Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. September 2014

"Eindrücke kommen zu mir"

Der gebürtige Bulgare Valentin Vitanov stellt seine Bilder im Gundelfinger Rathausfoyer aus.

  1. Das Original und das Bild: Valentin Vitanov portraitierte seinen Verwandten. Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Vogelfütterer, ein Akt, eine Möwe im freien Flug – Valentin Vitanov weiß, wie er den Betrachter in den Bann ziehen kann. Unter dem Motto "Bilder aus dem Leben" hat der Künstler am Mittwoch seine Ausstellung im Gundelfinger Rathausfoyer eröffnet. Dabei verriet er auch, wann ihm seine besten Ideen kommen und wer sein Vorbild ist.

Leuchtende Farben, warmes Licht und lebendige Dynamik kennzeichnen die Werke von Valentin Vitanov aus Fellbach. Es sind Bilder, die Staunen hervorrufen und Gefühle von Wärme und Naturverbundenheit vermitteln – auch, weil der Künstler bei seinen Motiven an klassische Themen der Malerei anknüpft: Figuren, Porträts und Alltagsszenen. Das ist bei ihm allerdings relativ neu, denn bis vor vier Jahren malte er nur Abstraktes. "Dann dachte ich mir, wenn Gerhard Richter, einer der größten deutschen Künstler, sich traut, realistische Bilder zu malen, versuche ich es auch." Außerdem, so der Künstler, haben alle Gemälde etwas Abstraktes in sich – denn kein Künstler kann die Wirklichkeit bis ins Detail genau auf die Leinwand bringen.

Werbung


An eines erinnert sich Valentin Vitanov noch ganz genau. "Als kleiner Junge habe ich meine ganze Fantasie in Bildern und Zeichnungen ausgedrückt", erzählte der heute 65-Jährige bei der Vernissage. In der Zwischenzeit sind zu den Kinderbildern viele ausdrucksstarke Bilder hinzugekommen. Ein buntes Repertoire an Bildern präsentiert der frei schaffende Künstler nun bei seiner Ausstellung in Gundelfingen. Die Ideen zu seinen Bildern kommen ihm auf Reisen. "Doch ich suche keine Eindrücke – sie kommen zu mir." Allerdings kann sich der eine oder andere Bild-Entwurf im Entstehungsprozess verändern. Etwa bei seinem neusten Werk: Zwei reizende Kinder die miteinander sprechen. Nachrichten zum Krieg veranlassten ihn, das Werk mit Kriegsgerätschaften zu ergänzen. Dennoch will der Kunstschaffende mit seinen Bildern Freude verbreiten. "Denn ich liebe das Leben, den Wein und schöne Frauen."

Die Wurzeln von Valentin Vitanov liegen in Bulgarien. Dort wurde er 1949 geboren. Nach Abschluss seines Kunststudiums 1976 war er Mitglied bei den "Bulgarischen Künstlern Sofia" und gleichzeitig Vorsitzender einer Gruppe junger Künstler. "Unsere Kunst gefiel dem Regime überhaupt nicht", weiß er noch. Dennoch war er als frei schaffender Künstler nicht angreifbar. Aufgrund der Einschränkung der Meinungs- und auch der künstlerischen Freiheit und den damit verbundenen persönlichen Schikanen brach er seine Zelte in der Heimat ab, um – all sein Hab und Gut zurücklassend – 1990 in die Bundesrepublik überzusiedeln. "Ich kam her, um frei zu sein, merkte aber bald, dass die Freiheit eigentlich im Kopf, in der Seele wohnt. Man kann also überall frei sein." Vitanov ist ein spiritistischer, religiöser Mensch, wie so manches seiner Bilder vor Augen führt. Sein Glauben führte ihn auf den Jakobsweg, wo er fast 800 Kilometer zu Fuß zurücklegte.

"Nach der Sommerpause erwacht nun das Leben in Gundelfingen wieder – da passt Ihre Ausstellung mit den sehr außergewöhnlichen Bildern sehr gut ins Rathaus", betonte Bürgermeister Reinhard Bentler bei der Eröffnung. Er ist fest davon überzeugt, dass diese Werke die Menschen anziehen werden. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von den jungen Musikern Paul Dreßler (Klavier) und Helen Kornhaß (Klarinette).

Info: Die Ausstellung im Gundelfinger Rathaus kann bis 6. Oktober besichtigt werden: Montag bis Donnerstag 8 bis 12 Uhr, Montag außerdem 14 bis 17 Uhr, Mittwoch 14 bis 18 Uhr sowie Freitag 8 bis 12.30 Uhr. Weitere Informationen unter http://www.valentin-vitanov.de

Autor: Andrea Steinhart