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09. Juni 2010
Sonne-Areal in Wildtal reizt die Bürger
Gundelfinger Streitthema um das künftige Aussehen des "Sonne"-Areals in dreistündige Diskussion bei der öffentlichen Anhörung.
GUNDELFINGEN. Heftig diskutierten am Montag die beiden Bürgerinitiativen, die Gemeindeverwaltung und der Eigentümer in der öffentlichen Anhörung zur Bebauung des Areals "Sonne" im Wildtal. Durch die Anhörung soll die Öffentlichkeit am Bebauungsplan beteiligt und über die Ziele, Zwecke und Auswirkungen informiert werden. Bereits am 20. Mai wurde der Entwurf vom Gundelfinger Gemeinderat mit 17 zu 3 Stimmen als Grundlage der Planung angenommen.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Gemeinde mit der "Sonne" im Wildtal, die auf einem historischen, leicht ansteigenden Plateau steht. Die Gaststätte stammt nachgewiesen aus dem Jahr 1590 . Doch seit rund zehn Jahren wird das Wirtshaus nicht mehr betrieben, die Gebäude sind verfallen. Die Erben hatten sich über den Verkaufspreis nicht einigen können. Diverse Bauträger und Investoren haben in den Jahren bei der Gemeinde vorgesprochen. Am Ende kaufte es die Firma Vukovic aus der March. In den zahlreiche Sitzungen im Bauausschuss, im Gemeinderat und mit dem Eigentümer wurden über die städtebauliche Konzeption und über die Bebauung diskutiert.Werbung
Das entstandene Konzept, welches der Gundelfingen Gemeinderat bereits angenommen hat, wurde nun erstmals zur öffentlichen Diskussion von Harald Männer aus dem Bauamt vorgestellt. Demnach wird das Gasthaus Sonne abgetragen und im Kreuzungsbereich neu im Fachwerkstil aufgebaut. Ein künftiger Dorfplatz bei der Kreuzung Talstraße, Gundelfinger Weg und Heuweiler Weg, südwestlich des Kriegerdenkmals, soll ebenfalls entstehen. In der neuen "Sonne" will der Eigentürmer für das Vereinsleben von Wildtal einen 135 Quadratmeter großen Bürgersaal einrichten. Das Erdgeschoss könnte an ein Cafè oder an eine Bäckerei verpachtet werden. Nur so, erklärte Männer, könne die "Sonne" als Gemeindehaus am ehesten wirtschaftlich getragen werden. Vom öffentlichen Platz in Richtung Südwesten ansteigend, will der Bauunternehmer den historischen Kirchweg wieder anlegen.
Fünf neue Wohnhäuser werden auf dem Areal laut dem Vorentwurf entstehen. Dabei sieht der Eigentümer vor, die beiden mittleren Häuser in der zweiten Reihe dreigeschossig zuzüglich eines Attica-Geschosses zu bauen. Die Gebäude liegen aber aufgrund der Topografie des Geländes so im Hang, dass sie von der Bergseite aus nur über zwei Vollgeschosse verfügen, verdeutlichte Männer. Die zwei Gebäude an der Talstraße sowie das westlich gelegene Wohnhaus werden zweigeschossig zuzüglich je eines Attikageschoss errichtet. Bei der Planung wurde darauf geachtet, dass die Häuser im südlichen Teil und der Dorfplatz im nördlichen Teil des Areals liegen. So könnten Konflikte minimiert werden, sagte Männer.
In der darauf folgenden dreistündigen Diskussion sprachen sich die Sprecher der Bürgerinitiative "Sonne-Areal" (BI) für den Erhalt und Ausbau der Scheune aus und verwiesen dabei auf den Eingemeindungsvertrag von 1971. Demnach habe sich Gundelfingen verpflichtet, bei der weiteren baulichen Entwicklung des Ortsteils Wildtal den Charakter zu erhalten. Durch die massive geplante Bebauung würde dies zerstört. Weil sie Alternativvorschläge ebenso wie ein Gutachten zur "Sonne"-Sanierung vermissen, sammelten die BI bereits 543 Unterschriften gegen den jetzt vorgestellten Entwurf, die an den Gemeinderat schon übergeben wurden. Forderungen, die Gemeinde solle das Grundstück kaufen und den Platz möglichst in seiner ursprünglichen Form zu erhalten, wurden laut.
Anders sieht es die Bürgerinitiative "Sonne-Zirkel". Sie befürwortet den vorgelegten Entwurf und begrüßen den Neuaufbau der "Sonne", da dieses Gasthaus seit jeher den Ortsmittelpunkt gekennzeichnet habe. Die Erhaltung der Scheune lehnten sie ab, weil dieser Zweckbau nicht historisch sei und die Scheune, auch umgebaut, nicht sinnvoll für eine öffentliche Nutzung sei. Schließlich stehe die Scheune auch so auf dem Gelände, dass bei einer Nutzung es sehr wahrscheinlich zu Konflikten mit den Anwohnern käme. Die neue "Sonne" weise dagegen geeignete Räume auf. Der "Sonne-Zirkel" sieht in der Planung die einmalige Chance, dass die 1800 Einwohner Wildtals endlich eine neue Ortsmitte erhalten. Die Sprecher baten am Ende alle Anwesenden, nun endlich gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Der Eigentümer des Sonne-Areals, Bauunternehmer Stjepan Vukovic, bedauert es, eine derartige Unruhe in die Gemeinde gebracht zu haben. Die vielen Ideen begrüßte er, gab aber zu bedenken, dass seine Investition durch eine attraktive Bebauung gedeckt sein müsse. Mittlerweile sei er die sich im Kreise drehende Diskussionen leid und betonte, dass er nun bereit sei, das Gelände auch wieder zu verkaufen.
Bürgermeister Reinhard Bentler bedauerte dies und bekräftigte nochmals, dass die Gemeinde weder das Grundstück kaufen könne, noch eine Sanierung der Gebäude finanziell zu tragen im Stande sei. Er bat den Bauunternehmer am Grundstück und an den bestehenden Plänen festzuhalten. "Ich hoffe, dass wir zu einem guten Ende kommen."
Nach der ersten öffentlichen Anhörung wird nun ein Landschaftsplaner eingeschaltet. Danach wird der Entwurf des Bebauungsplans für die förmliche Offenlage ausgearbeitet. Parallel zu dem Verfahren wird ein städtebaulicher Vertrag mit dem Bauträger über die Bereitstellung der Infrastrukturleistungen abgeschlossen und in den Gremien beraten.
Autor: Andrea Steinhart
