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28. September 2012

Ein Morgen für "Kahlköpfe"

Gundelfinger Matinee zum Thema Alter: "Gestern war heute noch morgen" / Foyer vollbesetzt.

  1. Matinée Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Unter dem Titel "Gestern war heute noch morgen" präsentierte der Kunstverein Gundelfingen eine Matinee zum Thema Alter mit Ulrike Bach, Ronald Holzmann und Nik Schurmann. Das Thema lockte zahlreiche Gäste am Sonntagvormittag ins Gundelfinger Rathausfoyer.

"Wenn das Gestern heute wird / und Morgen heute ist / so denk nicht an das Übermorgen / das da Morgen ist und das dann sowieso heute ist. / Deine Zeit ist immer hier und jetzt." Mit diesem kleinen, verwirrenden Vers begrüßte Ulrike Bach, Kunstvereinsvorsitzende, völlig überwältigt vom Ansturm, die rund 80 Gäste.

Schon viele Themen hatte der Kunstverein als Motiv – doch das Alter wurde bislang vernachlässigt. "Dabei scheint es viele zu interessieren", sagte Ulrike Bach. Und es wurde ein vergnüglicher, teils aber auch besinnlicher Vormittag – auch weil Ulrike Bach, Ronald Holzmann und Nik Schurmann es auf besondere Art und Weise verstanden haben, Hermann Hesse, Wilhelm Busch und Rainer Maria Rilke ihre Stimme zu leihen, und zwar so, dass die Zuhörer sich ganz darin verlieren konnten. Die Wirkung der vorgelesenen Worte untermalt musikalisch Jan Ullmann am Klavier. Mal besinnlich, mal humorvoll waren die Gedichte zum Thema "Älterwerden". Natürlich durfte Hermann Hesse bekanntes Gedicht "Ein Mann von 50 Jahren" nicht fehlen: "Von der Wiege bis zur Bahre / sind es fünfzig Jahre / dann beginnt der Tod."

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Auch Eugens Roths Gedichte "Weltlauf", "Einbildung" und "Für Kahlköpfe" passten gut ins Programm. Mit der "Aufforderung zur Unsterblichkeit" von Benno Burkhardt zeigte Ulrike Bach auf, wie es die wahren Alten machen, die "sich aufraffen, um die zweite Jugend zu schaffen". Nik Schurmann hatte dazu eine bessere Lösung und bemerkte spitzbübisch lächelnd mit Wilhelm Busch: "Wer einsam ist, der hat es gut / Weil keiner da, der ihm was tut / Er kennt kein weibliches Verbot / Drum raucht und dampft er wie ein Schlot."

Heiter war auch das von Ronald Holzmann vorgetragene "Requiem" von Hans Sahl, bei dem alle bekannten Sprichwörter vorkamen. Die Auswahl an Gedichten war groß und bot daher reichlich Abwechslung. Zum Ende trugen sie gemeinsam das "Trinklied" von Carl Michael Bellmann vor, bevor Ulrike Bach die Matinee mit dem bekannten Rainer Maria Rilke-Gedicht "Ich lebe mein Leben" beendete.

Autor: Andrea Steinhart