Fahren gegen das Vergessen

Enya Steinbrecher

Von Enya Steinbrecher

Di, 27. September 2016

Gundelfingen

Oldtimerfreunde treffen sich zum Herbstfest in Gundelfingen / Ältestes Fahrzeug im Verein ist hundert Jahre alt.

GUNDELFINGEN. Einige Raritäten konnten Interessierte am Sonntag auf dem Schulhof der Johann-Peter-Hebel-Grundschule in Gundelfingen bestaunen. Sie waren zum Herbstfest der Oldtimerfreunde gekommen. So fanden sich vor der Herbstausfahrt der Vereinsmitglieder beispielsweise ein Reo aus dem Jahr 1916 und ein BMW 2002 Cabrio, Baujahr 1972, von dem nur noch etwa 50 Stück existieren, auf dem Schulhof der Grundschule ein.

Die Teilnehmer, die ab 9 Uhr mit ihren Oldtimern auf dem Schulhof waren, konnten nach einer kurzen Begrüßung zwischen zwei unterschiedlich langen Routen wählen: Wer es etwas gemütlich angehen lassen wollte, konnte die Strecke über 60 Kilometer wählen und in Freiamt abkürzen. Über Heuweiler ging es dann zurück nach Gundelfingen. Die längere Route erstreckte sich über 90 Kilometer und führte über Biederbach und Freiamt zurück. Alle Autofahrer trafen sich gegen halb eins wieder zum gemeinsamen Mittagessen im Kultur- und Vereinshaus in Gundelfingen.

Hierzu waren auch Mitglieder des Runden Tisches für Menschen mit und ohne Handicap eingeladen, die durch ein Inklusionsprojekt des Landes Baden-Württemberg unter anderem auf die Oldtimerfreunde Gundelfingen gestoßen waren. Zehn weitere Vereine hatten sich dafür gemeldet. Das Ziel sei nicht unbedingt, den Menschen mit Handicap das Oldtimerfahren möglich zu machen – aus versicherungstechnischen Gründen sei das schwierig, berichtete Sabrina Fögele, die Inklusionsvermittlerin der Gemeinde. In erster Linie wolle man auf Menschen mit Behinderung aufmerksam machen und dafür sorgen, dass diese sich integrieren können und auch mal das Haus verlassen. Sie selbst sei noch nie Oldtimer gefahren, würde es jedoch gerne mal ausprobieren. Acht Mitglieder des Runden Tisches hätten das Angebot zu einem ersten Kennenlernen der Oldtimerfreunde angenommen, man rechnete im Laufe des Tages damit, dass sich noch Weitere einfinden würden.

Auch Zuschauer kommen auf ihre Kosten

Auch wer selbst keinen Oldtimer besaß, sondern lediglich als Zuschauer dabei war, kam bei dem Treffen auf seine Kosten: Neben dem Reo von 1916 und dem BMW Cabrio war ein Lombardi Grand Prix von 1971 zu sehen. Von den ehemals 800 produzierten Fahrzeugen existieren heute noch um die 100 Stück. Auch einer von circa 450 gebauten Bitter SC aus dem Jahr 1985 war am Sonntag auf dem Schulhof zu sehen.

Einmal monatlich treffen sich die Oldtimerfreunde Gundelfingen zu einer sonntäglichen Ausfahrt, deren Organisation jedes Mal ein anderes Mitglied übernimmt, berichtete René Fiebig, der Sprecher des Organisationsteams des Vereins. Er selbst ist stolzer Besitzer eines Porsche 911. Insgesamt zählen die Oldtimerfreunde circa 110 Mitglieder, zwischen zehn und vierzig von ihnen kämen zu einem regelmäßigen Stammtisch, der am ersten Donnerstag im Monat stattfinde. "Damit sind wir sehr zufrieden", erklärt Fiebig. Alle zwei Jahre findet ein internationales Treffen mit einer großen Fahrt durch Gundelfingen und anschließendem Zieleinlauf in der Ortsmitte statt. Die nächste Begegnung ist für 2017 geplant, momentan suche man noch nach einem geeigneten Termin.

Die Treffen sehe man als "Pflege des rollenden Kulturgutes", was auf verschiedene Weisen gedeutet werden kann. Zum einen würden viele Oldtimer sonst in Hallen verstauben und bald nicht mehr fahrtüchtig sein, zum anderen gerieten durch die Ausfahrten die Gefährte auch nicht in Vergessenheit.

Mehr Bilder von den Oldtimern im Internet unter mehr.bz/oldies2016