Das tagtägliche Glück finden

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 16. Januar 2017

Gundelfingen

Die Ausstellung im Foyer des Gundelfinger Rathauses zeigt Arbeiten des Künstlers Markus Franke.

GUNDELFINGEN. Irgendwie wirkt die Szene ganz banal. Alltagsgrau und blass erscheint die Momentaufnahme einer Gehwegsituation aus Berlin. Vorne die Pflastersteine, auf dem breiten Trottoire, etwas weiter hinten fünf Personen, die nur leicht versetzt nebeneinander hergehen, eingerahmt von parkenden Autos und der Häuserfassade. Nichts Besonderes also, und doch Ausgangspunkt und Inhalt von 24 Siebdruckarbeiten von Markus Franke, die unter dem Titel "Vorübergehende" seit Mittwoch im Foyer des Gundelfinger Rathauses zu sehen sind.

Es sind Arbeiten, denen man alles andere als "en passant" begegnet, auch wenn die meisten Rathausbesucher dort wohl eher nicht die Begegnung mit Kunst suchen. Der Blick auf die Werke des 1962 in Heidelberg geborenen Künstlers und evangelischen Pfarrers lädt zum Verweilen ein, zum Stopp im Fluss des Alltags, zur Unterbrechung des Trotts. Gerade deshalb, weil sie selbst das immer wieder Gleiche und dennoch das in jedem Moment Neue zum Ausdruck bringen. Kunst, die dazu einlädt, das Besondere, das Einmalige im Alltag zu entdecken.

Dies gelingt Franke, der leidenschaftlich Bildmotive aus unterschiedlichen Printerzeugnissen sammelt. Hat er eines ausgewählt, unterwirft er es einem immer wieder neuen Veränderungsprozess. Der Siebdruck ist die Technik, mit dem es dem Künstler gelingt, dem Ursprünglichen immer wieder neuen Ausdruck zu verleihen. "Das Motiv verliert für mich an Bedeutung, durch ständige Be- und Überarbeitung bekommen die Farben, die Rasterstrukturen immer mehr Wertigkeit", so Franke zu seinen Arbeiten. In der Variation liegt für ihn der Reiz zu testen, wie gut sich ein Motiv dafür eigne. Franke, der seine theologische Ausbildung in Tübingen, Berlin und Heidelberg auch immer mit einer künstlerischen Ausbildung verbunden hat und sich in seiner theologische Abschlussarbeit mit Joseph Beuys befasste, entwickelte dabei offensichtlich eine gute Intuition.

Die Siebdruckarbeiten, die durch ein paar frei inspirierte und von großer Farbintensität geprägte Gemälde ergänzt werden, sind eine Einladung, der eigenen Intuition zu folgen. Und dazu, so Ute Niethammer in ihrer Einführung aus, auf "Geheimdienstmission" zu gehen. Um im Spiel der Strukturen und Farben "nach Bedeutungen, Symbolen, Botschaften zu suchen", so die Pfarrerin und Mitarbeiterin im Referat Frauen der Badischen Landeskirche. Wahrscheinlich ist, dass der Betrachter dabei auf ein Mysterium stößt, das letztlich in ihm selbst steckt: den Dingen durch den eigenen, kreativen Schöpfungsprozess des Betrachtens und Fühlens etwas Besonderes zu verleihen – und seien sie noch so alltäglich. Und sei es auch nur für einen kurzen Moment. So gesehen ist die Ausstellung von Markus Frank eine Einladung, dem tagtäglichen kleinen Glück zu begegnen.

Info: Die Siebdruckarbeiten und Malereien von Markus Franke sind bis 8. Februar im Foyer des Gundelfinger Rathauses zu sehen.