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16. Juni 2012

Fotografien, die das Innere nach außen kehren

Reinhard Wulf zeigt derzeit Fotokunstwerke auf Einladung des Kunstvereins im Rathausfoyer in Gundelfingen.

  1. Ausstellung im Rathaus Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN (ast). Sie sind bunt und schrill oder schwarz und weiß: die künstlerischen Fotografien von Reinhard Wulf. Zu sehen sind die interessanten Werke derzeit auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins im Rathausfoyer.

Reinhard Wulfs Bilder entstehen im Kopf des Fotokünstlers. "Erst sehe ich das Motiv, dann sehe ich, was dahinter steht." Am Computer bearbeitet er die Bilder, legt sie übereinander, horizontal und vertikal, spiegelt und dupliziert sie. Dadurch wird jedes Bild ein Unikat, ein Kunstwerk. "Beim Betrachten der Bilder kann eine Art Meditation entstehen", sagte Brigitte Wagner, die in die Arbeiten des Künstlers einführte.

Ein großes und durchaus spezielles Anliegen des Künstlers ist das Zusammenfügen: Kühnes wird mit Märchenhaftem vereint, Schwarzes mit Weiß. Die Summe aus allen Arbeiten sieht Brigitte Wagner, die in ihrer Einführung Beuys, Platon, Picasso aber auch Benedikt Traut zitierte, im Bild mit dem Titel "Roter Traum" – das einer Explosion oder einem Kaleidoskop sehr ähnlich sieht. Ein Teil der bearbeiteten Fotografien zeigt unscheinbare Landschaften, berühmte Denkmale aber auch Porträts.

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Alles setzt Reinhard Wulfs in eine außergewöhnliche Szene und verdeutlicht damit seine unbändige Lust am Experiment: Er konfrontiert das alte herkömmliche Medium Bild mit Hightech von heute – und kehrt dabei das Innere nach außen. "Durch das Begleiten der Patienten bin ich sensibilisiert für das Innere, für das, was den Menschen ausmacht", erzählte Wulf am Rand der Ausstellung. Und weiter: "Somit entsprechen die Titel der Bilder genau meinen Empfindungen."

Wulf wurde 1941 in Berlin geboren. Sein Vater war im Krieg, die Mutter ernährte die Familie, in dem sie Musikstunden gab. Während seines Studiums entwickelte und vergrößerte Wulf seine ersten Bilder. Dann kamen die Arbeit, die Gründung einer Familie und der Aufbau einer eigenen Arztpraxis. Brigitte Wagner: "Alles braucht seine Zeit." Mit 68 Jahren ging der Künstler in Ruhestand und entdeckte sein Potential wieder. Ein gewisses Ordnen im Sehen setzte ein. "Bilder sind festgehaltene Augenblicke - aber Reinhard Wulf sieht die Wirklichkeit und das, was darüber hinausgeht." Liselotte Reaves und ihr Schüler Matthias Jansen umrahmen die Vernissage musikalisch mit dem Cello.

Hinweis: Die Ausstellung im Rathaus kann von montags bis freitags zu den Öffnungszeiten besichtigt werden.

Autor: ast