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16. Dezember 2015 12:34 Uhr

Gundelfingen

Karl Gräwe legt mehr als 40.000 Kilometer auf dem Kajak zurück

Der Gundelfinger Rentner Karl Gräwe hat mehr als 40 000 Kilometer in Kajak und Kanu erpaddelt, zum Beispiel befuhr er weite Teile der Donau. Jetzt will er die 50.000er-Marke knacken.

  1. Karl Gräwe, der in Gundelfingen wohnt, ist begeisterter Faltbootfahrer. Er paddelte auch schon von Donaueschingen bis Bratislava sowie auf Rhein und Elbe bis zur Mündung. Foto: Roland Bannholzer 

  2. Karl Gräwe Foto: Roland Bannholzer 

Die meisten ziehen sich nach dem Berufsleben in den Ruhestand zurück, bemalen Tongefäße oder fangen an zu häkeln. Nicht so der Gundelfinger Karl Gräwe vom Faltbootverein Freiburg. Der Rentner wurde für 40 000 geruderte Kilometer mit der "Globus"-Auszeichnung des Deutschen Kanu-Verbands geehrt.

"Das hier ist der Mercedes unter den Booten", sagt Karl Gräwe und deutet auf ein rot-gelbes Kajak, das an der Wand seiner Garage hängt. "Ein Nordstern aus dem Hause Lettmann. 5, 55 Meter lang, zwei Abschottungen für Gepäck, perfekt für lange Touren", erklärt er. Insgesamt vier Boote liegen und hängen in der kleinen Garage. Neben dem Nordstern gibt es noch ein kürzeres Kajak für Marathonfahrten, ein Wildwasserkajak und ein kanadisches Kanu.

Gibt es ein Lieblingsboot? "Ich liebe sie alle", lacht er verschmitzt. Bei so vielen Booten passt der grüne VW-Bus kaum noch in die Garage. "Das Auto brauche ich hauptsächlich für den Transport der Boote", sagt Karl Gräwe und schiebt sich zwischen Wand und Bus vorbei, um das Auto auszuparken. Wann immer er Lust hat, schnallt er eines seiner Kajaks aufs Dach und fährt los: an den Bodensee, die Elbe entlang oder den Rhein hinunter. 40 000 Kilometer legte er im Kajak und Kanu zurück.

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Globus-Abzeichen

Für die Leistung gab es das "Globus"-Abzeichen des Deutschen-Kanu-Verbandes. Das war 2014, inzwischen sind es noch ein paar tausend Kilometer mehr geworden. Ein Grund stolz zu sein? Karl Gräwe wiegelt ab: "Mir geht es um den Spaß am Paddeln, darum konstant dabei zu bleiben". Konstant dabei blieb der ambitionierte Paddler bereits sehr früh. All seine Paddeltouren hat er in Fahrtenbüchern dokumentiert. In den kleinen, gebundenen Heften ist das Datum eingetragen, der Start- und Zielpunkt und die zurückgelegten Kilometer. Zehn Bücher zeugen von dem Leben auf dem Wasser, der erste Eintrag ist vom 11. Mai 1957.

Seither paddelte der ehemalige Reisebusfahrer auf Flüssen und Seen kreuz und quer durch Europa. Neben kürzeren Touren sind in den Büchern lange, mehrtägige Ausflüge vermerkt. Donaueschingen steht oben auf einer Seite geschrieben. Ziel: Bratislava. Andere Touren führten von der tschechischen Grenze nach Hamburg oder von Ingolstadt nach Passau. Eine Lieblingstour hat der 1968 in den Breisgau gezogene Paddler jedoch nicht. "Die Touren sind alle schön. Am liebsten fahre ich jedoch auf den großen Flüssen".

Wasser faszinierte den in Westfalen geborenen Rentner, bereits als Kind: "Als Junge stand ich verträumt am Wasser und sah all die Boote vorbeiziehen". Wann immer er Zeit hatte, ging er raus, spielte am Wasser und baute Flöße, um damit herumzupaddeln. Ein eigenes Boot konnte er sich damals noch nicht leisten. "Nach dem Krieg hatten wir andere Sorgen", sagt er. Nach der Ausbildung leistete er sich dann sein erstes eigenes Wassergefährt, ein Faltboot. Nachdem er ein Jobangebot bei einer Spedition in Freiburg erhalten hatte, zog er um. Seine Faszination für das Element Wasser nahm er mit.

Seit 1969 ist er Mitglied im Freiburger Faltbootverein und nimmt regelmäßig an Ausfahrten teil. "Ende Oktober waren wir in der Ardèche in Südfrankreich zum Wildwasser fahren, das machen wir jedes Jahr", erinnert er sich. Sogar Rennen ist er noch bis vor zwei Jahren gefahren, auch den 42 Kilometer langen Bodenseemarathon hat er absolviert.

"In den letzten zwei Jahren bin ich aber etwas ruhiger geworden", gesteht Karl Gräwe. Sein genaues Alter sagt er nicht. "Die Mitte 70 habe ich hinter mir, mehr verrate ich nicht", sagt er schmunzelnd. Trotzdem paddelt er noch 3000 Kilometer im Jahr. "Die 50 000 Kilometer mache ich noch voll", ist sich der ambitionierte Rentner sicher. Und wenn paddeln nicht mehr geht? "Dann hole ich mir einen Hund", lacht er. Bei seinem festen Händedruck kann das noch eine ganze Weile dauern.

Autor: Merlin Gröber