Gekratzt, geätzt, gefärbt

ast

Von ast

Mi, 30. März 2011

Gundelfingen

Brigitte Wagner arbeitet mit "kalter Nadel" / Derzeit sind Radierungen der Künstlerin im Gundelfinger Rathaus ausgestellt.

GUNDELFINGEN (ast). "Schnee und Eis faszinieren mich schon immer", sagt Brigitte Wagner. Genau das wird in den bizarren Landschaften ihrer abstrakten Radierungen deutlich. Die Arbeiten von Brigitte Wagner aus Meßstetten, die bis 20. April im Gundelfinger Rathausfoyer auf Einladung des Kunstvereins zu sehen sind, laden den Betrachter zu einer spannenden Entdeckungsreise ein.

"Mit der Stahlnadel ritzt die Künstlerin ihre Zeichnung direkt auf die Platte, färbt die Ritzen, wischt und prägt unter hohem Druck das Motiv ein." Die Kaltnadeltechnik ist knifflig und schwer zu begreifen. Doch Ulrike Bach, Vorsitzende des Kunstverein Gundelfingen, gibt sich alle Mühe, in ihrer Einführung zur Ausstellung, die Details den Besuchern zu erklären: "Das Büttenpapier, das beim Drucken immer etwas feucht sein muss, empfängt die Farbe und die Fläche gewinnt einen eigenen Ausdruck." Um eine Perfektion in dieser Technik zu erreichen, braucht es Jahre. Brigitte Wagner ist es gelungen. Deutlich zu erkennen bei ihren Landschaftsbildern, in der sie mit wenigen Details, einen kahlen Baum oder einen Zaun, eine enorme Weite entstehen lässt. Durch die eingeschränkte Farbgebung von Schwarz, Weiß und Grautönen wirkt die Ausstellung im Rathaus ruhig und edel. Die Einzelheiten entdeckt der Betrachter erst beim Wandeln von Bild zu Bild.

"Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Natur – und wir können nachempfinden, wie die Landschaft sich anfühlt mit den Spuren im Schnee", veranschaulicht Ulrike Bach den Vernissage-Gästen. Die Künstlerin beschränkt sich in ihren Werken stets auf das Wesentliche, "doch gerade deshalb haben die Bilder eine große Ausdruckskraft." Es sind Stimmungen, die wiedergegeben werden – vor allem beim Betrachten der Landschaften. In früheren Zeiten schuf die 1940 in Berlin Steglitz geborene Künstlerin Werke, die Personen, Handlungen und viel mehr Details als die Radierungen der jüngsten zehn Jahre, zeigen. Zum Beispiel die sechs ausgestellten Werke zu dem Märchen "Goldfinger" von Ludwig Zoepf. Doch auch diese Radierungen sind keine Illustrationen im Sinne der bildhaften Nacherzählung, sondern eher eine Mischung von Stofflichkeit und Transparenz.

Brigitte Wagner studierte an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart und arbeitet seit 1962 als freischaffende Künstlerin in Reutlingen. Einige ihrer Bilder hängen in verschiedenen Museen, etwa in der Staatsgalerie Stuttgart, in Dresden, Salzburg und Tübingen. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage profimäßig von Jonas Brunnabend (14) und David Burger (14) mit harmonischen Gitarrenklängen. Beide spielen schon seit Jahren Akustikgitarre.

Hinweis: Die Ausstellung im Rathaus kann von Montag bis Donnerstag von 8 Uhr bis 12 Uhr, Montagmittag von 14 Uhr bis 17 Uhr, Mittwochmittag von 14 Uhr bis 18 Uhr und freitags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr besichtigt werden.