Faszination Farbe: Kunst im Rathaus

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 24. September 2009

Gundelfingen

Brigitte Goecke stellt beim Gundelfinger Kunstverein aus: Bunt ist ihre Lieblingsfarbe / "Das Malen gibt mir Freude und Glück"

GUNDELFINGEN. Kunst braucht Raum, in dem sie sich entfalten kann − Licht, in dem sie wirken kann. Im hellen Gundelfinger Rathausfoyer finden die modernen Gemälde von Brigitte Goecke derzeit das dazu passende Ambiente. Die ausgestellten Bilder erscheinen in einer leidenschaftlichen Farbigkeit, die das Licht förmlich erzwingt. Auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins zeigt die Freiburger Künstlerin bis 14. Oktober während der Öffnungszeiten des Rathauses ihre Werke.

"Ein volles Haus bei einer Vernissage bedeutet für den Künstler die höchste Anerkennung." Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Reinhard Bentler am Mittwochabend die Vernissage von Brigitte Goecke im Rathaus. Er brachte damit zum Ausdruck, wie sehr die Kunstwerke der bekannten Freiburgerin geschätzt werden. Entzückt sei er über die Ausstellung und garantierte der Künstlerin ein interessiertes Publikum. Goeckes Bilder sind allerdings nicht im Vorbeigehen zu konsumieren. Die Formensprache ist abstrakt. Die titellosen Bilder sprechen zu den Betrachtern durch ihre Formen und Farben. "In dem Moment, in dem die Farbe in ihrer Qualität als Farbe wirken darf und nicht nur als Inkarnat einen Gegenstand koloriert, gewinnt sie in der Malerei eine Eigenwertigkeit", betonte Ulrike Bach, Vorsitzende des Gundelfinger Kunstvereins, in ihrer Einführung. So kann das Bild in seiner ganzen Intensität, Strahlkraft und Raumhaftigkeit auf den Betrachter wirken.

"Das Auseinandersetzen mit Farben hat für mich eine essentielle Bedeutung – ohne Farben geht es nicht", enthüllt die Künstlerin am Rande der Ausstellung. "Farben faszinieren mich." Jedoch wählt sie die Farben nicht willkürlich – sie müssen schon im Bild eine Harmonie ergeben. Auch die Formen sind nur angedeutet. Trapeze, Flächen, Rechtecke werden durch Schattierungen, feine Pinselstiche oder Rundungen aufgelöst. "Jedes Bild muss genauestens betrachtet werden, um darin etwas für sich zu entdecken", rät Ulrike Bach. So finden sich Stimmungen und Fantasien der Künstlerin in den Details. Gerade die impulsive Pinselführung lässt auf ein vorandrängendes Gemüt der Schaffenden schließen lassen.

Brigitte Goecke hat aus der Fülle ihrer Arbeiten eine kleine, exzellente Auswahl zusammengestellt – repräsentativ für ihr Gesamtwerk. Ihre bildnerische Technik: Die Collage. Zuerst klebt die Künstlerin dazu Zeitungsstücke auf einen Untergrund, danach überdeckt und lasiert sie das Kunstwerk mit einer farbigen Wachsemulsion. Ab und zu ist noch Gegenständliches in den Bildern zu erkennen – bruchstückhafte Bildelemente und Buchstaben, aber auch andere Materialien wie Sand verarbeitet sie.

"Kunst war und ist immer in mir drin", erzählt Goecke, die 1941 in Konstanz geboren wurde. Wirklich angefangen mit der Malerei hat sie erst in den 60er Jahren. Sie wurde Fachlehrerin für Kunst und Technik und teilte ihre Liebe zur Kunst mit den Kindern, die sie unterrichtete. "Das Malen gibt mir Freude und Glück." Die Vernissage wurde mit Chanson von Anita Morasch auf dem Akkordeon musikalisch begleitet. Ihre voluminöse Stimme erfüllte dabei das ganze Rathaus.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 Uhr bis 12 Uhr, Montag Mittag von 14 Uhr bis 17 Uhr, Mittwoch Mittag von 14 Uhr bis 18 Uhr und Freitags von 8 Uhr bis 12 Uhr 30.