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30. Juni 2012

Grünes Klassenzimmer

Angehende Erzieherinnen und Erzieher sammeln Erfahrungen fürs Arbeiten mit Kindern.

  1. Naturnahes Erziehen in Kitas boomt. Angehende Erzieherinnen und Erzieher sammeln praktische Erfahrungen im Sternwald. Foto: Ingo Schneider

Der Wald wird ein immer größeres Thema für die Kleinen. Kindergärten machen Ausflüge und Lernprojekte, viele haben Waldtage schon fix im Programm. Höchste Zeit, angehende Erzieherinnen und Erzieher darauf vorzubereiten – damit sie im Berufsleben nicht glauben, sie stehen im Wald, sondern es tatsächlich und gut gewappnet tun. Die Merian-Schule hat jetzt erstmals eine Gruppe ausgewählten Berufskolleg-Schüler mit den Profis vom Waldhaus eine Woche zum Lerncamp in Freiburgs Forst geschickt.

Auf einer kleinen Lichtung hämmert’s. Doch im Sternwald ist kein Specht am Werk, sondern eine Gruppe junger Frauen und Männer. Auf dem Stundenplan der Merian-Schüler steht Werken mit Holz. Sally Rilana-Ernst hat einen groben Holzlöffel geschnitzt und pustet auf die Kohle, die die Löffelmulde ausbrennen soll. "In der Waldwoche geht’s darum die Natur wahrzunehmen und den Kindern näher zu bringen", erklärt die 28-Jährige neben der Feuerstelle mit Kochtopf und lacht – "und Essen gibt es auch immer." Die 20-jährige Natalie Blattmann rührt die Tomatensoße, nachher gibt es Spaghetti und zum Nachtisch Paradiescreme.

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Im idyllischen grünen Klassenzimmer lernen die angehenden Erzieherinnen und Erzieher im Berufskolleg I Grundlagen über Baumarten, Vielfalt und Forstpflege. "Wir streuen waldpädagogische Aktionen ein", erklärt Forstwirt Philipp Gottwald von der Lerneinrichtung Waldhaus. Es ist ihre erste gemeinsame Projektwoche, sagt Lehrerin Annegret Vonderberg. Sie war schon früher mit Merian-Schülern draußen – "weil wir gemerkt haben, dass sie den Bezug zur Natur etwas verloren haben". Der Trend geht in die andere Richtung, längst haben nicht mehr nur Waldkitas die Natur als Ort zum Lernen entdeckt: "Das Thema spielt eine immer größere Rolle", sagt Vonderberg. Sie will, dass die Natur nicht als Ambiente und Bastelspeicher benutzt wird. "Ich will Liebe und Ehrfurcht wecken." Das sollen ihre Schüler an die Kinder weitergeben und möglichst auch an Kollegen. Zu denen, wird oft gefordert, sollen mehr Männer gehören. "Und da sind wir", sagt Juanito Louis. Er sägt an einem Holz, das ein Mörser werden soll. "Meine kleine Tochter wird Spaß haben, damit rumzumatschen." Der 27-Jährige hat sich für die Arbeit mit Kindern entschieden. Damit das mehr Männer tun, müsste das Gehalt steigen, meint Vonderberg zwischen Bauwagen und Unterstand. Die Lichtung ist das Basislager vom Waldhaus-Klassenprojekt "Schulverwaldung", das dieses Jahr fast ausgebucht ist. "Fürs nächste ist es auch schon dünn", sagt Gottwald. 2013 läuft auch die Förderung von Versorger Badenova aus, Sponsoren sind gesucht. Mit seiner jetzigen Klasse fällt Gottwald zum Schluss kleine Bäume für ein Kunstobjekt. Doch erstmal singen sie zur Gitarre "Ich kann atmen!", das Lied haben sie im Wald über die Woche geschrieben.

Info zum Projekt Schulverwaldung unter http://www.waldhaus-freiburg.de

Autor: Simone Höhl