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07. Oktober 2010

Musik mit der gewissen Träne im Auge

Esther Lorenz und Peter Kuhz: Sepharden-Lieder und Bossa Nova.

  1. Peter Kuhz (Gitarre) und Esther Lorenz konzertierten im Gundelfinger Kultur- und Vereinshaus. Foto: Schmid

GUNDELFINGEN. Es war ein besonderes Konzert, zu dem der Kunstverein Gundelfingen am Freitagabend eingeladen hatte: Hebräisch, Spanisch und Portugiesisch – drei Sprachen, die überall auf der Welt gesprochen werden. Jüdische Musik, Bolero cubano und Bossa Nova – Musik, die in allen Winkeln der Welt gehört wird. Peter Kuhz an der Gitarre und Esther Lorenz’ Gesang nahmen das Publikum mit auf eine musikalisch Reise durch Welt und Zeit.

Esther Lorenz sing in Ivrit, dem modernen Hebräisch, wie es auch heute gesprochen wird. Doch auch alte Lieder, mittelalterliche Gesänge der spanischen Juden, der Sepharden, erklingen. Die Sängerin erklärt die hebräischen Texte bevor sie das Lied anstimmt. Es sind Lieder, deren Text zum Teil von bekannten jüdischen Dichtern stammen. Sie erzählen die Geschichte der Heimatlosigkeit nach dem 2. Weltkrieg, der Suche nach einer Heimat, einem Ort zum Bleiben.

"Es wehen Obdachlosigkeiten um unser heimatloses Haus" schreibt Rose Ausländer, und Esther Lorenz weiß, wie sie solche Texte zu singen hat. Ihre Stimme hat etwas Geheimnisvolles, etwas Schweres, Dunkles. In den tieferen Lagen verliert sie nie an Kraft, gewinnt dazu, entfaltet sich in neuen dunklen Klangfarben. Ester Lorenz weiß mit ihrer Stimme umzugehen. Zart setzt sie Vibrato, verziert die schlichten Melodien so, dass nichts von dieser besonderen Schlichtheit verloren geht.

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Ihr Solostück ist eine wahre Glanzleistung. Es ist ein melancholisches Wiegelied der Sepharden. Die Mutter singt ihrem Kind vom Vater, der nach Hause kommt und vorgibt müde vom Arbeiten auf den Feldern zu sein. Sie weiß, er kommt nicht von den Feldern, er kommt von einer neuen Liebe.

Hier ist ihre Stimme mal klagend, mal zart und geschmeidig, ihr Forte stark und kräftig, im Piano verliert sie nie an Kraft, zart singt sie, haucht nahezu und doch bleibt diese Stimme stark. Auch Vibrato setzt sie gekonnt, nie ist es zu viel. Das Publikum ist ganz verzaubert, nach dem Lied erklingt nur ein zaghaftes Klatschen, denn jeder will auch den letzten Ton verklingen hören.

Peter Kuhz ist ein hervorragender Gitarrist und Begleiter. In seinen Solostücken zeigt er sein ganzes Können. Man spürt, dass die beiden Musiker schon lange zusammenarbeiten. Alles ist genau abgestimmt, ein Blick genügt. Die Tempiwechsel, die Dynamik – alles ist eins, alles kommt aus einem und wird zu einem– zu mitfühlendem Klang.

Das letzte hebräische Lied erzählt von der Liebe, doch so ganz ernst nehmen, kann man es nicht. "Hab dich im Mondschein gesehen. Wie hübsch war doch dein Schatten. Nun ist die Nacht vorbei - der Tag bricht an. Ich nehm dich nicht zum Gatten, hab dich bei Sonnenschein gesehen."

Der zweiten Teil widmet sich dem Bossa Nova und dem kubanischem Bolero. Wie passt das zusammen, wird sich mancher gefragt haben? Dass es passt, spürt man sofort. Vielleicht ist es die gewisse Träne, die sich beide Musikrichtungen teilen, das leicht Melancholische. Vielleicht ist es auch die Interpretation der beiden Musiker. Antonia Carlos Jobim, der Vater des Bossa Nova schrieb den wohl bekanntesten Bossa Nova: The girl from Ipanema. Und natürlich darf dieses Stück hier nicht fehlen. Esther Lorenz und Peter Kuhz singen frei interpretiert vom boy from Ipanema. Leise hört man den Atlantik rauschen, spürt die laue Sommernacht am Strand, an dem man sitzt und eine Caipirinha trinkt.

Mit dem letzten Lied schließt sich der Kreis. Die Zuhörer sind wieder da wo alles begann: bei den spanischen Juden, den Sepharden. Die Zugabe des Duos ist ein Stück aus ihrem neuen Programm, ein Lied aus den 60er Jahren, The shadow of your smile, doch auch hier passt wieder alles. "Es ist auch ein Bossa Nova", meint Peter Kuhz und beginnt zu spielen.

Autor: les