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04. Oktober 2016

Düster, dämonisch, dramatisch

Um "Tod und Teufel" dreht sich ein Konzert der Musiker Christine Schandelmeyer, Lena Sutor-Wernich und Karsten Müller.

  1. Christine Schandelmeyer, Lena Sutor-Wernich und Karsten Müller entführten in schaurige Klangwelten (von links). Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Das Thema ist nicht einfach, meinte Ulrike Bach vom Kunstverein in ihrer Begrüßungsrede zum Konzert "Tod und Teufel". Doch trotz der schweren künstlerischen Kost kamen am Sonntagabend zahlreiche Zuhörer ins Gundelfinger Kultur- und Vereinshaus und ließen sich von Arien und Duetten verzaubern.

"Das Schaurige, Teuflische, Dunkle hat schon immer die Menschen und vor allem die Künstler seltsam angezogen", sagte die Vorsitzende des Kunstvereins. So findet das Thema "Tod und Teufel" seit Jahrhunderten in den vielfältigen Kunstwerken Einzug, in textlichen und musikalischen Darstellungen oder in Balladen und Lieder. "Kein anderes Thema als der Tod ist so nah und alltäglich bei uns Menschen", sagte Bassist Karsten Müller. Zusammen mit der geheimnisvollen Sängerin Lena Sutor-Wernich und der großartigen Freiburger Pianistin Christine Schandelmeyer suchte er die schönsten und schaurigsten Lieder und Duette der Musikgeschichte aus und präsentierte diese am Konzertabend.

Was der Tod über sich selbst sagt, wenn er ein junges, hübsches Mädchen am Wege trifft, verdeutlichte Karsten Müller differenziert und mit Sinn für emotionale Abgründe im Stück "Der Tod und das Mädchen" von Franz Schubert. Nach viel Beifall rezitierte er ein russisches Wiegenlied. Die Mezzosopranistin Lena Sutor-Wernich vertonte mit ihrer ausdrucksvollen Art das Mussorgski-Lied in russischer Sprache. Es gelang ihr, sehr kontrolliert zu singen und gleichzeitig den emotionalen Aufruhr der Mutter, die ihr krankes Kind vor dem Tod schützen will, überzeugend darzustellen. Welche Stimmfarbe würde sich besser für das melancholische "Come Away, death" von Gerald Raphael Finzi eignen, als die dunkle Bassstimme von Karsten Müller? Gleich im Anschluss las er mit seiner klaren Stimme und mit Nuancen gespickt aus der Ballade von Emanuel Geibel "Die Goldgräber". Die Kartenarie aus der Oper Carmen von Georges Bizets, welche gänsehauterzeugend den Tod prophezeit, präsentierte die Mezzosopranistin und erhielt dafür viel Applaus. Nach der Pause sang sie ein weiteres Stück aus der Oper Carmen – das "Habanera".

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Der Teufel stand im zweiten Teil des Konzertabends im Vordergrund. Wie er sich zum Beispiel über die Menschen lustig macht. So stand auf dem Programm das "Flohlied des Mephisto" von Ludwig van Beethoven mit dem Text aus Goethes Faust, welches Karsten Müller vortrug und zuvor erklärte: "Stellen Sie sich die Trunkenbolde im Auerbacher-Keller vor, die kräftig trinken und derbe Lieder singen – und Mephisto singt über die Übernahme eines Königshofes durch einen Floh." Franz Schuberts gespenstischer Geistertanz sang Lena Sutor-Wernich – das Stück schildert im Text, wie sich die Toten um Mitternacht aus ihren Gräbern erheben.

Auch mit einem weiteren Wiegenlied, zuvor von Karsten Müller in deutscher Sprache vorgetragen, erfreute sie nochmals die Zuhörer. Ganz allein hatte Christine Schandelmeyer die Bühne für sich beim Klavierstück "Erster Verlust", den Robert Schumann zur Trauerfeier des Kanarienvogels seiner Tochter komponiert hatte.

Nach Shakespeare-Worten in Originalsprache gesungen von der Bassstimme und einem weiteren Brahms-Stück in tiefer Altstimme vorgetragen von Lena Sutor-Wernich, gab es noch auf Wunsch des Publikums eine humorige Zugabe, um Teufelchen und Dämonen in Champagnerflaschen.

Autor: Andrea Steinhart