Heraustreten aus der Einsamkeit

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 06. November 2015

Gundelfingen

Bei der Herbstausstellung wagen sich Gundelfinger Künstler in die Öffentlichkeit und geben Einblicke in ihr Schaffen.

GUNDELFINGEN. Auf engstem Raum präsentieren die Mitglieder des Kunstvereins Gundelfingen derzeit ein Meer von Farben. Noch bis zum 2. Dezember können Besucher des Rathausfoyers die große künstlerische Bandbreite erleben, die in Gundelfingen entsteht.

"Es ist für jeden Geschmack etwas dabei", freute sich Bürgermeister Raphael Walz bei der Eröffnung am Mittwochabend vor zahlreichen Gästen. Er zollte Respekt für die Arbeit des Kunstvereins, der es immer wieder schafft, ansprechende und ausdrucksstarke Ausstellungen zu organisieren. Eine besondere Schau ist die Mitgliederausstellung, bei der jedes Jahr im Herbst die freischaffenden Künstler, Kunsterzieher oder Kunstliebhaber, die sich im Selbststudium, in Volkshochschulkursen oder an verschiedenen Kunstschulen weitergebildet haben, ihre schönsten Werke ausstellen. "Dieses Mal beteiligen sich besonders viele Künstler an der Ausstellung – so viele waren es noch nie", verdeutlichte Hans-Werner Drawin, der die Vorsitzende Ulrike Bach bei der Eröffnung vertrat.

30 professionelle, halbprofessionelle und einfach nur vom kreativen Schöpfergeist bewegte Mitglieder des Kunstvereins Gundelfingen zeigen 51 Werke. "Mehr lässt der vorhandene Platz nicht zu." Die ausgestellten Werke zeichnen sich durch eine hohe Qualität aus. Jeder Künstler konnte bei der Auswahl seinen Vorlieben und Neigungen hinsichtlich Techniken und Motivwahl freien Lauf lassen. Aquarell-, Acryl- und Ölbilder, Stofftechniken und Steinarbeiten verdeutlichen die kreative Vielfalt der Gundelfinger Kunstschaffenden. "Die Mitgliederausstellung bedeutet auch immer für die aktiven Künstler eine wichtige, immer wiederkehrende Zäsur im Jahresverlauf des künstlerischen Schaffens", erläuterte Drawin.

Selbstgeschaffene Werke im öffentlichen Räumen zu zeigen, bedeutet nämlich das Heraustreten aus der Einsamkeit der intimen Sphäre des Schaffensprozesses, der sich im Atelier, in der Werkstatt oder in der freien Natur vollzieht. Denn vom Beginn des ersten Pinselstrichs auf der noch weißen Mal- oder Zeichenfläche, dem ersten Nadelstich bei der Anfertigung eines Quilts, oder dem ersten Schlag auf den noch unbehauenen Granitblock, bis zum fertigen Werk, ist jeder Künstler mit sich allein.

Erstmals gab es bei der Vernissage hübsche Postkarten, bedruckt mit Motiven der Bilder von Gundelfinger Künstlern, für zwei Euro zu kaufen. Den Abend begleitete musikalisch Liselotte Reaves am Cello und Dieter Martin am Klavier.