Erinnerungen an den kreativen Mönch

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Di, 28. März 2017

Gundelfingen

Gedenkausstellung in Gundelfingen mit Werken von Benedikt Werner Traut würdigt den 2016 gestorbenen Künstler.

GUNDELFINGEN. Bruder Benedikt ist in Gundelfingen unvergessen. Das bewies die gut besuchte Eröffnung der Gedenkausstellung im Rathausfoyer. Der Kunstverein Gundelfingen zeigt bis 26. April Werke, die von der einzigartigen Kreativität des evangelischen Mönchs zeugen, der in Gundelfingen lebte und im vergangenen Jahr verstorben ist.

"Bruder Benedikt war eine Lichtgestalt und er hat viele Spuren in Gundelfingen hinterlassen", sagte Bürgermeister Raphael Walz bei der Vernissage. Er dankte dem Kunstverein, allen voran der Vorsitzenden Ulrike Bach, für die Ausstellung des anerkannten Künstlers. Er ist am 1. Mai 2016 im Alter von 82 Jahren verstorben. Der Großteil der künstlerischen Werke ist im Diözesanmuseum am Dom in Würzburg und hängt dort zwischen Picasso und Beuys, Riemenschneider und Dürer. Ein weiterer Teil befindet sich im Besitz von Marianne Kawohl, sie kannte Bruder Benedikt besonders gut. Daher oblag es ihr auch die Laudatio zu halten. Die ausgestellten Grafiken stammen auch aus ihrem Besitz.

"Er selbst sagte oft, die 22 Jahre in Gundelfingen seien die schönsten Jahre seines Lebens gewesen", erzählte Kawohl. Hier lebte er als Mönch, wenn auch extern, so doch innerlich und innig mit seinem Orden verbunden. Grund für sein Leben außerhalb der Klostermauern: Das Ordensleben und sein künstlerisches Schaffen ließen sich nicht vereinbaren. So kam er nach Gundelfingen. Er schuf Bilder, Texte, Karten, Bücher, Glasfenster, Altarwände und vieles mehr. "Vor jedem Auftrag sagte er immer ganz bescheiden, er habe nur den Status der leeren Hände und sei ganz auf Gottes Hilfe angewiesen", erzählte Kawohl. Zudem traute sich der Künstler nur wenig zu und war sehr selbstkritisch. "Seine Ansprüche an sich und andere waren sehr hoch."

Bevor Benedikt Traut 1957 in den evangelischen Orden "Communität Christusbruderschaft Selbitz" eintrat, wollte er Architekt werden. Sein Vater hatte ein Architekturbüro in Köln. Von ihm lernte er die Grundgesetze der Baukunst, der Farben und der Räumlichkeit. Nach dem Abitur arbeitete er als Maurer und Zimmerer, eine Voraussetzungen für ein Studium der Architektur. Doch sein Lebensweg führte ihn nach Selbitz. Vom Orden wurde er zum Studium der Schriftenmalerei nach Nürnberg geschickt, danach zum Kunststudium. "Dort tat er mehr als alle anderen und sein zäher Fleiß führten zum Erfolg", sagte Kawohl.

In vielen Ausstellungen fanden seine Plastiken, Bildsteine, Glasfenster, Wandbilder, Gobelins, Paramente und Graphik-Design die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Seine Kunstobjekte waren ausgestellt in Berlin, München, Köln, Hamburg, Frankfurt und auch in Linz und Wien. Großformatige Glasobjekte, Plastiken aus Granit oder Altarfenster wurden von ihm für Kirchen und Einrichtungen etwa in Mönchengladbach, Petersberg, Gottmadingen oder Kirchheim/Teck erstellt.

Statt Applaus gab es eine Gedenkminute

Neben den Kunstwerken schrieb Bruder Benedikt Meditationstexte, Gedichte und Essays. Anfangs dichtete er die Titel zu seinen Bildern. Dann kamen die Essays zum Thema "Wege zur Kunst – Wege zum Leben", der Trilogie "Dein Weg – mein Weg" und "Verweilen im Sein". Eines der Gedichte trug Ulrike Bach vor. Über Deutschland hinaus bekannt war der Mönch zudem durch seine Vorträge und Lesungen. Das gesamte schriftliche Material aus dem Leben und zu den Werken Trauts sind vor einigen Jahren im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufgenommen worden.

Statt eines Applaus für die Laudatio wurde eine stille Gedenkminute für Benedikt Werner Traut gehalten. Marianne Kiesel (Gesang) und Sabine Waldstein (Klavier) umrahmten musikalisch die Eröffnung.

Hinweis: Die Gedenkausstellung ist bis zum 26. April im Rathausfoyer in Gundelfingen zu sehen. Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr, (Freitag bis 12.30 Uhr). Montag zusätzlich von 14 bis 17 Uhr und Mittwoch von 14 bis 18 Uhr.