerkirche zu sehen, sondern auch real, etwa wenn im 16. Jahrhundert nachts junge Männer in weißen Kleidern durch die Gassen zogen.

Die Lebenden sangen "Ach lieber Tod zu Basel", erschauerten auf dem Münsterplatz bei Frank Martins Ballettmusik "Ein Totentanz zu Basel im Jahr 1943", sahen sich 1992 den Spielfilm "Tod zu Basel" an und begegnen modernen schaurig-schön-grotesken Interpretationen des "Dootetanz" an der Basler Fasnacht.

"Basel hat seine Toten lieb" – das Buch "Gräber und Geschichten – Basel und seine Toten" aus dem Christoph Merian Verlag erinnert daran. Die Autoren Matthias Buschle und Daniel Hagmann stellen 109 Frauen und Männer vor, "deren Leben und Sterben in besonderem Sinn mit Basel und Tod verknüpft ist", vom Basler Maler Otto Abt (1903–1982) bis zum Händler und Stifter Johann zum Teufel (gestorben vor 1294), um dessen Erbe es einen Rechtshändel gab, in den sich sogar Papst Nikolaus IV. einmischte. Berühmte Tote werden vorgestellt wie Erasmus von Rotterdam, der "Toteninsel"-Maler Arnold Böcklin oder Meret Oppenheim. Aber auch zahlreiche kaum bis gar nicht bekannte wie das Dienstmädchen Julia Eschmann, das 1919 während des Generalstreiks erschossen wurde, Donald T. Rowley, der Co-Pilot eines US-Bombers, der 1943 bei Basel abstürzte, oder Susanna Schaub, die 1713 wegen dreifachen Giftmords verbrannt wurde. Und wer weiß schon, dass der Inzlinger Dieb Ferdinand Deisler 1819 in Basel enthauptet wurde, dass der Schriftsteller Wolfgang Borchert hier gestorben ist oder dass der deutsche Theologieprofessor Bernhard Duhm 1928 sein Leben während eines Abendspaziergangs verlor – als ihn beim Spalentor ein Auto überfuhr? Ein spannender und lebendiger Totentanz, dieses Buch.

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